Konjunktur und Aktienmärkte in CEE robust

5. April 2011, 13:16
posten

Wien - Die Wirtschaftsentwicklung und die Aktienmärkte in Mittel- und Osteuropa und Österreich bleiben nach Einschätzung der Experten von Raiffeisen Bank International (RBI) und Raiffeisen Centrobank (RCB) weiterhin robust. Die Zinsen in der Eurozone werden bis Jahresende bei zwei Prozent gesehen, die erste Anhebung der Europäischen Zentralbank (EZB) um 25 Basispunkte wird für Donnerstag erwartet.

Es gebe zwar neue Risiken wie die Aufstände in der arabischen Welt, die Katastrophe in Japan, Inflationsängste und nach wie vor im Hintergrund köchelnd die Staatsverschuldungen - die Konjunktur werde all diesen Angriffen trotzen, auch wenn die Gegenwinde stärker geworden seien, sagte RBI-Chefanalyst Peter Brezinschek heute, Dienstag, bei der Präsentation des Kapitalmarktszenarios Österreich und CEE. Auswirkungen seien 2012 zu erwarten. Die Vertrauensfähigkeit der Märkte überrasche, so RCB-Chefanalystin Birgit Kuras. Japan werde auf Österreich und Europa keine größeren Auswirkungen haben, negative Einflüsse könnte aber eine Eskalation in der arabischen Welt werden, und auch Ölpreise und Staatsverschuldung seien ein Thema.

In der Region CEE gebe es einen Aufschwung der unterschiedlichen Geschwindigkeiten, und auch die Inflation werde sich unterschiedlich auswirken, so Brezinschek. Die Wachstumsraten seien noch nicht auf Vorkrisenniveau, aber wieder beachtlich. Für heuer wird mit einem durchschnittlichen Wachstum in Mitteleuropa (CE) mit 3,1 Prozent und 2012 mit 3,8 Prozent gerechnet, für die GUS mit 4,9 bzw. 4,5 Prozent. Eine positive Veränderungsrate werde es heuer nach den Rückgängen der Vorjahre wieder in Südosteuropa geben: Die Raiffeisen-Experten erwarten heuer einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,8 Prozent und im kommenden Jahr von 3,4 Prozent.

3,9 Prozent Wachstum in der Region

Für die gesamte Region wird ein Wachstum von 3,9 Prozent 2011 und von 4,1 Prozent für 2012 prognostiziert. In Österreich wird heuer unverändert mit einem BIP-Plus von 2,5 Prozent gerechnet. Die Konjunktur werde zunehmend von Investitionen und privatem Konsum getragen, so Kuras. Die Wirtschaft der Eurozone sollte heuer um 1,8 Prozent und 2012 um 1,9 Prozent zulegen.

Am wenigsten stark von der Inflation tangiert sein werden in Mittel- und Osteuropa voraussichtlich Tschechien, Polen, Slowenien, die Slowakei und Russland. Am verwundbarsten für höhere Lebensmittel- und Energiepreise sei die Region SEE. Auch in der Geldpolitik der Staaten werden unterschiedliche Reaktionen erwartet, die meisten Währungen werden seitwärts prognostiziert.

Für die Zinsen in der Eurozone geht Brezinschek davon aus, dass die EZB, nach einer ersten Anhebung am Donnerstag um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent, heuer ab dem Sommer noch weitere Zinsschritte setzen wird. Bis Jahresende sollte dann ein Leitzins von 2,0 Prozent erreicht sein. Die Inflationsrate werde bis Juli steigen und dann ab der zweiten Jahreshälfte wieder in Richtung 2 Prozent zurückgehen. In den USA seien Zinserhöhungen ab Herbst zu erwarten. Das Euro-Dollar-Verhältnis wird zunächst in Richtung 1,50 gehen und dann bis Jahresende bei 1,35 liegen.

Zum Kauf empfohlen werden Osteuropa-Aktien. An den CEE-Börsen wird ein Kursanstieg von 6 bis 11 Prozent erwartet. Im zweiten Quartal bevorzugt würden die SEE-Region und - mit Blick auf die Ölpreise - Russland, so die Experten. Den Wiener Börseindex ATX, der heute mittag bei 2.884 Punkten lag, erwartet Kuras bis Ende Juni bei 3.100 Punkten und bis Jahresende bei 3.300 Punkten und dann für das erste Quartal 2012 eine Seitwärts-Bewegung. Die Gewinne der ATX-Unternehmen würden in der neuen Index-Zusammensetzung heuer um 34 Prozent steigen, und auch die Bewertungen seien attraktiv.

Bei den Finanzwerten werden Retailbanken positiv gesehen. Die Risikokosten in der Region seien geringer, die Kreditqualität auch bei den Privatkunden besser geworden, so Stefan Maxian, Leiter des Company Research der RCB. Bei den Versorgern werden Unternehmen mit einem hohen Förder- oder Gasanteil positiv bewertet. (APA)

Share if you care.