Jammern auf hohem Niveau

4. April 2011, 18:35
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Das neue Ökostromgesetz ist wahrlich kein großer Wurf

Der Umstand, dass alle unzufrieden sind, scheint Reinhold Mitterlehner recht zu geben. Das neue Ökostromgesetz ist wahrlich kein großer Wurf. Doch wer jetzt Endzeitstimmung wegen der mageren Aufstockung des Förderrahmens ausstrahlt, der sollte auch Finanzierungsvorschläge für höhere Beihilfen aussprechen. Denn bereits jetzt macht die Ökostrom-Unterstützung deutlich mehr als 300 Millionen Euro im Jahr aus. Und die Rechnung, die den Konsumenten aufgetischt wird, steigt mit der aktuellen Ausdehnung auf immerhin 800 Millionen.

Womit sich die Frage der Förderwürdigkeit stellt. Insbesondere bei Biogas- und Biomasseanlagen, die das Gros der Subventionen verschlingen, spielen Ökobilanz und Wirkungsgrad keine Rolle. Dass Mitterlehner neue Biogas-Anreize in die Novelle verpackte, ist wohl mehr dem Lobbying-Talent der Agrarier als der Energieeffizienz ihrer Anlagen zuzuschreiben.

Die Fotovoltaikbranche kommt dagegen nur auf einen Bruchteil der Bioenergie-Förderung. Allerdings handelt es sich beim Sonnenstrom um die unwirtschaftlichste Energieform, die Kosten je eingesparter Tonne CO2 sind Lichtjahre von sinnvollen Alternativen wie Wärmedämmung entfernt. Fotovoltaik sollte vor allem dort forciert werden, wo der erzeugte Strom direkt - ohne Einspeisung ins Netz - verbraucht wird. Das aktuelle Jammern rund um die Ökostromnovelle erfolgt derzeit auf hohem Niveau. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.4.2011)

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