Musikverein: Orgel trifft "neue" Messe

5. April 2011, 17:30
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Olivier Latry kam wieder, doch leider: Ohne Drive

Wien - Unlängst, bei der Einweihung der neuen Musikvereinsorgel, hat er den heftigsten Applaus bekommen - nun kam Olivier Latry wieder, doch leider: Ohne Drive und leider auch ohne jede solistische Initiativkraft beginnt der Franzose Joseph Jongens stimmungsreiche Symphonie concertante für Orgel und Orchester (1925/26); er übernimmt auch nichts von der Agilität, die das von Chefdirigent Cornelius Meister kraftvoll wie feinfühlig angeleitete ORF Radio-Symphonieorchester Wien vorgibt.

Zudem: blass, dahingenuschelt auch der Beginn des Divertimento, keine Spur von "molto vivo", von Bewegtheit auch innerer Art. Eine Spur von Witz konstatiert man immerhin zum Satzende, Jubel jedenfalls nach dem virtuosen Finalsatz.

Zur neuen Rieger-Orgel gibt es in der zweiten Konzerthälfte auch noch eine neue Fassung von Leos Janáèeks Glagolitischer Messe erstmals zu hören: Die vom Bärenreiter-Verlag Prag im Rahmen seiner Janáèek-Gesamtedition erstellte Fassung "September 1927" ist nach Aussage von Dirigent Cornelius Meisters nah dran an der Ausgabe von Paul Wingfield (Universal-Edition, 1993), sie lässt aber mehr Eigenheiten des Komponisten zu.

Die Intrada wird dem Werk nicht mehr vorangestellt; der erste Teil, Úvod , erscheint gelichtet, der effektvolle Orgelschluss des Slava ist nicht mehr. Intensiv wirkt das Solistenquartett (Luba Orgonásová, Iris Vermillion, Michael Schade und Robert Holl), gegen Ende hin immer flexibler: der Wiener Singverein.
(Stefan Ender/DER STANDARD, Printausgabe, 6. 4. 2011)

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