Michelle Bachmann - Die bessere Palin

6. April 2011, 14:49
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Der regionale Star der Tea-Party-Bewegung gilt als Außenseiterin im Vorwahlkampf - Trotzdem wird sie immer öfter als ernsthafte Konkurrentin von Sarah Palin angeführt

Sarah Palin hat ein Problem: Michelle Bachmann, Abgeordnete in Minnesota und im US-Repräsentantenhaus. Nicht nur, dass Bachmann der umstrittenen Palin ähnelt, auch ihre streng konservativen Positionen und ihr Werdegang erinnern an die Republikanerin aus Alaska, die im vergangenen Präsidentschaftswahlkampf mit dem Republikaner John McCain ins Rennen ging.

Noch vor kurzem kannte Michelle Bachmann außerhalb ihres Heimatstaates kaum jemand. Und auch dort wurde sie nicht als aufstrebende politische Führungspersönlichkeit gehandelt. Im Gegenteil, ihre Bemühungen, eine führende Position im Kongress einzunehmen, wurden aus den eigenen republikanischen Reihen zunichte gemacht. Dadurch ließ sich die Mutter von fünf Kindern, die im Laufe der Jahre auch 23 Pflegekinder bei sich aufnahm, aber nicht abhalten. "Ich habe von Leuten im ganzen Land sehr viel Ermutigung erhalten, beim Vorwahlkampf teilzunehmen. Und ich habe mir das Ganze auch gut überlegt," sagt Bachmann der New York Times, die ihre Kandidatur zumindest so ernst nimmt, die 55-Jährige zu porträtieren.

Palins Jagdgründe

Auch die republikanischen Wahlkampfhelfer beginnen langsam, Notiz von ihr zu nehmen und einige von ihnen erwägen sogar, mit der Abgeordneten in den Vorwahlkampf zu ziehen. Hier wildert Bachmann in Palins Jagdgründen. Kent Sorensen, einer der führenden Persönlichkeiten der Tea-Party-Bewegung in Iowa, denkt laut darüber nach, Palin zugunsten Bachmanns fallen zu lassen. "Ich denke, Michele Bachmann hat mehr Substanz als Palin. Wenn ich so frei sein darf: sie wird mit Palin den Boden aufwischen".

Dabei hat auch Bachmann sich bereits einige intellektuelle Patzer erlaubt. Viel Spott trug sie sich ein, als sie behauptete, der Unabhängigkeitskrieg habe in New Hampshire seinen Ausgang genommen und nicht in Massachusetts. In den USA ein fast unverzeihlicher Fauxpas. Auch ehemalige Mitstreiter, von denen Bachmann viele hat, warnen via New York Times: "Sie ist keine wählbare Kandidatin für die Republikaner". Ihre - für den Vorwahlkampf unumgängliche - Fähigkeiten, Geld aufzustellen, hat Bachmann allerdings bereits bewiesen. Für das Rennen um den Sitz im Repräsentantenhaus im vergangenen Jahr sammelte die 55-Jährige die Rekordsumme von 13 Millionen Dollar.

Health care freedom

Politisches Profil hat sich Bachmann in den letzten Jahren vor allem im Kampf gegen Barack Obamas Gesundheitsreform erarbeitet. Sie ging sogar so weit, die Regierung der Einrichtung sogenannter "death panels" zur Behandlung von Alten und Behinderten zu beschuldigen. Prinzipiell ist ihre politische Einstellung stark konservativ. Bachmann vertritt die Ansicht, dass in den Schulen neben der Evolutionstheorie auch das Konzept von Intelligent Design gleichberechtigt vermittelt werden sollte. Sie ist entschiedene Abtreibungsgegnerin und strikt gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Die Wirtschafts- und Finanzpolitik von Präsident Obama kritisiert sie als "Pfad zum ökonomischen Marxismus“. Positionen, die auch Sarah Palin charakterisieren. 

Dass sie immer wieder auf Parallelen mit Sarah Palin angesprochen wird, nimmt Michelle Bachmann den Journalisten nach eigenen Angaben nicht übel. Ob sie antrete oder nicht, würde aber mit Palin nichts zu tun haben. Sie kämpfe für ihre eigenen Positionen und würde mit aller verfügbaren Kraft für die Werte einstehen, an die sie glaubt. Welche Chancen sie im Vorwahlkampf tatsächlich hat, wird vor allem von der Konkurrenz abhängen. Zu den Favoriten zählt sie bisher nicht, offiziell hat das Duell auch noch gar nicht begonnen. Auch die weiteren Kandidaten, die sich bisher ins Spiel gebracht haben, stechen nicht aus der Menge. Das erhöht die Chancen. (mhe, derStandard.at, 6.4.2011)

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    Michelle Bachmann: "I am in"

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    Im Kampf gegen die Gesundheitsreform von Barack Obama.

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