Algeninvasion in Jungmolchen

4. April 2011, 22:32
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Grünalgen dringen in die Zellen und Gewebe der Jungtiere ein

Washington - Dass es zwischen Grünalgen und Flecken-Querzahnmolchen enge Beziehungen gibt, ist der Wissenschaft seit über 120 Jahren bekannt. Wie weit diese Symbiose tatsächlich geht, das konnten nun US-Molekularbiologen mittels neuer Analysemethoden zeigen: Die Algen dringen in die Zellen und Gewebe der Jungtiere ein, wie das nordamerikanische Forscherteam im Fachblatt PNAS berichtet - eine bisher noch nie beobachtete Form der Symbiose zwischen einem Wirbeltier und einer Alge.

Bislang gingen Zoologen davon aus, dass die Algen lediglich in direkter räumlicher Nähe zu den der auch Fleckensalamander genannten Tieren - oder besser: ihren Embryonen - leben würden, immerhin aber innerhalb der Eikapseln. In diesen Gebilden entwickeln sich die kleinen Larven, bevor sie schlüpfen und dann im Laichgewässer ihre Metamorphose bis zum fertigen Molch durchlaufen.

Nun allerdings entdeckten die Forscher um Ryan Kerney mithilfe von neuen bildgebenden Verfahren und genetischen Untersuchungen, dass die Grünalgen direkt in die Zellen und das Gewebe der Tiere eindringen. Diese Invasion geschieht freilich zum beiderseitigen Vorteil: Die Algen ernähren sich von den stickstoffhaltigen Abfallstoffen der Amphibien, während diese von dem durch die Algen erhöhten Sauerstoffgehalt profitieren.

Dabei handelt es sich um eine sogenannte Endosymbiose, also eine Lebensgemeinschaft, bei der ein Partner innerhalb des anderen lebt. Solche Symbiosen waren bisher nur bei Einzellern bekannt.

Die Forscher um Kerney (von der Dalhousie University im kanadischen Halifax) vermuten, dass die Algen in die Zellen eindringen, bevor das Immunsystem entwickelt ist. Das würde auch erklären, warum die Molekularbiologen in späteren Larvenstadien weniger Algenzellen fanden. Allerdings konnten auch in den Fortpflanzungsorganen der Flecken-Querzahnmolche Grünalgen nachgewiesen werden. Die Forscher vermuten daher, dass die Algen zum Teil auch direkt an die Nachkommen weitergegeben werden können. (tasch, dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5. April 2011)

  • Grünalgen bei ihrer intimen Symbiose mit Molchen.
    foto: ryan kerney

    Grünalgen bei ihrer intimen Symbiose mit Molchen.

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