Das Fußvolk ist von der Börse enttäuscht

5. April 2011, 15:10
11 Postings

Privatanlagern hat es den Appetit auf Aktien verschlagen, die Börse-Stimmung unter Anlegern ist schlecht

Wien - Den heimischen Privatanlagern hat es den Appetit auf Aktien verschlagen, die Börse-Stimmung unter nicht-professionellen Anlegern ist schlecht, sagt Kleinanlagerschützer Wilhelm Rasinger. Deswegen wollten sich nur relativ wenige an den laufenden beiden Börsegängen (AMAG, Isovoltaic) beteiligen, den ersten IPOs nach der Krise. Ende 2007 war die Strabag als bisher letzte Firma neu an die Wiener Börse gegangen.

"Die Börse wird nicht wirklich abgelehnt, aber eine positive Stimmung kommt nicht auf, allerhöchstens gibt es ein bisschen Neugierde", schildert der Chef des Interessensverbands der Anleger (IVA): "Es bestehen Zweifel, dass bei den Börsegängen für die Anleger etwas übrig bleibt."

Wie berichtet steht sowohl bei der AMAG als auch bei Isolvoltaic der (Teil-)Rückzug der Alteigentümer im Vordergrund. Bei der AMAG sollen bis zu 70 Prozent, bei Isovoltaic bis zu 45 Prozent an neue Aktionäre gehen. "Ich verstehe, dass die Börse die IPOs als Bereicherung sieht, die Bereicherung scheint mir aber aber mehr bei den Emittenten zu liegen", spottete Rasinger. Die AMAG will das "Pricing" der Aktie am Mittwochabend bekanntgeben.

Enttäuschung

Im Hintergrund stünden die zahlreichen Enttäuschungen, die die Aktionäre in den vergangenen Jahren hätten erleben müssen, sagt Rasinger: Anlegerskandale bei den Immobilienfirmen (MEL, Immofinanz/Immoeast), der allgemeine Kursverfall während der Krise sowie Fehlstarts und Börserückzüge (Meinl Power, Eco Business, CA Immo International). "Selbst bei der Strabag, einem Super-Unternehmen mit einem Super-CEO, haben die Leute bis heute 50 Prozent verloren und die Dividenden sind niedriger als das, was man auf einem Sparbuch bekommen hätte."

Bei vier der fünf größeren Börsegänge 2007 haben die Aktionäre der ersten Stunden massiv verloren, einzig die Kapsch TrafficCom hat sich für die Zeichner der Emission zu einem Bombengeschäft entwickelt. Die 2007 an die Börse gekommenen Meinl-Firmen (Power und Airports), für die u.a. Karl Heinz Grasser Werbung gemacht hat, existieren nur mehr als leere Hüllen im dritten Markt, das übriggebliebene Kapital wurde weitgehend an die Aktionäre zurückgegeben.

Trotz der negativen Realzinsen "sind viele Leute zum Sparbuch zurückgeflüchtet, da verlieren sie wenigstens nominal nichts", sagte Rasinger. Er gibt zu: "Hielte dieser Trend langfristig an, würde das auch die Existenz des IVA in Frage stellen - ich halte es aber für enorm wichtig, dass ein breites Publikum in österreichische Unternehmen investiert."

Die Kauflust der institutionellen Investoren sieht Rasinger aber als gegeben an, denn angesichts der Zinssituation bestehe ein "Anlagenotstand". Die gute Entwicklung der Börseindizes gehe auf dieses Verhalten der Profis zurück. Die Retailinvestoren seien aber nicht nur in Österreich zurückhaltend, erläutert der IVA-Vertreter: Er sei vor kurzem auf einer Konferenz in Istanbul gewesen "und dort herrscht die gleiche Stimmung." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Kleinanleger wollenw ieder weg von der Börse.

Share if you care.