Stadt Wien weitet Regelung nach Vorbild des Bundes aus

5. April 2011, 12:19

Anwendungsbereich künftig bis zum Jahr 1933 - auch Fälle außerhalb des heutigen Staatsgebiets miteinbezogen

Wien - Die Stadt Wien erweitert ihre Restitutionsbestimmungen nach Vorbild des Bundes. Eine entsprechende Initiative von SPÖ und Grünen soll im Kulturausschuss des Gemeinderates beschlossen werden. Konkret wird in Anlehnung an die 2009 auf Bundesebene durchgeführte Novelle der zeitliche Rahmen von aus den Sammlungen der Stadt Wien zu restituierenden Kunstgegenständen auf 1933 bis 1945 (bisher 1938 bis 1945) ausgeweitet. Räumlich erstreckt sich der Anwendungsbereich des Gesetzes künftig auf sämtliche Entziehungen im NS-Herrschaftsgebiet - also auch auf außerhalb des heutigen österreichischen Staatsgebiets entzogene Kunstgegenstände.

"Mit dieser Novelle unterstreicht die Stadt Wien ihre vorbildliche Restitutionspraxis und setzt einen weiteren Schritt zur lückenlosen Rückgabe von Kunstgegenständen bedenklicher Herkunft", wurde Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny in einer Aussendung zitiert. "Diese Novelle, aber auch die Pflege jüdischer Erinnerungskultur sowie die geplante Umsetzung von Mahnmälern für Deserteure und homosexuelle NS-Opfer, sind Zeichen dafür, dass Wien die vergangenheitspolitische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ernst nimmt", betonte der grüne Kultursprecher Klaus Werner-Lobo.

Seit 1999 wurden von den Sammlungen der Stadt Wien 103.500 Objekte auf ihre Provenienz untersucht und rund 5.500 Objekte aus 60 Sammlungen an ihre rechtmäßigen Eigentümer restituiert. Der auf Wiener Ebene bisher einzige Fall eines Kunstraubes vor 1938 wurde durch den Wiener Gemeinderat als Einzelentscheidung positiv beschlossen: Das Bild "Pappenheims Tod" von Hans Makart konnte 2008 an die Rechtsnachfolger übergeben werden. Mit der nunmehrigen Gesetzesnovelle werden künftig auch diese Fälle rechtlich erfasst. (APA)

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8 Postings
nur mal so 'ne frage:

warum ab 1933?

ich sehe da weit und breit keine Zwangsenteignungen, warum eigentlich 1933 ?

1920–1934 befand sich die Sozialdemokratie in der Bundespolitik in Opposition zur konservativen Regierung und schuf im Roten Wien ihr politisches Gegenmodell.....Zeitweise gab es Kooperationen zwischen christlichsozialen und nationalsozialistischen Politikern. Bei den Nationalratswahlen 1927 bildeten Christlichsoziale, Großdeutsche, die nationalsozialistische Riehl- und Schulzgruppe und andere Gruppierungen eine Einheitsliste....Eine am 4. März 1933 patt ausgegangene Abstimmung über die Eisenbahnergehälter und taktisch bedingte Rücktritte der drei Parlamentspräsidenten nützte der christlichsoziale Bundeskanzler Engelbert Dollfuß, um die „Selbstausschaltung des Parlaments“ zu verkünden. Den Wiederzusammentritt des Nationalrates am 15. März v

wie darf ich das verstehen?

als erweiterte Fragestellung zum Jahr 1933...

ich sehe so wie Sie keinen Zusammenhang zwischen der historischen Situation um 1933 mit der Vorverlegung des Datums zur Restitution und frage nach einer Begründung.

gut, danke

dann bin ich doch noch nicht ganz daneben.

Quelle nachgereicht

wikipedia

Pappenheimer...

Höchst interessant ist der Wiener Anlassfall für die Änderung: Das britische "Spoliation Advisory Panel" sah 2010 keinen moralischen Grund für die Restitution einer Rubens-Skizze der gleichen Provenienz Herbert Gutman aus der Courtauld-Stiftung:

<http://www.culture.gov.uk/publicati... .aspx>.

aber da ging es um eine deutsche Sache. Aber die Machtergreifung Hitlers 1933 betraf nur Deutschland und nicht Österreich.

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