Bürgerkrieg lässt Kakao-Preis kräftig anziehen

4. April 2011, 17:29
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Die anhaltenden Unruhen nach der Präsidentenwahl in Côte d‘Ivoire sorgen erneut für einen Preisschub

Die anhaltenden Unruhen nach der Präsidentenwahl in westafrikanischen Côte d‘Ivoire sorgen erneut für einen Preisschub bei Kakao. Nicht nur der Schokolade-Grundstoff, auch andere Rohstoffe erreichen Rekord-Hochs.

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Wien - Der Kakaopreis zieht nach einem kurzen Abwärts-Trend wieder an, da die Hoffnungen auf eine rasche Beilegung des Konflikts in Côte d‘Ivoire schwinden. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen um die Macht im größten Kakao-Exportland der Welt (39 Prozent Weltmarktanteil) scheinen kein schnelles Ende zu nehmen.

Die Kämpfe zwischen den Anhängern des Ex-Präsidenten Gbagbo und jenen seines Nachfolgers Ouattara führen nicht nur zu Menschenrechtsverletzungen, sie verhindern auch die baldige Wiederaufnahme der Kakao-Produktion und des Exportes; das aber hatte sich der Handel erwartet. Am Montag reagierte der Markt mit einer Verteuerung des in London gehandelten Futures um 1,1 Prozent auf 1969 Pfund je Tonne, der US-Kontrakt stieg um 1,6 Prozent auf 3050 Dollar je Tonne.

Nicht nur die Kakaopreise klettern nach oben, am Rohstoffmarkt ziehen momentan viele Kurse an. Mais verzeichnet aktuell den höchsten Stand seit Juli 2008. Nachdem vergangenen Donnerstag ungewöhnlich niedrige Lagerbestände in den USAveröffentlicht wurden, befürchten Anleger nun mögliche Engpässe bei Futtermais, so Rohstoff-Experte Luke Mathews von der Commonwealth Bank of Australia. Der US-Future verteuerte sich zum Wochenanfang um 1,2 Prozent. Im Windschatten des Mais stieg der Weizenpreis um bis zu 1,3 Prozent.

Auch Kautschuk wird teurer, schuld am Preisanstieg ist hier die schlechte Ernteprognose für Thailand, dem weltgrößtenKautschuk-Exporteur. Am Montag erreichte der in Japan gehandelte Kontrakt ein Vier-Wochen-Hoch von umgerechnet 3,84 Euro pro Kilogramm.

Edelmetalle kannten zuletzt ebenfalls nur eine Richtung: nach oben. Gold legte erneut zu (1430,40 Dollar pro Unze), die beste Performance in diesem Sektor zeigte bisher jedoch Silber:Die Preise stiegen heuer um 23 Prozent. Die chinesische Rohstoffpolitik verursacht Preissteigerungen bei weiteren Metallen:So könnten strengere Umweltauflagen für chinesische Minen und Hütten zu einer Blei-Knappheit führen. Der Preis stieg um 2,6 Prozent auf 2768 Dollar je Tonne und erreichte am Montag ein Drei-Jahres-Hoch.

China schützt sich

Das weniger bekannte Antimon, ein seltenes Halbmetall, das Farben feuerfest und Computergehäuse stabil hält erzielt momentan einen Rekordpreis von bis zu 17.000 Dollar pro Tonne. Der Großteil von Antimon wird in China abgebaut, allerdings ist China darauf bedacht, selbst strategische Reserven anzulegen.

Die EU führt Antimon auf ihrer Liste an knappen Rohstoffen. Die Union ist fast völlig auf chinesische Importe angewiesen, Ersatz für dieses Metall gibt es keinen. (Reuters, mal, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.4.2011)

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    Kakao, der Grundstoff für Schokolade, wird wegen der blutigen Machtkämpfe in Westafrika teurer.

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