Bayern-Fans gehen auf Barrikaden

4. April 2011, 22:11
212 Postings

Bayern-Präsident wurde am Wochenende übel beschimpft, musste sich Hassgesänge anhören und wurde als "Lügner" bezeichnet

Uli Hoeneß verließ am Samstag wortlos und mit versteinerter Miene die Münchner Allianz-Arena. Den Präsidenten von Bayern München hatte aber weniger die schlechte Vorstellung der Mannschaft beim 1:0 gegen Gladbach gründlich die Stimmung verdorben - Hoeneß musste sich am Samstag heftige Attacken der eigenen Fans gefallen lassen. Der 59-Jährige wurde übel beschimpft, musste sich Hassgesänge anhören und wurde auf Plakaten als "Lügner" bezeichnet.

Für Sportdirektor Christian Nerlinger war das Verhalten der Anhänger ein echtes "Schockerlebnis" und "eine Schande für den FC Bayern, wie sich Teile der Fans verhalten haben gegen einen Mann, der in den letzten 30 Jahren nichts anderes im Kopf  gehabt als den FC Bayern. Diese Schärfe ist absolut unangebracht", sagte ein aufgebrachter Nerlinger der Bild am Sonntag.

Gegen Neuer, gegen 1860er-Unterstützung

Die aufgebrachten Fans lehnen eine Verpflichtung von Schalkes Nationaltorhüter Manuel Neuer vehement ab und kritisieren darüber hinaus die Hilfe der Bayern für den finanziell stark angeschlagenen Erzrivalen 1860 München. Die Proteste gegen Neuer hatte es zuletzt schon mehrmals gegeben.

"Neuer im Tor ist für uns wie Trainer Daum und Manager Lemke für Dich", stand auf einem Banner. "Wer den Blauen (1860, d. Red.) Millionen zuschiebt, hat unser Vertrauen nicht verdient. Hoeneß, du Lügner", war zu lesen - oder: "Blaue Schweine schlachtet man und rettet sie nicht. Und du willst Metzger sein, Uli?" Beim Anpfiff der Partie gegen Gladbach hatte es zudem eine Sitzblockade gegeben, die Mannschaft wurde auch nicht angefeuert.

Nerlinger forderte deshalb die Fans eindringlich auf, ihr Verhalten zu überdenken: "Wir sollten uns alle wieder auf das Wesentliche konzentrieren, das ist die Mannschaft des FC Bayern." Hoeneß selbst wollte sich zunächst nicht zu den Entgleisungen der eigenen Anhänger äußern.

Beckenbauer fordert Konsequenzen

Am Montag hat Hoeneß Unterstützung von höchster Stelle erhalten. "Kaiser" Franz Beckenbauer kritisierte die Anhänger des Rekordmeisters für ihr Verhalten scharf und forderte Konsequenzen. "So kann man nicht mit Uli Hoeneß umgehen, der Bayern seit Jahrzehnten auf Erfolgskurs hält", sagte der Ehrenpräsident der Münchener. Der Verein dürfe sich das nicht gefallen lassen. Hoeneß selbst zeigte sich in einer ersten kurzen Reaktion enttäuscht und verletzt: "Das ist nicht mein FC Bayern", sagte der 59-Jährige in der Münchner tz.

Auch Ottmar Hitzfeld sieht zeigte sich bestürzt. "Das würde jeden von uns treffen", sagte der ehemalige Bayern-Trainer und Hoeneß-Freund: "Uli ist einer, der sich immer für die Fans einsetzt. Ich hoffe nur, dass er ruhig bleibt und sich nicht von einer kleinen Gruppe verrückter Fans beeinflussen lässt."

Selbst 1860-Präsident Dieter Schneider zeigte wenig Verständnis für den Fan-Aufstand beim großen Nachbarn. "Das bedauere ich sehr. Man kann so einen ehrlichen Menschen nicht als Lügner beschimpfen", sagte der 63-Jährige. Die Kritik aus der Kurve hält Schneider zudem für unangebracht. "Wir haben wirklich kein Geld vom FC Bayern bekommen." Die Bayern hätten nur Zugeständnisse gemacht, die kaufmännisch vertretbar seien. (SID/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Schwere Zeiten für Bayern München-Präsident Uli Hoeneß.

Share if you care.