Vizechef Koren verlässt die Bawag

4. April 2011, 17:42
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Nächster Abgang aus dem Vorstand der Bawag. Ende April geht der Vizechef der Bank, Stephan Koren

Nächster Abgang aus dem Vorstand der Bawag. Ende April geht der Vizechef der Bank, Stephan Koren. US-Eigentümer Cerberus hat schon länger an Korens Sessel gerüttelt; nun fehlt der Bawag ihr Verhandler.

Wien – Die Zeitrechnung in der Bawag PSK lässt sich trefflich dreiteilen. Da ist die Zeit der Gewerkschaftsbank vor der großen Krise 2006, die Krisenzeit bis zum Verkauf an den US-Hedgefonds-Cerberus (Höllenhund) Mitte 2007 – und die Jetztzeit. Die ist vor allem von einem geprägt: von Abgängen aus der Vorstandsetage.

Jetzt ist es wieder einmal so weit. Der langjährige Vizechef der Bawag, Stephan Koren, nimmt seinen Hut. Wie vor ihm Ewald-Nowotny-Nachfolger David Roberts, oder Carsten Samusch oder Joseph Laughlin oder Regine Prehofer. Der 53-jährige Banker (er kam 1998 in die Bawag, war ab 2000 PSK-Vorstandschef und seit der Bawag-PSK-Fusion 2005 fürs Risiko zuständige Vize-Vorstandsvorsitzender) "steht für eine Verlängerung seines Vorstandsmandates per 1. Mai nicht mehr zur Verfügung", teilte die Bank am Montag per Aussendung mit. Koren, einstiger Kabinettchef von ÖVP-Wirtschaftsminister Johannes Ditz, wurde mit den Worten zitiert, mit dem Erreichen der Gewinnzone sei für ihn "der richtige Zeitpunkt" gekommen, sich "neuen Herausforderungen" zu stellen.

Tatsächlich ist Korens Ausscheiden auf das schwierige Verhältnis mit den amerikanischen Eigentümern unter Führung von Cerberus-Gründer Stephen A. Feinberg zurückzuführen. Die Chemie zwischen dem Cerberus-Chef, der seine Beteiligungsunternehmen am kurzen Zügel zu führen pflegt, und Koren dürfte schlicht nicht gestimmt haben.

Bawag verliert Verhandler

Schon seit rund einem Jahr haben die Amerikaner einen Rückzug Korens immer wieder angeregt – mit der jetzigen Lösung wurde ein günstiger Zeitpunkt gefunden. Die Bank schreibt erstmals seit vier Jahren wieder einen Gewinn, sie hat der Republik die Dividende für das Partizipationskapital (mit Kapitalertragssteuer 51 Mio. Euro) überwiesen, und auch die Verhandlungen über den Zahlungsverkehr des Bundes (den die PSK besorgt) sind abgeschlossen. Genau an diesem Punkt liegt der Ursprung der Probleme, und da könnten auch die künftigen Probleme entstehen.

Denn der auch politisch bestens verknüpfte Bankenverband-Präsident Koren war es, der die ebenso haarigen wie diffizilen Verhandlungen mit der Republik zu den Themen PS-Kapital und Garantie-Übernahmen und Beitrag der US-Eigentümer (sie zahlten 205 Mio. Euro ein) geführt hat.

Dem endgültigen Zuschnüren des komplizierten Pakets gingen etliche USA-Reisen Korens voraus – er musste Cerberus die Rahmenbedingungen und Sachzwänge rund um die Staatshilfe verständlich machen.

Die Vorgaben der EU-Kommission, die ja die Zuführung von staatlichem Kapital unter Bedingungen stellt und absegnen muss, hat das Gesprächsklima zwischen Wien und New York dann offenbar endgültig vereisen lassen. Die Bawag musste ihren ursprünglichen Umstrukturierungsplan auf EU-Wunsch hin abändern; "das hat Feinberg Koren persönlich übel genommen", erzählt ein in die Sache Involvierter.

Ein angespanntes Jahr später geht Koren also, einen Beratervertrag mit Cerberus hat er abgelehnt. Aufsichtsrat der Bank, die vom Briten Byron Haynes geführt wird, und Bankenaufseher beobachten die Entwicklung mit Argusaugen; in der Nationalbank sorgt der Weggang Korens für finstere Mienen. Er sei der Einzige im Vorstand, der die Bank am österreichischen Parkett vertreten könne, und das sei "bei einer Bank, in der viel öffentliches Geld steckt, doch ein Problem", wird argumentiert.

Koren selbst sagt zu alldem nicht viel. Wie das Verhältnis zu den Amerikanern gewesen sei? "Fair".(Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.4.2011)

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    Der Vize-Chef der Bawag, Stephan Koren, verlässt die Bank Ende April. Die amerikanischen Eigentümer dürften gegen die weitere Vertragsverlängerung gewesen sein.

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