RBI: Analysten erwarten hohe Risikokosten

5. April 2011, 15:04
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Wien - Für die am Freitag zur Veröffentlichung anstehenden Zahlen der Raiffeisen Bank International (RBI) für das Geschäftsjahr 2010 erwarten die Analysten der Erste Group, KBC Securities, UniCredit und Citigroup einen durchschnittlichen Nettozinsertrag von 3,63 Mrd. Euro und einen Provisionsüberschuss von 1,47 Mrd. Euro. Das Ergebnis vor Steuern dürfte sich den Erwartungen nach auf 1,27 Mrd. Euro belaufen, während sich die Kreditrisikovorsorge mit 1,23 Mrd. Euro weiterhin ziemlich hoch niederschlagen könnte.

Im Fokus der Experten stehen die Kreditrisikovorsorge für faule Kredite, volatile Einnahmen und Kosten im Bereich der Derivate und Finanzinvestitionen, aber auch das schwierige Umfeld in Ungarn und Rumänien. Ebenfalls ein wichtiges Thema sind die neuen Eigenkapitalvorschriften im Rahmen von Basel III.

Die Analysten von KBC Securities gehen für das vierte Quartal von geringeren Einnahmen aus. Grund dafür seien vor allem saisonale Kosten und ein volatiles Einkommen im Bereich der Finanzinvestitionen. Obwohl die Experten von einer Reduktion der Risikokosten ausgehen, sehen sie diese eher nicht im vierten Quartal. Ungarn und Rumänien dürften weiterhin schwierige Geschäftsfelder bleiben werden.

Für die Wertpapierexperten der Erste Group stand das Geschäftsjahr 2010 ganz im Zeichen der Risikokosten. Sie rechnen damit, dass der Höhepunkt der faulen Kredite vor allem in Osteuropa erst im zweiten Halbjahr 2011 überschritten wird. Osteuropa sei keine einheitliche Wirtschaftsregion - deshalb dauere es bei manchen Ländern kürzer, bei anderen länger. Vor diesem Hintergrund sei eine Risikokostenreduktion in Russland und der Ukraine ein Haupttrigger für den besseren Jahresüberschuss 2010, da hier die Risikokosten bereits seit Juni 2010 fielen. Krisenherde wie Ungarn und Rumänien, die laut den Experten erst verspätet in die Finanzkrise geschlittert waren, sollen sich ab dem zweiten Halbjahr 2011 erholen.

Von einem recht schwankungsanfälligen Einkommen gehen auch die Analysten der UniCredit aus. Sie verweisen auch hier auf das schwierige makroökonomische Umfeld in einigen zentral- und osteuropäischen Ländern und auf Schwankungen aufgrund von Aufwertungsgewinnen /-verlusten im Bereich der Derivate und der Finanzinvestitionen. Im Kreditwachstum gehen sie lediglich von einer langsamen Entwicklung aus. Im Gegensatz dazu dürften die Nettozinserträge von dem guten Preisumfeld in 2010 profitieren. Auch die Gebühreneinnahmen sollten sich durch die positive Entwicklung im Wertpapiergeschäft erhöhen. Was die Risikovorsorge betrifft, sollte diese im Jahresvergleich sinken, wird aufgrund der Krisenherde in Ungarn und Rumänien dennoch hoch erwartet.

Die Experten der Citigroup fokussieren ihre Prognose hauptsächlich auf einen möglichen zusätzlichen Kapitalbedarf von 1,2 Mrd. Euro (exkl. Partizipationskapital), um das Eigenkapital über die 8-Prozent-Marke im Rahmen von Basel III zu treiben. Der zusätzliche Kapitalbedarf soll daraus resultieren, dass das bereits aufgenommene Partizipationskapital laut Basel III womöglich nicht zum Eigenkapital hinzugerechnet werden darf. Zur Erinnerung: Die Oesterreichische Nationalbank hat in ihren bisherigen Auswirkungsstudien von Basel III einen zusätzlichen Kapitalbedarf von 6 Mrd. Euro für die RBI gemäß ihrem Marktanteil errechnet. (APA)

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