Tepco-Vertreter bei IAEA-Pressetermin abwesend

4. April 2011, 22:47
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Wenig neue Informationen von japanischer Atomsicherheitsbehörde - USA selbstbewusst: "Unsere AKW sind sicher"

Wien - Erneut ein hochrangig besetztes Rednerpult, erneut nur sehr dürftige Informationen - so könnte man jene Pressekonferenz am Montagabend zusammenfassen, die nach der ersten Sitzung im Rahmen der Konferenz für nukleare Sicherheit (CNS) in der UNO-City in Wien stattgefunden hat. Nicht nur Mitglieder der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA kamen zu Wort, sondern erstmals auch Koichiro Nakamura, Generaldirektor der japanischen Atomsicherheitsbehörde NISA. Der einzige in Wien anwesende Vertreter des Fukushima-Betreibers Tepco ließ sich hingegen nicht blicken.

Nakamura sprach stets von Informationen, die man von Tepco erhalten habe. So nannte er zum Beispiel jene 11.500 Tonnen radioaktiv verstrahltes Wasser, die bis dato in den Ozean geflossen sind. Grund zur Sorge bestehe allerdings nicht, denn die Strahlendosis betrage lediglich 0,6 Millisievert pro Jahr (zum Vergleich: natürliche Strahlung in Wien - 0,1 mSv/J). Zwei weitere Zahlen lieferte Nakamura ebenfalls: dass nämlich die Welle, die das AKW Fukushima getroffen hatte, 14 Meter hoch war. Vorbereitet sei man lediglich auf 5,7 Meter gewesen.

"Unsere Atomkraftwerke sind sicher"

Man habe die Situation unter Kontrolle, berichtete Nakamura einer großen Anzahl internationaler Pressevertreter. Von einer "sehr ernsten Situation", von der IAEA-Chef Yukiya Amano bei seinen Statements stets spricht, war jedenfalls keine Rede mehr. Nakamura schilderte, was bisher getan wurde, dass die Arbeiter im AKW hoher Strahlung ausgesetzt seien und dass eine vollständige Stromversorgung aller Reaktorblöcke sehr wichtig wäre.

"Es wird ein langer Lernprozess sein. Die Krise dauert ja noch an. Und die Informationen, die wir erhalten, sind sehr gering. Ich sehe täglich viele Werte, die für mich, als Ingenieur, keinen Sinn ergeben", erklärte IAEA-Sprecher Denis Flory. Ein selbstbewusstes Statement kam von Gregory Jaczko, dem Vorsitzenden der US-Nuklearbehörde NRC: "Unsere Atomkraftwerke sind sicher. Aber wir schauen trotzdem ganz genau nach Japan." Der IAEA stärkte Jaczko demonstrativ den Rücken.

Etwas weniger deutlich wollten sich die europäischen Vertreter ausdrücken. Man müsse davon ausgehen, dass europäische Atomkraftwerke sicher sind, sonst hätten sie keine Lizenz erhalten. Doch nach dem Super-GAU in Fukushima müsse man - unter anderem durch die vielzitierten "Stresstests" - danach trachten, dass sie "noch sicherer" werden, betonte der Slowene Andrej Stritar, Vorsitzender der European Nuclear Safety Regulators Group (ENSREG). Auch Jukka Laaksonen aus Finnland wagte punkto Sicherheit lediglich eine vorsichtige Prognose für die Atomkraftwerke auf finnischem Boden.

Interessant wären möglicherweise die Aussagen von Kimitoshi Yahagi gewesen. Doch der an der Wiener Konferenz teilnehmende Tepco-Vertreter glänzte durch Abwesenheit bei dem abendlichen Pressetermin. (APA)

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