IV-Praktikanten im Doppelspiel

4. April 2011, 18:17
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Industrie vermittelt Jungakademiker an VP-Abgeordnete

Es ist eine Praxis, die sich seit vielen Jahren bewährt hat, in Brüssel und Straßburg ausschließlich in der VP-Delegation angewendet wird und alle paar Jahre wegen des Geruchs der indirekten Parteienfinanzierung ins Gerede kommt: wie jetzt wieder im Zuge der Korruptionsvorwürfe gegen den zurückgetretenen Ernst Strasser. Die Rede ist von "Praktikanten" - Jungakademikern unter 28 -, die sich auf ein Traineeprogramm der Industriellenvereinigung (IV) vorbereiten, und die zu diesem Zwecke (bis zu ein Jahr) für einen EU-Abgeordneten als Praktikant arbeiten.

Die Kosten dafür werden "zur Hälfte" von den Abgeordneten selbst getragen, zur anderen Hälfte von einem Verein, dem "Institut für Bildung und Innovation", wie IV-Personalchef Andreas Prenner im Gespräch mit dem Standard betont: "Diese Leute sind nicht im Personalstand der IV". Dass er selbst die Kandidaten für einen Job bei einem EU-Abgeordneten "auf Nachfrage empfiehlt", ist für ihn kein Problem.

Klar: Für Verein und IV geht es darum, aussichtsreichen Jungakademikern eine chancenreiche Ausbildung zu ermöglichen. Genommen werden im Traineeprogramm nur Leute mit gutem Studienabschluss, die mehrere Sprachen sprechen, bereit sind im In- und Ausland zu arbeiten, und "Interesse an Industrie UND Politik" haben, wie es auf der IV-Homepage heißt. Prenner würde "seine" Kandidaten gern nicht nur der VP, sondern EU-Abgeordneten aller Parteien anbieten. Aber es gäbe da "Berührungsängste", sagt er.

Der geschäftsführende Fraktionschef der SPE, Hannes Swoboda, sagt auch warum: "Es ist das zwar keine große Sache, aber es bleibt eine gewisse Abhängigkeit, im Zweifel für die IV. Auch bei uns bewerben sich Praktikanten, aber die werden voll und direkt von uns bezahlt, kriegen so an die 900 bis 1000 Euro, werden versichert", erklärt Swoboda.

Die VP-Delegation hat derzeit fünf "Nicht-IV-Praktikanten" beschäftigt, wie ein Sprecher bestätigt. Othmar Karas, der designierte Delegationschef, findet das auch in Ordnung, will die Praxis in aller Transparenz beibehalten: "Es ist nichts anrüchig daran", sagt er, "das ist ein Ausbildungsprogramm für junge Menschen. Die Personalhoheit hat der Abgeordnete, der zahlt auch dafür, sie sind bei ihm angestellt."

Alle Beteiligten sind also zufrieden, auch die Praktikanten selbst: Sie erhalten Zugang in Netzwerke, die später viel wert sind. (Thomas Mayer, DER STANDARD; Printausgabe, 5.4.2011)

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