Europas Leitbörsen schließen mehrheitlich im Minus

5. April 2011, 18:19
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Gewinnmitnahmen im Bankensektor belasteten

Wien - Die europäischen Leitbörsen haben am Dienstag mehrheitlich mit Verlusten geschlossen. Der Euro-Stoxx-50 schloss mit einem Minus von 0,17 Prozent oder 4,88 Zählern bei 2950,96 Punkten. Die Belastung durch die erneute Leitzinsanhebung in China sei nicht zu unterschätzen, erklärten Händler.

Seit vergangenen Oktober wurde der Leitzins in China zum vierten Mal angehoben. Jegliche Versuche, eine Überhitzung der chinesischen Wirtschaft zu vermeiden, werden als negativ für das globale Wachstum bewertet. Unter den Marktakteuren wächst zunehmend die Angst, die Volkswirtschaft in China könne an Schwung verlieren. Zudem seien die anhaltenden Sorgen um die Schuldenkrise in Europa ein Belastungsfaktor. Das finanzschwache Euro-Land Portugal gerät an den Finanzmärkten immer stärker unter Druck. Portugals Rating wurde abermals herabgestuft.

Experten vermuten, dass die Zeit des extrem billigen Geldes in Europa vorbei ist. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird am kommenden Donnerstag voraussichtlich die Zinswende einläuten. Volkswirte sind trotz Libyen-Krieg, Japan-Krise und hoher Staatsverschuldung davon überzeugt, dass der Leitzins auf 1,25 Prozent steigen werde, um Inflationsgefahren einzudämmen. Der hohe Ölpreis drückt auf die Stimmung, kommentierten Händler. Dieser hat zwar nach der Zinsanhebung in China etwas nachgegeben, steht allerdings immer noch auf hohem Niveau.

Während Autotitel gut gesucht waren, standen im Branchenvergleich vor allem Bankentitel unter Druck. Händler erklärten die Kursverluste mit Berichten zum spanischen Bankensektor. Demnach erwarte die dortige Zentralbank ein schwieriges Jahr 2011 und prüfe derzeit die Kapitalpläne von 13 Banken. Banco Santander und BBVA verloren 1,42 Prozent auf 8,232 Euro und 1,09 Prozent auf 8,526 Euro. Societe Generale und Credit Agricole sanken um 1,02 Prozent bzw. 1,07 Prozent und notierten damit bei 45,34 Euro und 11,59 Euro. Daimler gewannen demgegenüber am heutigen Handelstag 1,67 Prozent auf 52,42 Euro und BMW 0,98 Prozent auf 61,00 Euro.

Unter den Einzelwerten gerieten Titel der Deutschen Börse aufgrund des Übernahmekampfes um den US-Konkurrenten NYSE Euronext in den Blickpunkt. Sie rutschten um 0,86 Prozent auf 51,60 Euro ab. Arcelormittal waren unter den größten Gewinnern innerhalb des EuroStoxx-50 angesiedelt. Der Stahlkonzern kommt bei der EU-Strafe wegen Teilnahme an einem Kartell glimpflicher davon. Die EU-Kommission hat das Bußgeld von ursprünglich 276 auf nur noch 45,7 Mio. Euro gesenkt. Die Titel legten um 0,93 Prozent auf 25,965 Euro zu. Infineon zogen um 3,85 Prozent auf 7,75 Euro kräftig an und hielten sich damit im Verlauf weiterhin an der DAX Spitze. Der milliardenschwere Zukauf in der US-Chipbranche rege Händlern zufolge die Übernahmefantasie in dem Sektor an. Für 6,5 Milliarden Dollar kauft Texas Instruments (TI) den Rivalen National Semiconductor.

Zudem sorgten Analystenstimmen für Interesse. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hatte das Kursziel und die Gewinnschätzungen für Q-Cells angehoben. Die Aktien des Solarkonzerns notierten mit einem Aufschlag von 1,53 Prozent bei 3,127 Euro. Adidas gingen mit einem Kursplus von 1,81 Prozent auf 45,49 Euro aus dem Handel. Morgan Stanley rechnet mit weiteren Marktanteilsgewinnen in den USA sowie Verbesserungen bei der Marke Reebok. MAN verzeichneten einen Aufschlag von 0,94 Prozent auf 90,41. Die französische Investmentbank Exane BNP Paribas hat MAN von "Neutral" auf "Outperform" hochgestuft und das Kursziel angehoben. Der spekulative Reiz eines möglichen Zusammenschlusses mit Scania und die erwartete Erholung des spätzyklischen Geschäftsbereiches Power Engineering seien Hauptgründe der positiveren Einschätzung. (APA)

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