Festnahme nach Mord an Leiter des "Freiheitstheaters"

6. April 2011, 20:44
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Schauspieler, Filmemacher und politischer Aktivist Mer-Khamis wurde erschossen

Jenin - Nach dem Mordanschlag auf den Leiter des "Freiheitstheaters" von Jenin, Juliano Mer-Khamis, haben die Sicherheitskräfte im Westjordanland einen Verdächtigen inhaftiert. Der Mann sei bereits wenige Stunden nach dem Mord am Montag festgenommen worden und sitze nun als dringend Tatverdächtiger in Haft, teilten am Mittwoch mehrere Vertreter der palästinensischen Sicherheitsdienste mit.

Demnach soll er früher einmal dem bewaffneten Arm der Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas angehört haben, inzwischen aber möglicherweise zur verfeindeten radikalislamischen Hamas übergetreten sein. Die Babysitterin von Mer-Khamis' kleinem Sohn habe ihn wiedererkannt, berichteten Freunde des Theatermachers. Der Chef der palästinensischen Sicherheitskräfte für die Region Jenin, General Radi Assidi, bestätigte zunächst nur die Festnahme eines Verdächtigen.

Mer-Khamis war am Montag vor seinem Theater von einem maskierten Unbekannten erschossen worden. Der 52-jährige bekannte Schauspieler, Sohn einer jüdischen Mutter und eines arabisch-israelischen Vaters, hatte demnach gerade mit seinem Auto seinen kleinen Sohn und dessen Babysitterin abgeholt. Diese wurde durch die Schüsse verletzt, das Kind entging dem Anschlag unverletzt. Berichten zufolge sah die Babysitterin dem Täter ins Gesicht, bevor dieser sich maskierte.

Bei dem Verdächtigen soll es sich um einen Bewohner des Flüchtlingslagers handeln, in dem auch das Theater seines Opfers stand. Vertreter der palästinensischen Sicherheitsdienste berichteten, das Mitglied der Al-Aksa-Brigaden habe mehrere Jahre in israelischer Haft gesessen. Später wurde er von der Palästinensischen Autonomiebehörde wegen des Verdachts, Waffen an die rivalisierende Hamas verkauft zu haben, für mehrere Monate inhaftiert. Einige Vertreter vermuteten, dass er inzwischen selbst der im Gazastreifen regierenden Hamas angehört. Dies wurde von einem Hamas-Sprecher in Gaza-Stadt zurückgewiesen. Nach seinen Worten handelt es sich bei dem Mord um eine normale Straftat ohne politische Hintergründe.

Mer-Khamis wurde am Mittwochnachmittag im Kibbuz Ramot Menash im Norden Israels bestattet. Zuvor nahmen hunderte Menschen im Theater von Haifa Abschied, wo die Leiche des Getöteten aufgebahrt war. Für Donnerstagmorgen war eine Trauerzeremonie in seinem Theater vorgesehen, gefolgt von einem symbolischen Trauermarsch. Das Freiheitstheater in Jenin war noch von Mer-Khamis' Mutter, der israelischen Friedensaktivistin Arna Mer, gegründet worden. In ihm sollten Kinder und Jugendliche einen Raum fern von Gewalt und Besatzung haben. (APA)

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