"Wer heute nicht handelt, kann morgen nicht mehr heilen"

  • Die Bakterien erwerben in der Folge von Mutationen die Fähigkeit, die 
Wirksubstanzen der Antibiotika zu spalten beziehungsweise sie  aus ihren Zellen hinaus zu 
befördern.
    foto: apa/mark lennihan

    Die Bakterien erwerben in der Folge von Mutationen die Fähigkeit, die Wirksubstanzen der Antibiotika zu spalten beziehungsweise sie  aus ihren Zellen hinaus zu befördern.

Situation kann durch entschiedene Maßnahmen rasch verbessert werden - Zurückhaltung bei Antibiotikagebrauch vorrangig

Wien/Genf  - "Antibiotika-Resistenz: Wer heute nicht handelt, kann morgen nicht heilen" - so lautet das Motto des Weltgesundheitstages 2011 am 7.April. Die Situation in der Europäischen Region: Jedes Jahr sterben nach Schätzungen allein in den Ländern der Europäischen Union rund 25.000 Menschen an schweren Infektionen mit resistenten Bakterien, die in einer Gesundheitseinrichtung erworben wurden. Auch Österreich ist hier keine "Insel der Seligen" mehr.

Weltweit kommt es allein bei der Tuberkulose derzeit zu 440.000 Erkrankungsfällen, die durch multiresistente Keime verursacht werden. 150.000 Patienten sterben pro Jahr an solchen Folgeerkrankungen, weil multiresistente Tuberkulose extrem schwierig zu behandeln ist und in den meisten Staaten der Erde dazu die Mittel fehlen. Resistenzen gibt es aber auch gegen viele der Malaria-Medikamente wie Chloroquin oder Sulfadoxin-Pyrimethamin, was in tropischen Ländern  eine Bedrohung für viele Millionen Menschen darstellt. Ein großer Teil der bakteriellen Infektionen, die Patienten in Spitälern erwerben, wird durch sogenannte methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Keinme verursacht.

Die WHO anlässlich des diesjährigen Weltgesundheitstages: "Die Entstehung resistenter Bakterien ist ein schwerwiegendes Problem in Gesundheitseinrichtungen und führt unter anderem zu lebensbedrohlichen Blut- und Wundinfektionen, sowie zu Lungenentzündungen. Antibiotikaresistenzen verusachen steigende Behandlungskosten, die durch längere Krankenhausaufenthalte, höhere Ausgaben für Antibiotika und Behandlung sowie die indirekten Kosten für Familie und Gesellschaft entstehen. In vielen Ländern Europas sind Antibiotika nicht verschreibungspflichtig. Oft werden keine Daten zu antibiotikaresistenten Infektionen erhoben, so dass das Ausmaß des Problems trotz eines durchaus vorhandenen Bewusstseins unter den Ärzten nicht dokumentiert wird."

Sorgen bereiten Darmbakterien

Lange galt Österreich als "Insel der Seligen", was Antibiotikaresistenzen betraf. Sorgen bereiten hier neuerdings besonders resistente Darmbakterien. In den vergangenen Jahren wurden, durch Daten, die vom Nationalen Referenzzentrum für nosokomiale Infektionen und Antibiotikaresistenz am Krankenhaus der Elisabethinen in Linz gesammelt werden, deutliche Veränderungen dokumentiert.

Die Leiterin des Zentrums, Petra Apfalter, erklärte anlässlich des europäischen Antibiotikatages 2010 (18. November): "In Europa sprechen nur noch vier von zehn E. coli-Stämmen auf alle Antibiotika an, in Österreich ist es nur jeder zweite. Schwere Infektionen mit dem Darmbakterium E. coli nehmen zu, zusehends kommt es zu mehr Infektionen mit E. coli-Stämmen, die gegen zwei oder mehr Antibiotikaklassen resistent sind."

Besondere Sorgen machen den Experten derzeit E. coli-Bakterien, welche Enzyme (Betalaktamasen) in breiter Manier bilden. Mit den Enzymen machen die Keime Penicilline, Cephalosporine und Monobactame durch Spaltung unschädlich. Die Expertin: "Cephalosporine der 3. Generation gelten als 'Treiber' dieser Entwicklung. Sie werden in Österreich im niedergelassenen Bereich im EU-Vergleich überdurchschnittlich oft verwendet."

