Kohlenmonoxid als heilendes Gift

9. April 2011, 16:44
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Deutsche Unis melden CO-freisetzende Moleküle zum Patent an

Regensburg/Köln - Kohlenmonoxid (CO) ist ein unsichtbares und geruchloses Gas, das nach Einatmung den Sauerstofftransport im Blut blockiert - und so zu Erstickungen führen kann. Das gefährliche Atemgift entwickelt in winzigen Mengen aber auch heilende Wirkungen: CO kann entzündungshemmend sein, die Organdurchblutung verbessern oder Symptome von Lungenkrankheiten lindern. Zwar wird Kohlenmonoxid vom Menschen in bestimmten Mengen selbst produziert, aber wie kann es gezielt eingesetzt werden? Hier setzt die Forschung auf dem Weg zu neuen medizinischen Therapien an.

Der Einsatz als Gas kommt aufgrund seiner Giftigkeit kaum in Betracht. Zudem würde bei der Verabreichung über die Lunge die normale Sauerstoffaufnahme behindert. Deshalb wird an der Entwicklung von Stoffen gearbeitet, die Kohlenmonoxid direkt im Körper freisetzen können. Bisher bekannte CO-freisetzende Moleküle haben den Nachteil, dass sie relativ wenig Kohlenmonoxid produzieren, unkontrolliert zerfallen, vom lokalen pH-Wert abhängig sind oder aber eine Bestrahlung durch UV-Licht notwendig ist. 

Neuartige Verbindung entwickelt

Einem Team aus Forschern der Universitäten in Köln und Regensburg ist es nun gelungen, neue Moleküle zu entwickeln, die in den Zellen des menschlichen Körpers aktiviert werden. Das gaben die beiden Universitäten am Montag bekannt. Die neuartige Verbindung besteht aus einem Eisen-Kohlenmonoxid-Teil und einem organischen Teil. Letzterer kann mit bestimmten, körpereigenen Enzymen - Lipasen und Esterasen - reagieren; so werden die Moleküle aktiviert. Das dabei freigesetzte Kohlenmonoxid kann auf diese Weise als Botenstoff oder Signalmolekül und damit als Therapeutikum in bestimmten Körperzellen eingesetzt werden.

Die neuen Moleküle wurden zum Patent angemeldet. Sie könnten der Forschungsgruppe zufolge bei der Krebstherapie, bei der Behandlung von Strahlungsschäden, bei Alzheimer, gegen Bluthochdruck, Bronchitis, Rheuma oder gegen Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantationen zum Einsatz kommen. Die Forschungsergebnisse sind in der Fachzeitschrift "Angewandte Chemie" veröffentlicht worden. (red)

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