Landwirtschaft verteidigt Biosprit

4. April 2011, 11:46
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Mineralölverband: Bei der E10-Einführung kommen auf die Autofahrer geschätzte Mehrkosten von etwa 60 Millionen Euro zu

Wien - Die Landwirtschaft forciert eine höhere Beimischung von pflanzlichen Rohstoffen zum Treibstoff, doch die Mineralölindustrie warnt vor überzogener Eile. Eine möglichst späte Einführung von E10 - also Benzin mit 10 Prozent Ethanolbeigabe - sei sowohl aus wirtschaftlichen Überlegungen als auch aus Konsumentensicht wünschenswert, so Christoph Capek, Geschäftsführer des Fachverbands der Mineralölindustrie.

"Der Einführungszeitpunkt von E10 sollte nicht schon am 1. Oktober 2012 sein, sondern sollte frühestens mit 1. Oktober 2014 festgelegt werden", betonte Capek. Das wäre leicht zu handhaben, da die neue Kraftstoffverordnung ohnehin nicht kundgemacht wurde. Dies würde auch mit den entsprechenden EU-Verordnungen überein stimmen. Capek gibt zu bedenken, dass die Beimischung von pflanzlichen Rohstoffen immer mit höheren Kosten verbunden ist. "Bei der E10-Einführung kommen auf die österreichischen Autofahrer geschätzte Mehrkosten von etwa 60 Millionen Euro zu", warnt Capek. Diese könnten allerdings durch eine steuerliche Bevorzugung, wie schon bisher, abgefangen werden.

Am Wochenende hatte die deutsche Lebensmittelbranche Alarm geschlagen: E10 lässt die Nahrungsmittelpreise steigen. "E10 verschärft den Preisdruck dramatisch, weil viel Futtermittel in die Biogas- und Bioethanolgewinnung verschwindet", sagte der Geschäftsführer des größten deutschen Fleischwarenherstellers Tönnies Fleischwerk, Clemens Tönnies, der "Bild"-Zeitung. Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter rechnete vor: "142 Mio. Tonnen Getreide wurden weltweit im letzten Jahr für Biosprit verbraucht - genug, um 420 Mio. Menschen ein Jahr lang zu ernähren. Mit jeder 50-Liter-Tankfüllung des Biokraftstoffs E10 liefen 15 Kilogramm Getreide in den Tank. Die gleiche Menge Getreide reiche zur Herstellung von rund 18 Kilogramm Brot."

Das lässt die Landwirtschaftskammer nicht gelten. Deren Präsident Gerhard Wlodkowski sieht keinen Zusammenhang zwischen dem Treibstoff vom Acker und steigender Nahrungsmittelpreise. Es gebe in Österreich keine Konkurrenz zwischen "Tank und Teller", weil es "genügend Anbauflächen" gebe. 

Kritik von den Grünen

Die Grünen kritisieren unterdessen Landwirtschaftskammer-Präsident Wlodkowski. "Der neue E10-Kraftstoff 'Biodiesel' dient nicht dem Klimaschutz, sondern bewirkt das Gegenteil: Wenn wir in Europa Ethanol in den Kraftstoff mischen, wird das Klima geschädigt, werden Regenwälder vernichtet und hungern Menschen", so der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Wolfgang Pirklhuber. Das Österreich genug eigene Anbauflächen für den Treibstoff vom Acker hat, wie Wlodkowski behauptet, dementiert der Grüne. Er rechnet vor: "Jährlich werden mehr als 550.000 Tonnen Soja nach Österreich importiert. Zusammen mit anderen Futter-Importen macht das etwa eine Fläche von 200.000 Hektar aus." (APA)

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    Am Wochenende hatte die deutsche Lebensmittelbranche Alarm geschlagen: E10 lässt die Nahrungsmittelpreise steigen.

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