Mehr Kinder in "Krisenunterbringung"

4. April 2011, 18:20
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Seit Jahresbeginn müssen in Wien um 15 Prozent mehr Kinder bei Pflegefamilien untergebracht werden

Wien - Die Zahl der "Krisenunterbringungen" von Kindern in Pflegefamilien ist heuer in Wien um 15 Prozent gestiegen - ähnliche Zahlen werden auch aus Niederösterreich und Oberösterreich gemeldet. Dabei handelt es sich um temporäre Unterbringungen für die Zeit, in der in Krisensituationen abgeklärt wird, was weiter geschehen soll.

Seitens des Wiener Jugendstadtrates Christian Oxonitsch wird dieser Anstieg als tendenziell positives Zeichen gewertet: Offenbar sei in der Bevölkerung die Sensibilität dafür, wann etwas in einer Familie schiefläuft, gestiegen. Die verstärkte Aufmerksamkeit könne laut Oxonitsch beispielsweise auf den "Fall Cain" in Vorarlberg zurückgeführt werden.

100 neue Pflegeeltern pro Jahr werden gesucht

Die generelle Zahl von Kindern, die kurzfristig oder dauerhaft in Pflegefamilien untergebracht sind, ist von 2009 auf 2010 weniger stark gestiegen - um vier Prozent auf insgesamt 1587 Pflegekinder. Pro Jahr werden rund 100 neue Pflegeeltern gesucht.

Abgewickelt werden die Entscheidungen, wo welches Kind untergebracht werden kann, im Referat für Adoptiv- und Pflegeeltern in der Mag elf, das mit einem Stammteam von 17 Personen besetzt ist.

Generell soll der Schutz der Kinder in diesem Jahr weiter ausgebaut werden: Im Mai eröffnet ein neues Krisenzentrum in Donaustadt - es ist das 14. in Wien. Im selben Monat nimmt außerdem die Gruppe "In_go" in Ottakring ihren Betrieb auf: In zwei Wohngemeinschaften sollen dort zwölf Burschen Unterkunft finden und Hilfe beim Wiedereinstieg in den geregelten Tagesablauf bekommen. Betreut wird "In_go" von der Caritas. Heuer ist außerdem die Errichtung vier neuer Wohngemeinschaften geplant.

Ausgebaut werden soll auch das "Familiencoaching", mit dem Familien bei der Rückkehr ihrer Kinder unterstützt werden.

2010 gab es in Wien 9964 Fälle, bei denen die mögliche Gefährdung eines Kindes abgeklärt werden musste. Bei einem Drittel dieser Meldungen an die Jugendwohlfahrt wurde eine Gefährdung festgestellt, Maßnahmen mussten ergriffen werden. (frei, DER STANDARD Printausgabe, 5.4.2011)

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