Japan: "Riesige Auswirkungen auf den Ozean"

4. April 2011, 18:29
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Tepco lässt Millionen Liter radioaktiv belastetes Wasser ab - Experte beschwichtigt

Tokio/Wien - "Wir haben keine andere Wahl", sagte der japanische Regierungssprecher Yukio Edano am Montag. AKW-Betreiber Tepco müsse 11. 500 Tonnen verstrahltes Wasser vom havarierten AKW Fukushima I ins Meer leiten. Die japanische Regierung befürchtet katastrophale Auswirkungen für den Pazifik, wenn weiter radioaktiv verstrahlte Substanzen aus dem havarierten AKW ins Meer strömen. "Wir müssen die Ausbreitung in den Ozean so bald wie möglich stoppen", hieß es. "Wenn die gegenwärtige Lage mit der Anreicherung radioaktiver Substanzen über lange Zeit anhält, wird es riesige Auswirkungen auf den Ozean haben", sagte Edano. Die Regierung forderte Tepco auf, schnell zu handeln.

Andreas Musilek, Strahlenschutzbeauftragter des Atominstituts der TU Wien, sagt zwar, man müsse die Probleme in Japan raschestmöglich unter Kontrolle bringen, er sieht aber "keine großen Probleme" für Lebensmittel und Fische: "Das Meer ist hier der große Vorteil: Was darin abgelassen wird, wird sofort stark verdünnt und ausgewaschen." Die Menge an radioaktiven Stoffen, die in den Ozean gelange, liege wohl im Mikrogrammbereich. Kenya Mizuguchi von der Universität für Meeresforschung und Technologie in Tokio sagte laut Medien allerdings, dass steigende Level radioaktiver Stoffe im Wasser zu beobachten seien.

Die Betreiberfirma Tepco ließ erst Wasser aus dem AKW ab, das 100-mal stärker verstrahlt als rechtlich zulässig sei, wie das Unternehmen mitteilte. Es handle sich um Kühlwasser, das Berichten zufolge aus der zentralen Abwasseranlage des AKWs, vor allem aus den Reaktoren 3, 4, 5 und 6, stammt. Man pumpe die Flüssigkeit ab, um Platz für stärker belastetes Kühlwasser aus Reaktor 2 zu schaffen, erklärte Tepco.

Indes ging die Suche nach weiteren Lecks am AKW weiter. Durch den Einsatz von Badesalz sollte Kühlwasser eingefärbt werden, um undichte Stellen zu finden. Am Wochenende war der Versuch gescheitert, Risse im Fundament von Reaktor 2 mit Beton oder einer Mischung aus Kunstharz, Zeitungspapier und Sägespänen abzudichten. Tepco plant weiters den Bau einer Barriere im Meer, um zu verhindern, dass radioaktiv verseuchter Schlamm in den offenen Ozean treibt. Die Errichtung der Barriere soll mehrere Tage dauern.

Die deutsche Fischindustrie kündigte am Montag an, Ware aus dem Pazifik auf Radioaktivität untersuchen lassen. Der österreichische Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) will beim informellen Treffen der EU-Gesundheitsminister am Dienstag im ungarischen Gödöllö auf eine Senkung der Grenzwerte für Lebensmittelimporte aus Japan drängen.

Zumindest eine Japanerin dürften die Hiobsbotschaften von Montag aber kaum gekümmert haben: Eine Frau konnte ihre Hündin, die bis vor drei Tagen vor der Küste auf Trümmern eines Daches im Wasser getrieben war, wieder in die Arme schließen. (dpa, spri, DER STANDARD; Printausgabe, 5.4.2011)

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    Die Hündin Ban wurde vorige Woche auf Haustrümmern am Meer treibend gefunden und am Montag auf radioaktive Verstrahlung untersucht. Dann durfte ihre Besitzerin sie in die Arme nehmen.

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