Auch Erfolge zu verbuchen

Laut Apfalter wurden in Österreich in den vergangenen Jahren aber auch Erfolge in Sachen Hygiene, Antibiotikaeinsatz und somit beim Zurückdrängen gefährlicher Resistenzentwicklungen gemacht: 2001 waren nur 7,5 Prozent der Staphylokokken aus Blutproben von Spitalspatienten mit invasiven Infektionen methicillin-resistent und somit schwer behandelbar. 2003 waren es dann plötzlich 15,4 Prozent, im Jahr 2009 dann nur 5,9 Prozent.

Bei den E. coli-Darmbakterien könnte sich eine ähnliche Entwicklung bezüglich der Chinolone, häufig verwendeten Breitband-Antibiotika, ergeben: Im Jahr 2001 zeigten 6,9 Prozent der untersuchten Keim-Stämme eine Resistenz, 2007 waren es 25,4 Prozent und im vergangenen Jahr dann 20,6 Prozent. Der Gipfel könnte auch dadurch entstanden sein, dass bei den Fluorchinolonen vor einigen Jahren plötzlich billigere Generika auf den Markt kamen. Das könnte Ärzte zur häufigeren Verschreibung dieser Substanzklasse verleitet haben.

Aber Vorsicht ist geboten vor allem aus Indien und Pakistan - vorerst allerdings nur durch schwer kranke Patienten nach langem Spitalsaufenthalt dort nach Europa eingeschleppt - kamen in jüngerer Vergangenheit Keime, die sogenannte Metallo-Laktamasen produzieren, welche sogar die stabilsten vorhanden Antibiotika (Carbapeneme) "knacken". Bis Oktober 2010 wurden vier solche Fälle in Österreich bestätigt. Hier wird die Therapie wegen fehlender gut wirksamer und gut verträglicher Ersatzantibiotika schon sehr schwer. Auch auf Intensivstationen - so Petra Apfalter - sollte man deshalb mit dem Einsatz der "Peneme" möglichst zurückhaltend sein. Schließlich hängt das Entstehen von Resistenzen direkt mit der Häufigkeit der Verwendung zusammen.

Neue Antibiotika fehlen

Das Entstehen von Resistenzen gegen häufig verwendete Antibiotika ist eine altbekannte Tatsache. Allerdings, ehemals konnte man oft sehr schnell auf neue Arzneimittel ausweichen, wenn die alten nicht mehr wirkten. Das hat sich geändert. So wurden im Zeitraum 1983 bis 1987 noch 16 neue antimikrobielle Wirksubstanzen zugelassen. Der Wiener Experte Oskar Janata erklärte im November 2010 dazu: "Zwischen 2003 und 2007 waren es nur noch fünf neue Antibiotika. Dahinter kommt nichts mehr nach."

Möglichst restriktive Verwendung der Substanzen insgesamt, selteneres Benutzen von Breitspektrum-Antibiotika und alle Hygienemaßnahmen vom Händewaschen bis zu speziellen Verhaltensmaßregeln und Verfahren im Spital werden daher immer wichtiger. Der Kinderarzt Karl Zwiauer (KH St. Pölten) sagte dazu: "Antibiotika haben uns jahrzehntelang Sicherheit vermittelt. Aus dieser Sicherheit werden wir jetzt unangenehm heraus geholt."

Sowohl in der Kinderheilkunde als auch bei Erwachsenen sollte bei Vorliegen einer Infektion zunächst einmal überlegt werden, ob es sich überhaupt um Bakterien handeln könnte. Nur dann könnte auch der Einsatz von Antibiotika helfen. Zwiauer: "Bei den Lungenentzündungen sind ein Viertel viraler Genese (Antibiotika unwirksam, Anm.), 25 Prozent bakterieller Genese, und 20 bis 30 Prozent haben gemischte Ursachen." (APA)

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24 Postings

das hauptproblem liegt net beim antibiotika, was dem menschen gegeben wird, sondern den mengen, die den tieren gegeben werden muss, damit sie so unartgemäß gehalten werden können, damit profit möglich wird.

eine Dermatologin wollte mir mal wegen einem gr0ßen Pickel auf der Stirn ein Breitbandantibiotikum für 2 Wochen aufs Aug drücken. (bin Anfang 30 und gesund, daher kein Risikopatient...). Als ich ablehnte, hat sies nicht gepackt, wie verantwortungslos ich wäre...das Ding ist von allein nach einer Woche abgeheilt...

Die Menschen checken auch nicht, dass ABs auch fertig genommen werden müssen.

