GNOME 3.0: Die neue Linux-Desktop-Generation ist da

6. April 2011, 22:07
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Source-Pakete stehen zum Download bereit - User Experience soll Desktop erobern

Neun Jahre nach der Freigabe von GNOME 2.0 hat das Projekt hinter dem Linux-Desktop nun den nächsten großen Versionssprung vollzogen: Mit GNOME 3.0 verpasst man der Open-Source-Software eine von Grund auf neu gestaltete User Experience.

Ansatz

Ziel der Entwicklung sei es gewesen, eine Umgebung zu schaffen, in der sich die NutzerInnen besser auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren könnten, statt sich mit Benachrichtigungen oder der Organisation des digitalen Alltags beschäftigen zu müssen, heißt es von Seiten des Projekts. Um dies zu erreichen hat man nicht zuletzt auch den eigenen Entwicklungsprozess verändert: Zuerst wurden die grundlegenden Prinzipien in Konzeptpapieren festgehalten, danach passende Designs entworfen und diese erst dann in Code umgewandelt.

Dies aber ohne von grundlegenden Prinzipien abzugehen: Alle Entscheidungen und Entwicklungen seien von Anfang an vollständig öffentlich vorgenommen worden. "Wir glauben nachhaltig an dieses Modell. Es ist nicht nur in der Theorie richtig, es ist ist auch langfristig der beste Weg herausragende Software in einer großen Community zu entwickeln", betont Jon McCann, der das Design von GNOME3 koordiniert hat. An der Entwicklung haben sich weltweit insgesamt mehr als 3.500 Personen mit - kleinen und größeren - Code-Beiträgen beteiligt, insgesamt 106 Firmen waren schlussendlich involviert.

Lob

Von den Neuerungen angetan, zeigt sich denn auch Miguel de Icaza, Gründer des GNOME-Projekts, der allerdings seit einigen Jahren ganz mit seiner Rolle als Projektleiter beim freien .Net Mono beschäftigt ist. Er streicht dabei auch heraus, dass gerade die Nutzung von Javascript als Entwicklungssprache eine sehr rasche Entwicklung der GNOME Shell ermöglicht habe. Für manche wohl etwas überraschendes Lob gibt es zudem von Ubuntu CTO Matt Zimmerman, immerhin hat man bei Ubuntu derzeit nicht vor die GNOME Shell zu übernehmen und beschreitet mit Unity eigene Wege. Zimmermann betont denn auch vor allem, wie wichtig es für ein Projekt sei, sich regelmäßig zu hinterfragen, um relevant zu bleiben.

GNOME 3.0 steht ab sofort in Form des Source Codes von der Seite des Projekts zum Download. Wer nur einmal kurz reinschnuppern will, kann dies dank diverser Live-Images, über die GNOME 3.0 ohne Installation von USB-Stick oder Live-CD betrieben werden kann. Zudem wird GNOME3 in den nächsten Monaten in zahlreiche Distributionen Einzug halten, allen voran bei der Red Hat-Basis Fedora und dem von Novell unterstützten openSUSE. Auch ein externes Repository für Ubuntu 11.04 soll in Arbeit sein.

Web

Parallel zur Freigabe von GNOME 3.0 hat man auch den Webauftritt des Projekts einer vollständigen Neugestaltung unterzogen, dazu gehören auch neue Dokumentation für UserInnen und AdministratorInnen, sowie eine für GNOME3 frisch gestaltetes Developer Center. Zudem wurde eine neue Ausgabe des GNOME Journal veröffentlicht, in der unter anderem etwas näher auf die Design-Philosophie hinter GNOME3 eingegangen wird.

Zukunft

Als nächsten Schritt wendet man sich nun der Entwicklung von GNOME 3.2 zu, das dem gewohnten sechsmonatigen Release-Zyklus gemäß bereits Ende September / Anfang Oktober erscheinen soll. Zunächst soll aber mal die Freigabe von GNOME 3.0 ausgiebig gefeiert werden, an die 150 Partys hat man hierzu bislang weltweit geplant.

Infos

Einen ausführlichen Artikel zu den hinter GNOME3 stehenden Konzepten und der aktuellen Umsetzung können Sie hier nachlesen. Zusätzlich gibt es auch noch eine Ansichtssache mit zahlreichen Detail-Screenshots. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 06.04.11)

  • GNOME 3.0 im Activities Overlay mit aktiver Suchfunktion.
    grafik: gnome

    GNOME 3.0 im Activities Overlay mit aktiver Suchfunktion.

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