Sonnenschutz mit Spaghetti Bolognese

  • Die Tomate ist bekannt für ihre sonnenprotektive Wirkung.
    foto: standard/matthias cremer

    Die Tomate ist bekannt für ihre sonnenprotektive Wirkung.

Sonnenbrand, Hautkrebs, und vorzeitige Hautalterung - Die Folgen ungeschützter Sonneneinstrahlung sind bekannt - Sonnenanbeter schützen sich ganz selbstverständlich

Klassischerweise sorgt Sonnencreme für den richtigen Hautschutz. Moderne Sonnenschutzmittel sind High-Tech-Produkte, absorbieren UV-A und UV-B, oder gar Infrarotstrahlung, beinhalten Enzyme, die sich an der Reparatur UV-geschädigter DNA versuchen und reduzieren mit Antioxidantien oxidativen Stress in Hautzellen. Vor 20 Jahren war man noch mit Lichtschutzfaktor 2 voll dabei, heute wird längst mit Faktor 50 geschmiert. 

Der Lichtschutzfaktor bezieht sich dabei nur auf die Wirkung kurzwelliger UV-B Strahlen. Als Beispiel: Rothaarige hellhäutige Menschen (Hauttyp I) dürfen die mitteleuropäische Sonne nur zwischen fünf und zehn Minuten ungeschützt genießen. Multipliziert mit dem Lichtschutzfaktor der Sonnencreme lässt sich die Dauer der Schutzwirkung nach dem Einschmieren ermitteln. Eingeschmiert mit Faktor 30, ist Sonnenbaden ohne Sonnenbrandrisiko für den Hauttyp I also fünf Stunden möglich.

SonnenprotektorTomate

"Mit Lebensmitteln lässt sich ein Lichtschutzfaktor von zwei bis drei anessen", weiß Marlies Gruber, wissenschaftliche Leiterin des Vereins zur Förderung von Ernährungsinformationen. Für Rothaarige ist das vermutlich kein echter Gewinn und damit auch keine Alternative, erhöht sich der ungeschützte Sonnengenuss doch auf zehn bis maximal 30 Minuten. Sinnlos ist eine "Sonnendiät" trotz dieser Tatsache aber nicht, besitzen essbare Sonnenschutzmittel doch einen entscheidenden Vorteil: Sie wirken nicht nur lokal in der Haut, sondern erreichen auch andernorts Körperzellen und Gewebe. 

Besonders bekannt für ihre sonnenprotektive Wirkung ist die Tomate, oder vielmehr der Inhaltstoff Lycopin. Dieses Carotinoid gehört zu den sekundären Pflanzenstoffen. Im Gegensatz zu primären Pflanzenstoffen (Kohlenhydrate, Fette, Proteine) besitzen diese keinerlei Nährwert, dafür aber einen umso größeren gesundheitlichen Mehrwert für den Menschen. Wie die Tomate, schützt Lycopin auch die menschliche Haut vor der Sonne, indem sie als Radikalfänger reaktionsfreudige Moleküle unschädlich macht. Konkret heißt das: Lycopin beugt akuten entzündlichen Irritationen wie Sonnenbränden vor, reduziert das Risiko Hautkrebs zu entwickeln und verlangsamt die Hautalterung und damit die Faltenbildung.

Die Lösung liegt in der Konzentration

3,9 bis 9,3 Milligramm Lycopin finden sich in 100 Gramm reifen Tomaten. Ein halbes Kilo davon über die nächsten zwei Monate täglich verdrückt, bereiten die menschliche Haut ergo optimal auf sonnige Urlaubstage vor. Nur: Wer will schon so viel von den roten Früchten essen? Die Lösung liegt in der Konzentration. Tomatenmark enthält pro 100 Gramm 62 mg Lycopin. Mit 40 Gramm täglich ist die Prophylaxe beinahe perfekt und wird auch nicht fad, denn egal ob in Minestrone, Spaghetti Bolognese, Gulasch, Eintöpfen und Co - Tomatenmark eignet sich zur Geschmacksverfeinerung fast überall als Zugabe.

Die Kombination aus Karotten, Orangen und Sonnenblumenöl bezeichnet Marlies Gruber als potente Sonnenschutzmischung. "So wie alle sekundären Pflanzenstoffe sind auch Vitamin C und E wirksame Radikalfänger", so die Expertin. Während sich Vitamin E in Leinsamen, Nüssen und Keimölen findet, ist Vitamin C hochkonzentriert in Zitrusfrüchten, Papaya, Brokkoli, Erdbeeren und Paprika drin. Und neben dem Carotinoid Lycopin sensibilisiert auch Beta-Carotin in Karotten, Mangold, Spinat, Mango oder Fenchel die Haut für kommende Sonnenstunden.

Flavonoide und Polyphenole

Im Übrigen scheinen auch Schokolade und Rotwein wirksam die schädlichen Anteile der UV-Strahlung abzuwehren. Vermutlich erzeugen wieder sekundäre Pflanzenstoffe diesen positiven Effekt. "Flavonoide in dunkler Schokolade und Polyphenole im Rotweine wirken bekanntermaßen antikanzerogen, indem sie die Zellen vor freien Radikalen schützen", ergänzt Gruber. Diskutiert wird - bislang ohne wissenschaftlichen Nachweis -  inwiefern Kalzium in Milchprodukten wie Hartkäse Histaminausschüttungen und damit die Entstehung von Sonnenallergien verhindert. 

Wer sich für den schmackhaften Sonnenschutz nicht begeistern kann, dem stehen alternativ Nahrungsergänzungsmittel zur Verfügung. "Auch damit lässt sich die Haut auf den Sommer vorbereiten", weiß Gruber. Allerdings ebenfalls nur begrenzt und immer nur als gesunde Ergänzung zur Sonnencreme. (derStandard.at, 06.04.2011)

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