Wenn der Glanz verschwindet

4. April 2011, 18:02
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Initiative betreut Sportler auf dem Weg in die Berufswelt

Wien - "Schon mit 16 Jahren brach Herr XY seine Lehre als Werkzeugmacher ab, um eine Karriere als Profi-Fußballer zu beginnen", wird in einem Prospekt ein authentisches Fallbeispiel eines ehemaligen Profisportlers zitiert. "Seine Laufbahn war sehr erfolgreich: 29 Einsätze im österreichischen Nationalteam, Profi in der ersten deutschen Bundesliga. " Durch Verletzungen und andere Faktoren musste der Fußballer seine Karriere beenden. "Es folgten Arbeitslosigkeit und die Vormerkung beim AMS."

Lebensgeschichten wie diese kennt Roswitha Stadlober, die Geschäftsführerin des 2006 gegründenten Projekts "Karriere Danach" (Kada), zuhauf. Die ehemalige Skirennläuferin hat viele Kollegen gesehen, die den Übergang von der Sport- in die Berufswelt nicht geschafft haben. "Viele Sportler sind nach dem Ende ihrer Karriere arbeitslos. Selbst ein Olympiasieg ist noch lange keine Jobgarantie."

Auf diese Problematik will die neue Kada-Initiative "Sport mit Perspektive" aufmerksam machen und gleichzeitig Abhilfe schaffen. Das Angebot soll aber nicht nur Athleten ansprechen, die sich nach ihrem Rücktritt für Aus-, Weiterbildungs- und Jobmöglichkeiten interessieren. Mehr als bisher sollen schon Aktive auf ein Leben nach dem Sport vorbereitet werden.

Das Sportministerium steuert zu dem auch vom Arbeitsmarktservice (AMS) getragenen Projekt 300.000 Euro bei. "Im Sport sieht man nur die Sonnenseiten", sagte Sportminister Norbert Darabos (SP). Probleme beim Weg ins Berufsleben würden hingegen bei Sportlern oft keine Beachtung finden. "Wir müssen diesen Athleten aber Perspektiven schaffen."

Kritisch äußerte sich Stadlober zum "spitzensportfeindlichen Ausbildungssystem" in Österreich, das nur sehr schwer die Vereinbarkeit von Sport und Weiterbildung zulasse. "Oft werden Sportler mit der Frage konfrontiert, was sie wollen: studieren oder sporteln? Das System ist zu unflexibel und verschult."

Aktuell werden 30 Spitzensportler von Kada betreut. Die Snowboarderin Claudia Riegler etwa absolviert parallel zum Sport eine Ausbildung zur Montessori- und Moto-Pädagogin. "Man geht wesentlich entspannter in eine Saison, wenn man weiß, dass es für nachher etwas gibt." (DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 5. April 2011, krud)

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