Spindelegger pocht in Ägypten auf Religionsfreiheit

4. April 2011, 17:20
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Österreichs Außenminister zeigt sich auf einer Nahost-Reise besorgt über Gewalt gegen koptische Christen

Österreich will sich über den Umbruch in Ägypten nicht nur ein Bild aus erster Hand machen, sondern das Land auch "mit dem unterstützen, was wir besonders gut beherrschen" . Außenminister Michael Spindelegger meint damit juristische Expertisen und Wirtschaftsprojekte. Besonders Medien- und Religionsfreiheit stünden ganz oben auf der Agenda seiner fünftägigen Nahost-Reise, die am Montag in Kairo begann.

Vor allem die Diskriminierung der koptischen Christen und die wiederholte Gewalt gegen sie gebe Anlass zur Sorge. Dieses Thema will Spindelegger mit dem ägyptischen Ministerpräsidenten Essam Sharaf und Außenminister Nabil Elaraby ansprechen. Als politisches Signal war denn auch Spindeleggers Zusammentreffen mit dem Papst der koptischen Christen Shenouda III. zu werten, das am Montagabend den Auftakt der Termine des Außenministers darstellte.

Auch mit Großscheich Ahmed al-Tayeb von der einflussreichen Al-Azhar-Universität trifft sich Spindelegger heute, Dienstag. Infolge der jüngsten Gewaltwelle gegen Kopten hatte der Vatikan den Islam im Nahen Osten kritisiert und von "Christenverfolgung" gesprochen, was seitens des Großscheichs zu einem Einfrieren der Beziehungen zur katholischen Kirche führte.

Übergeordnetes Ziel sei es, in Ägypten volle Religionsfreiheit sicherzustellen. "Wir müssen jetzt, vor den Wahlen und vor einer dann tatsächlich gültigen neuen Verfassung, signalisieren, dass sich Europa das erwartet" , sagte der Außenminister. In Ägypten stehe zu befürchten, dass sich die Kluft zwischen den Religionen eher noch vergrößern könnte, "aber alle Gruppen sollen die gleichen Rechte und den gleichen Schutz genießen dürfen" .

Vor gut zwei Wochen hatten sich die Ägypter für einen Verfassungsentwurf ausgesprochen, der Ägypten als muslimisch geprägtes Land definiert. Auch Spindelegger sieht in dieser Passage ein Problem: Diese Ausrichtung "verträgt sich nicht zur Gänze mit den Prinzipien echter Religionsfreiheit" . (Gianluca Wallisch aus Kairo/DER STANDARD, Printausgabe,5.4.2011)

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