Fünfmal seit 1954

4. April 2011, 19:59
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Kernenergie: England und die damalige Sowjetunion sind Ursprung von Nutzung und schweren Unfällen

Ein kurzer Blick auf die Geschichte der Nutzung der Kernenergie: Das Atomzeitalter begann 1954 mit der fast gleichzeitigen Inbetriebnahme der ersten kommerziellen AKWs in der damaligen Sowjetunion und in England. In diesen beiden Staaten ereigneten sich auch die ersten sehr schweren Atomunfälle.

Am 29. September 1957 gerieten Nuklearrückstände im Abklingbecken der sowjetischen Atomwaffenfabrik bei Tscheljabinsk im Südural in Brand. Es wurden gewaltige Mengen Radioaktivität frei (mehr als in Tschernobyl), ein großes Gebiet ist bis heute verstrahlt. Der Unfall wurde bis 1989 geheim gehalten. In der gemischt zivilen und militärischen Atomfabrik Sellafield in Nordwestengland geriet am 10. Oktober 1957 der Reaktorkern in Brand. Auch hier wurde sehr viel Radioaktivität frei. Es folgten in Sellafield über Jahrzehnte zahlreiche "kleinere" Unfälle.

Am 28. März 1979 kam es im Atommeiler von Three Mile Island in Pennsylvania, USA, zu einer partiellen Kernschmelze. Am 26. April 1986 schließlich ereignete sich eine komplette Kernschmelze in Tschernobyl in der Ukraine. Und jetzt Fukushima mit Reaktor- und Lagerstättenschmelze.

Fünf schwerste Unfälle mit tausenden, wenn nicht zehntausenden Krebstoten in den ersten 57 Jahren der Nutzung der Kernenergie. Fünfmal in 57 Jahren geriet eine Megatechnologie außer Kontrolle, die theoretisch nicht außer Kontrolle geraten darf. (rau, DER STANDARD; Printausgabe, 5.4.2011)

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    Die Kernkraftwerke Isar 1 und Isar 2 in Bayern sind zum Glück noch ohne schwere Unfälle geblieben.

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