Superbenzin auf neuem Rekordhoch

5. April 2011, 17:39
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London/Frankfurt/Wien - Die Ungewissheit über die Entwicklungen in Libyen treiben den Ölpreis weiter an. Das führte zu neuerlich schlechten Nachrichten für die heimischen Autofahrer: Am Dienstag kostete ein Liter Eurosuper an den Tankstellen 1,378 Euro pro Liter. So teuer war tanken noch nie, kritisierte der ARBÖ.

Bei Diesel, für den aktuell 1,354 Euro pro Liter verlangt werden, fehlen noch 9,5 Cent auf den Allzeitrekord vom Juli 2008 (1,449 Euro). "Dennoch hat sich Diesel innerhalb eines Jahres von 1,095 Euro um ganze 25,9 Cent pro Liter verteuert", so der Autofahrerklub.

Ausschlaggebend war, dass Öl der Nordsee-Sorte Brent bereits am Montagabend die 120 Dollar Grenze übersprang und am Dienstag weiter auf über 122 Dollar kletterte - der höchste Stand seit August 2008. Die amerikanische WTI-Sorte gab hingegen etwas nach. Anfang Juli 2008 hatten Brent- und WTI-Futures bisherige Höchststände mit über 147 Dollar pro Barrel erreicht.

orrende Preis-Prognosen

Eine Ausweitung der politischen Konflikte auf weitere Ölförderländer würde massive Preissteigerungen bedeuten, sagen Analysten. Unruhen in Saudi Arabien könnten den Ölpreis gar auf 200 bis 300 Dollar pro Barrel treiben, so der ehemalige saudische Ölminister Yamani. Auch die Verschiebung der Wahlen in Nigeria sowie streikbedingte Produktionsausfälle in Gabun sorgen für Unsicherheit.

Spekulationen um Ernteausfälle in den USA trieben die Preise für Weizen und Mais erneut nach oben. Der Preis für EU-Weizen stieg in der Spitze sogar um 4,1 Prozent auf 256 Euro je Tonne. Das Preishoch bei Kakao hielt allerdings nicht an. Der Sturm der Truppen vom gewählten Staatsoberhaupt Alassane Outarras auf den Präsidentenpalast deuten nun doch auf ein rasches Ende des Bürgerkrieges in Côte d'Ivoire hin. Der Markt reagierte darauf mit einem Rückgang des Kakao-Preises um 2,8 Prozent (US-Kontrakt) bzw. 3,1 Prozent (London-Kontrakt).

Der Goldpreis stieg mit 1450 Dollar pro Feinunze auf ein neues Rekordhoch. Nach Einschätzung der Commerzbank-Experten stellt aber Silber alle anderen Edelmetalle in den Schatten. Seit Jahresanfang hat sich Silber bereits um 25 Prozent verteuert. Am Dienstag wurde mit 38,80 US-Dollar das höchste Niveau seit Februar 1980 erreicht. Beflügelt werde der Silberpreis sowohl von einer hohen industriellen Nachfrage und gestiegenem Anlegerinteresse.

Die anhaltend hohen Rohstoffpreise erhöhen den Inflationsdruck weltweit. In den OECD-Ländern stiegen die Verbraucherpreise im Februar bereits um 2,4 Prozent. Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln und Energie sind hauptverantwortlich für diesen Wert. Mit strengeren geldpolitischen Maßnahmen reagieren einige Länder auf die Teuerung.

So erhöhte die polnische Nationalbank den Schlüsselzins auf vier Prozent und reagierte damit auf 3,4 Prozent Inflation im Februar. Ähnliche Probleme plagen auch die chinesische Wirtschaft. Die Verbraucherpreise stiegen im Februar um 4,9 Prozent. Die chinesische Nationalbank erhöhte die Kredit- und Einlagenzinsen um jeweils ein Viertel Prozent. Eine Überhitzung der Volkswirtschaft soll so vermieden werden. Auch die Europäische Zentralbank will diese Woche die Zinsen anheben. (Reuters, APA, mal, DER STANDARD, Printausgabe, 6.4.2011)

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