Der Drachen neue Kleider

4. April 2011, 16:28
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Die Danube Dragons feierten vor einer Rekordkulisse einen am En­de doch erfolgreichen Saison­auf­takt in Wien. In Graz kam es beim AFL Schlager Giants-Raiders so, wie es fast kommen musste

Drei Wochen mussten die Danube Dragons, Meister der Saison 2010, auf ihren ersten Einsatz warten. In Woche 1 wäre das Spiel gegen St. Pölten angesetzt gewesen, die aber der Bundesliga vor Saisonbeginn noch Ade sagen mussten. Vorige Woche hätte man in Salzburg spielen sollen, was auf Grund der Wetterlage aber nicht möglich war. So musste das Euro Bowl „Achtelfinale" gegen Prag als Auftakt herhalten.

Neue Jerseys, neue Stadt, neues Stadion, neue Fans

Alles neu lautet die Devise bei den Drachen. Dem pastellfarbenen Grasgrün der letzten Jahre wich ein düsteres Dunkelgrün und Niederösterreich verließ man nach 25 Jahren, um nun endgültig in Wien sesshaft zu werden. Den Vergleich mit dem Stadtrivalen Vikings muss man auf sportlicher Ebene schon lange nicht mehr scheuen - seit der Saison 2008 ist man gegen den ehemaligen großen Bruder ungeschlagen. Und auch organisatorisch macht man sich nun auf den Weg Richtung Wiener Spitze.

Der Verein hielt Einzug im Stadion des FC Stadlau, nachdem das Rattenfängerstadion in Korneuburg 2010 mehrmals aus allen Nähten platzte. Der Fußballklub des FC Stadlau ist - durchaus ungewöhnlich - überaus glücklich mit seinen neuen Untermietern. Mag. Thomas Reindl, seines Zeichens Präsident des FC Stadlau, war nicht nur bei der Presskonferenz der Dragons anwesend, sondern dann auch am Spieltag vor Ort dabei. Die vielen Zuseher - am Ende zählte man über 1.500 Fans - freuten den Chef des Traditionsvereins der Wiener Liga (Gegründet 1913), der sich bei den Heimspielen seiner Mannschaft auch so eine Kulisse wünschen würde. Ein Vienna Schicksal, denen es mit den Vikings ähnlich geht. Die (Vikings) hatten den ehemaligen OMV-Platz in der Donaustadt vor einigen Jahren schon im Visier, zogen dann aber ins benachbarte Simmering, wo auf der „Thell-Wiese" - Unter der Kirche - Europas erstes Footballzentrum von der Stadt Wien für die Wikinger errichtet wurde. Kein Wunder also, dass Sportstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ), Stammgast bei Heimspielen der Vikings, sich auch in Stadlau bei der Wien-Premiere der Dragons blicken ließ.

From Zero To Hero'

Die Dragons schleppten über Jahre ein Verlierer-Image mit sich herum, von jenem sie sich in jüngster Vergangenheit jedoch eindrucksvoll befreien konnten. Head Coach Ivan Zivko, unter vorgehaltener Hand von manchen auch „Ivan der Schreckliche" genannt, der aber in Wahrheit gar nicht so ein schlimmer Finger ist, schmiedete klammheimlich und über Jahre von den Schülern aufwärts bis zur ersten Mannschaft „sein" Team. Der Klub gewann 2010, zum 25-jährigen Jubiläum, erstmals die Austrian Bowl. Das noch dazu gegen die Raiders am Tivoli. Zum Stauen und zur Andacht der arrivierten Mitbewerber. Der (Zivko) hatte seinen Blick schon immer von Kloster- oder Korneuburg aus auf Wien gerichtet. Als die Dragons vor einigen Jahren ihr Trainingszentrum in Wien aufschlugen, da hatten sie 77 Mitglieder. Heute sind es über 500.

Zurück zum vergangenen Samstag. Das Wetter herrlich, das Stadion voll, der Tisch war also gedeckt. Nur die Heimannschaft, die konnte die Fans anfangs nicht so Recht in Feierstimmung versetzen. Der Rost der langen Off-Season war offensichtlich. Die Prager, die in der Vorwoche noch eine böse Heimklatsche gegen die Vikings kassierten, hielten lange Zeit mit. Bei den Dragons startete mit Thomas Haider ein Österreicher als Quarterback und an dem lag es nicht, dass in den ersten beiden Vierteln der Funke vom Feld auf die Tribüne nicht überspringen wollte. Haider warf am Ende vier Touchdowns, war einer der Matchwinner beim schlussendlich verdienten 33:16-Erfolg.

