Habsburg überlegt Rückzug

4. April 2011, 18:10
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Keine Mitsprache bei Management der von der WAZ übernommenen Zeitungen

Die Mehrheit an den früheren WAZ-Zeitungen in Bulgarien sieht Karl Habsburg vorerst gesichert: Bulgarische Partner bei der Übernahme des Verlags hatten versucht, Habsburg und dessen Mitinvestor Christo Grosev auszubooten (DER STANDARD berichtete vorige Woche). "Ein Gericht hat den Status quo ante wiederhergestellt", sagte Habsburg Montag auf Standard-Anfrage.

Haken laut Habsburg: Die Geschäftsführung der Verlagsgruppe um Trud, 24 Chassa und das Wochenblatt 168 Chassa bestimmten die bulgarischen Partner, ein Pharmaindustrieller und ein Sofioter Medienunternehmer.

Das derzeitige Management nennt Habsburg "zweifellos keine professionelle Geschäftsführung". Werde keine solche installiert, "ist mein Interesse eingeschränkt". Dann überlege er, aus den vor wenigen Monaten übernommenen WAZ-Blättern in Bulgarien wieder auszusteigen. 

Die bulgarischen Partner, die versuchten, Habsburg und seinem Compagnon Christo Grosev die Mehrheit mit einem juristischen Überraschungsangriff abzunehmen, sehen die Sache naturgemäß ein bisschen anders. Ognyan Donev, Chef des großen bulgarischen Pharma-Unternehmens Sopharma und Miteigentümer der "Mediengruppe Bulgaria Holding", griff in einem zweistündigen Interview mit dem Radiosender K2 in Sofia, seine österreichischen Partner an. Die Tageszeitung Trud veröffentlichte am Montag eine ganzseitige Version von Donevs Erklärungen zum Handel, den er mit Habsburg und Partnern geschlossen hatte und dem - aus seiner Sicht - "Skandal", zu dem es nun kam.

Donev stellt die österreichische Seite nicht als ebenbürtige Partner dar. Sie sind seiner Darstellung nach lediglich als Vermittler beim Kaufvertrag mit der WAZ aufgetreten und seien entsprechend entlohnt worden. "Sie haben nie behauptet, dass sie Geld hätten. Ich will ihren Anteil als Kommissionäre nicht mindern. Wir haben uns auf ein Honorar für ihre Leistung verständigt." Donev behauptet: "Sie haben nie angegeben, wie viel sie auftreiben können. Wir haben keine Bedingungen gestellt. Wir wollten, dass dieses Geschäft zustande kommt, und hier ist meine Rolle als Finanzinvestor. Ich habe für dieses Geschäft gezahlt." (fid, mab DER STANDARD; Printausgabe, 5.4.2011, online ergänzt)

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