KHM baut Zentraldepot auf Kredit

4. April 2011, 17:41
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Kulturministerin Schmied wurde vom Projekt erst nach einem Jahr informiert

Wien - Mitte März 2010 präsentierte SP-Kulturministerin Claudia Schmied ihren "Masterplan für Investitionen in die Bundesmuseen bis 2013". Er umfasst drei Projekte: die Neueinrichtung der KHM-Kunstkammer, den Umbau des 20er-Hauses und das Literaturmuseum der Nationalbibliothek.

Schmied sprach auch noch weitere Vorhaben an, etwa den Tiefspeicher für die Nationalbibliothek, dessen Finanzierung völlig offen sei. Ein Projekt aber erwähnte sie nicht: das KHM-Zentraldepot. Im September 2009 hatte sich die Geschäftsführung entschlossen, dieses um 14 Millionen Euro in Himberg zu errichten, um alle angemieteten Depots, darunter das große in der Traviatagasse, bis Ende 2011 aufgeben zu können.

Die Ministerin konnte das Projekt aber gar nicht erwähnen: Es wurde ihr erst im Oktober 2010 zur Genehmigung vorgelegt. Zu jenem Zeitpunkt hatte das KHM das 7000 Quadratmeter große Gelände bereits gekauft. Die Öffentlichkeit wurde von Geschäftsführer Paul Frey erst kürzlich informiert: In den Neubau würden, sagte er, die Ersparnisse der letzten Jahre fließen. Mit diesen konnte aber nur das Grundstück (886.000 Euro) erworben werden. Was Frey verschwieg: Das KHM nahm bei der Bundesfinanzierungsagentur einen Kredit in der Höhe von 8,5 Millionen Euro auf. Im KHM sorgt das Projekt zudem für Diskussionen: Man meint, dass die Unterkellerung des Maria-Theresien-Platzes sinnvoller gewesen wäre.

Wolfgang Zinggl, der Kultursprecher der Grünen, ist über die Vorgänge "verwundert" und verlangt Aufklärung. (trenk/DER STANDARD, Printausgabe, 5. 4. 2011)

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