Schrumpfende Europa-Liga

Der Sieg ist gleichbedeutend mit dem Einzug ins EFL (Euro Bowl)-Viertelfinale, in dem die Dragons im Mai auswärts auf Berlin treffen werden. In diesem Viertelfinale stehen bereits drei heimische Klubs fix fest. Die Raiffeisen Vikings als Vorjahresfinalisten, so wie die Swarco Raiders und Graz Giants als Halbfinalisten der EFL-Saison 2010. Die EFL ist deutlich geschrumpft. Heuer treten nur mehr neun Klubs aus acht Nationen im Grunddurchgang an, mit den vier fix gesetzten Viertelfinalisten sind es dreizehn Vereine aus acht Ländern. Dabei stellt Österreich gleich vier Mannschaften, Deutschland und Spanien je zwei, jeweils ein Klub aus Frankreich, Tschechien, Schweden, Italien und der Schweiz komplettieren das Teilnehmerfeld. Mit Prag kommen also fünf der dreizehn Teilnehmer aus der AFL. Eine Österreichische Bundesliga mit internationaler Beteiligung, an der 2010 - nach sechs Rot-Weiß-Roten Erfolgen en suite -, mit den Berlin Adlern erstmals wieder kein heimisches Team an Europas Spitze stand.

EFL:
Danube Dragons vs. Prague Panthers 33:16 (3:0/9:3/7:6/14:7)
»Spielstatistiken«

Grazer Konditionen

Den Graz Giants wird alljährlich der sportliche Niedergang vorhergesagt. Das Personalloch - zehn Jahre lang vernachlässigte man die Nachwuchsarbeit - das wird ihnen eines Tages einen Streich spielen. Tat es bisher nie und tut es auch heuer nicht. Das Problem ist trotzdem ein altes, wie auch immer noch präsent: Ein Spiel hat vier Vierteln und und nicht bloß zwei.

Die Giants kontrollierten eine ganze Hälfte lang den Ball, den Gegner, das Geschehen und damit auch das Spiel. Aus den Kabinen kam dann aber keine erstarkte Grazer Macht heraus, sondern die steirische Ohnmacht, die sich schnurstracks ins Verderben schlief. Die Raiders überliefen die Giants, pickten ihren Quarterback Chris Gunn drei Mal und gewannen nach einem 0:13-Rückstand am Ende noch deutlich mit 34:20.

Aus dem Spiel lassen sich mehrere Lehren ziehen. Die Raiders, die nicht nur ihren Coaching Staff mit dem Berliner Duo Shuan Fatah (Head Coach) und Lee Rowland (Offense) ausgetauscht, sondern auch alle vier Importpositionen neu besetzt haben und zusätzlich die Hilfe von Spielern aus Deutschland (GFL), Salzburg, Oberösterreich und Kärnten in Anspruch nehmen, standen unter dem Verdacht, die Bundesliga heuer zu dominieren. Das wird in der Form nun wohl eher doch nicht stattfinden, sieht man sich die erste Halbzeit genauer an. Die Raiders werden 2011 eine gewichtige Rolle um die beiden Titel (AFL & EFL) spielen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Giants müssen sich nun endlich daran gewöhnen, dass ein Spiel vier mal zwölf Minuten dauert. Das Einbrechen in der zweiten Halbzeit hat mittlerweile schon Tradition und bekommt man das in Graz nicht in den Griff, dann wir der Traum vom ersten Titel seit drei Jahren ein solcher auch bleiben. (Walter Reiterer)

Diese Spiel können Sie am Montag Abend ab 19:45 im Webstream von raidersTV auf Football-Austria als „As Live" Aufzeichnung sehen.

AFL:
Graz Giants vs. Swarco Raiders Tirol 20:34 (6:0/7:0/0:13/7:21)
»Spielstatistiken«

  • Giants Quarterback Chris Gunn (12) erzielte in Hälfte eins einen von zwei Grazer Touchdowns. Nach dem Seitenwechsel ging die steirische Equipe wie so oft ein und verlor noch deutlich.
    foto: niki pommer

    Giants Quarterback Chris Gunn (12) erzielte in Hälfte eins einen von zwei Grazer Touchdowns. Nach dem Seitenwechsel ging die steirische Equipe wie so oft ein und verlor noch deutlich.

  • Die Danube Dragons marschierten zum ersten Mal in Stadlau ein. Rund 1.500 Fans sahen einen noch recht matten 33:16-Erfolg gegen Prag.
    foto: afl-headset stefan wilfinger

    Die Danube Dragons marschierten zum ersten Mal in Stadlau ein. Rund 1.500 Fans sahen einen noch recht matten 33:16-Erfolg gegen Prag.

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