Internationaler Protest gegen Festnahme Ai Weiweis

5. April 2011, 12:10
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Westliche Staaten fordern Freilassung des Künstlers

Peking - Einen Tag nach seiner Festnahme am Pekinger Flughafen gibt es weiter kein Lebenszeichen des regimekritischen chinesischen Gegenwartskünstlers Ai Weiwei. Sein Mobiltelefon war auch am Montag abgeschaltet, die staatlichen Medien berichteten mit keinem Wort über den Fall. Über den Kurzmitteilungsdienst Twitter riefen Freunde des Künstlers zu dessen Freilassung auf.

Der Sohn des berühmten chinesischen Poeten und Malers Ai Qing (1910-96), welchen die Kommunisten von 1958 bis 1978 mit einem Publikationsverbot belegt hatten, war am Sonntag von der Grenzpolizei festgenommen worden. Die Polizisten hätten ihm erklärt, er habe "andere Sachen" zu erledigen und könne seinen Flug nicht antreten, sagte eine Mitarbeiterin des Künstlers. Ai Weiwei wollte am Sonntag nach Hongkong fliegen.

Teil-Umzug nach Deutschland vorerst gescheitert

Die Polizei hatte Ais Studio in Peking durchsucht und acht Mitarbeiter auf eine örtliche Polizeiwache gebracht. Sie wurden am späten Sonntag freigelassen. Das Studio wurde von der Polizei abgesperrt und 30 Computer beschlagnahmt, sagten Mitarbeiter am Montag. Ai wollte am 29. April eine Ausstellung in Berlin eröffnen. Der 53-Jährige hatte kürzlich in einem Telefongespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erklärt, er wolle ein neues Studio in Berlin eröffnen, auch weil er in Peking immer stärker am Arbeiten gehindert werde.

Deutschland hat indessen die chinesische Regierung aufgefordert, Ai Weiwei "umgehend" freizulassen. Außenminister Guido Westerwelle erklärte am Montag in Berlin, er habe "mit großer Sorge" erfahren, dass Ai Weiwei am Sonntag in Peking an der Ausreise gehindert wurde. Westerwelle hatte wenige Tage zuvor Peking besucht. "Ich appelliere an die chinesische Regierung, dringend für Aufklärung zu sorgen, und erwarte, dass Ai Weiwei umgehend wieder frei kommt", betonte der deutsche Außenminister.

Spindelegger fordert Freilassung

Außenminister Michael Spindelegger fordert ebenfalls Ai Weiweis Freilassung: Der Bundesminister hat sich nach Angaben seines Sprechers Thomas Schmid über die Festnahme Ais besorgt gezeigt. "Wir fordern seine Freilassung, damit er seine Reise fortsetzen kann", teilte der Sprecher am Montag mit. Der Außenminister trete mit den zuständigen Stellen in China in Kontakt, um die Freilassung von Ai Weiwei zu erwirken, den die Pekinger Behörden an der Ausreise nach Deutschland gehindert haben.

Seinen China-Besuch im Februar hatte Spindelegger auch zu Gesprächen mit dem prominenten Regimekritiker und mit unabhängigen Journalisten genutzt. Er kam mit Ai Weiwei - dessen Vater, der berühmte Poet und Maler Ai Qing (1910-96), die chinesischen Kommunisten von 1958 bis 1978 mit Publikationsverbot belegt hatten - in dessen Atelier in einer Künstlerkolonie bei Peking zusammen. Der Außenminister hatte dabei erklärt, er wünsche sich ein weiteres Treffen mit dem Aktionskünstler in Österreich.

Zuvor hatte der Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien, Gerald Bast, Spindelegger aufgefordert, unverzüglich schärfsten diplomatischen Protest gegen die Inhaftierung Ai Weiweis und seiner Mitarbeiter einzulegen. "Stehen Sie nicht hinter dem deutschen Außenminister zurück und fordern Sie von China die sofortige Freilassung von Ai Weiwei und seinen Mitarbeitern!", sagte er.

USA, Großbritannien und EU schließen sich an

Auch die USA haben sich besorgt über das Vorgehen gegen Menschenrechtsaktivisten in China gezeigt und die Freilassung des vermissten Künstlers Ai Weiwei gefordert. Ai müsse umgehend auf freien Fuß gesetzt werden, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Mark Toner.

Die britische Regierung forderte von China eine Erklärung für die Festnahme des Künstlers. Außenminister William Hague sagte am Montag, er sei sehr besorgt über das Verschwinden des Regierungskritikers. Er habe die politische Führung des Landes zu einer Auskunft über dessen Verbleib sowie zu einer sofortigen Freilassung aufgerufen.

Die Europäische Union hat die "zunehmende Zahl von willkürlichen Verhaftungen" in China kritisiert. Im Hinblick auf den festgenommenen regierungskritischen Künstler Ai Weiwei erklärte EU-Botschafter Markus Ederer am Dienstag in Peking, "willkürliche Verhaftungen" müssten "unter allen Umständen" unterbleiben. Das chinesische Außenministerium und die Polizei verweigerten unterdessen weiter jede Auskunft zum Schicksal Ais.

Weitere Reaktionen

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte, Ais Festnahme zeige, dass "die Zeit für offenen Dissens in China zu Ende" sei. Die Festnahme sei Teil von "sich ausweitenden Razzien" gegen Vertreter abweichender Meinungen in der Volksrepublik. Wenn die chinesischen Behörden jetzt schon so "dreist" seien, am helllichten Tag einen weltbekannten Künstler festzunehmen, dann sei die Vorstellung erschreckend, was sie erst gegen weniger bekannte Dissidenten unternehmen würden.

Der internationale Schriftsteller- und Dichterverband P.E.N. appellierte an die Bundesregierung, "sich mit unmissverständlicher Deutlichkeit für die Wahrung der Menschenrechte in China einzusetzen". Die chinesische Regierung habe erneut bewiesen, "dass sie die Menschenrechte, insbesondere das Recht auf Freiheit der Meinung, nicht achtet und sich nicht scheut, diese Rechte in grober und grausamer Weise zu verletzen".

Der Präsident der Akademie der Künste in Berlin, Klaus Staeck, forderte die für die Festnahme Verantwortlichen auf, Ai "umgehend freizulassen", damit er weiter seiner wichtigen künstlerischen Arbeit nachgehen könne. (APA/red)

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