Ui, die Anhänger der Atombombenmedizin sind hier unter sich - schnell weg.

Am besten, man nimmt Zuckerkugerl.

Aber nur mit Granderwasser!

Bei einer Pneumonie geb ich ohne Bedenken Antibiotica, allein schon um Komplikationen abzuwehren, welche sonst unausweichlich zu einem noch wesentlich schwereren Verlauf bis incl. Exitus führen würden.

Ein paar Shrimps essen tuts auch !

hoffentlich nicht nur sondern hängst auch ein lungenröntgen an. die 08/15 breitband-antibiotika die hausärzte heutzutage so verschreiben wirken ja in vielen fällen gar nicht mehr und machen alles nur noch schlimmer.

Natürlich ist eine klare Diagnose notwendig -- wie übrigens vor jeder Therapie. Breitband-AB sind jedoch keine 08/15 sondern eben Breitband, und sie heißen so, weil sie in der Mehrzahl der Indikationsfälle helfen.

Hauptproblem ist, daß die Mediziner oft nicht hinreichend untersuchen und dann auch noch die Indikation vernachlässigen.

außerdem sollte man vielleicht wieder ein auge auf den alten ansatz der russen aus dem kalten krieg werfen. mit speziell zugeschnittenen bacteriophagen hätte man eine wirksame alternative zu antibiotika, aber bis es so weit ist werden noch jahre und jahrzehnte vergehen.

bis ein medikament guten gewissens zugelassen werden kann vergehen viele jahre der testung.ende des letzten jahrhudnerts hat die pahrmaindustrie keinen gewinn mehr in der entwicklung neuer präparate gesehen, schließlich waren genügend wirksame schon da. die resistenzbildung wurde unterschätzt, und jetzt wird die zeit knapp. man müsste sofort wieder mit hochdruck an der entwicklung neuer antibiotika arbeiten damit wir nicht ohne alternativen in ein zeitalter zurückrutschen in denen eine lungenentzündung noch ziemlich schnell tödlich enden konnte.
gleichzeitig muss viel restriktiver mit vorhandenem umgegangen werden, man kann nicht bei jedem halskratzen gleich penicillin verschrieben.

Vielleicht sollte man halt doch nicht bei der Forschung sparen. Neue Antibiotikavarianten gäbe es schon, nur muß man sie halt auch ausreichen untersuchen etc.

Ich nehm ja normalerweise keine Antibiotika. Muss aber trotzdem wegen der Krankschreibung zur Ärztin. Die verschreibt mit ja immer gleich sauviel Zeug wegen einen grippalen (!) Infekt...

War bei meinem alten Arzt auch so.

Für den nächsten Himalaya-Urlaub aufheben!

das problem ist doch die dauer der erreger-bestimmung. erzähl mal jemanden mit 40 grad fieber und lungenentzündung das der ein paar tage warten muss bis man ihm antibiotika (oder auch nicht) gibt.

So einer sollte aber für gewöhnlich Ospen bekommen, und nicht Avelox als erste Wahl, wie das oft üblich ist! Genausowenig ist Tricef bei Harnwegsinfekt indiziert.

sollte man das nicht lieber den ärzten sagen?
ohne rezept bekommt man in österreich kein antibiotikum.

und was ist, wenn man dem arzt als patient sagt "ich möchte kein antibiotikum" und er verschreibt einem trotzdem eines?

Ich hab das meinem Arzt nie gesagt, dass ich die Antibiotika nicht nehmen mag, sondern sie mir in der Apotheke nicht geben lassen.

Das nennt der Mediziner Compliance.

Es zwingt Sie ja keiner, das verschriebene Antibiotikum einzunehmen.

In vielen Laendern gibts Antibiotika, bzw. alle Medikamente einfach so. Denke das wird sich auch auf Oesterreich auswirken.

Am wichtigsten ist die Prävention: also unbedingt einen weiten Bogen um alle Gesundheitseinrichtungen und die dort Angestellten machen!

Wäre vor kurzen noch ein guter Tipp gewesen. Aber sowohl die im Text erwähnte MRSA aus auch ESBL tragende Keime findet man heute schon in der Umwelt (vor allem in der Tierzucht).
Daten wieviele Gesunde Menschen solche Keime mit sich herumschleppen gibt es auch recht wenige (denen Macht es ja dank Imunsystem nichts aus, so lange nicht der Status Gesund durch irgednwas gestört wird!)

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