Melzer erstmals einstellig

4. April 2011, 11:36
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Haider-Maurer als 96. erstmals Top 100 - Djokovic lässt die Konkurrenz resignieren und liegt schon mehr als 1.000 Punkte vor Federer - Antonitsch neuer Turnierdirektor in Kitzbühel

Wien - Jürgen Melzer ist wie angekündigt erstmals auch im ATP-Einzel-Ranking einstellig. Der 29-jährige Niederösterreicher profitierte vom frühen Ausscheiden von Miami-Titelverteidiger Andy Roddick (USA) und ist nun - 60 Punkte vor dem Franzosen Gael Monfils - Neunter. Auch im Doppel ist Melzer, der mit Philipp Petzschner in Miami das Halbfinale erreicht hatte, als Achter bzw. sogar Vierter im Team-Ranking Top Ten.

Der bisherige Saison-Dominator Novak Djokovic hat nach seinem vierten Saison-Triumph seinen Vorsprung auf den drittplatzierten Roger Federer auf bereits 1.150 Punkte ausgebaut. Auf Leader und Miami-Finalist Rafael Nadal fehlen dem Serben aber immer noch 3.170 Zähler. Nadal hat allerdings in der anstehenden Sandplatz-Saison viel zu verteidigen.

Aus österreichischer Sicht ebenfalls erfreulich: Andreas Haider-Maurer hat sein Ziel endlich erreicht und scheint als 96. erstmals in den Top 100 auf. Der Niederösterreicher, der sich dank guter Challenger-Leistungen in Italien um 20 Plätze verbesserte, hat damit auch Hauptbewerbsplätze bei den French Open und in Wimbledon sicher.

Bei den Damen schob sich Miami-Siegerin Wictoria Asarenka von der achten auf die sechste Stelle. Die Finalistin Maria Scharapowa ist jetzt Neunte. Österreichs aktuell einzige Top-100-Spielerin, Tamira Paszek, verlor vier Ränge und ist nun 93. 

"Was Djokovic macht, ist unglaublich"

Mit einer allmählich ratlos werdenden Konkurrenz sieht sich Dauersieger Novak Djokovic konfrontiert. Durch einen 4:6,6:3,7:6(4)- Finalerfolg beim ATP-1000-Masters in Miami gewann der 23-Jährige bereits sein viertes Tennis-Turnier dieses Jahres. Selbst Weltranglisten-Leader Rafael Nadal, der nach eigenen Angaben seine "wahrscheinlich beste Hartplatz-Saison in den USA" gespielt hat, ist gegen den Serben derzeit (fast) machtlos. "Was er macht, ist unglaublich", betonte der Spanier fast schon resignierend.

Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen hatte er alles gegeben, doch wie schon im kalifornischen Indian Wells erneut in drei Sätzen gegen den Belgrader verloren. Dauersieger, Dominator, Djokovic - innerhalb von 64 Tagen hat der Weltranglisten-Zweite die Australian Open, in Dubai und die beiden Masters-1000-Events in Indian Wells und Miami gewonnen. Dabei entschied der Serbe alle drei Matches gegen Roger Federer und beide Duelle mit Nadal für sich.

Seine aktuelle Siegesserie von 24 Erfolgen bedeutet den drittbesten Saisonstart der Tennis-Geschichte. Kein Wunder, dass Djokovic, der im Dezember mit Serbien auch erstmals den Davis Cup gewann, von "den besten vier Monaten meines Lebens" spricht.

Trotz seiner Triumphe wiegelt er alle Fragen zur Nummer 1 konsequent ab - noch. "Es ist ein bisschen zu früh, um über den Sprung auf den Thron zu reden. Rafa ist auf jeden Fall derzeit der beste Spieler der Welt. Wenn ich die Nummer eins werden will, muss ich das ganze Jahr über konstant gut spielen", meinte Djokovic. Nadal sieht aber in seinem ärgsten Widersacher bereits seinen Nachfolger: "Ich glaube, er wird die Nummer eins werden. Ich fühle seinen Atem noch nicht im Nacken, aber er hat ein Grand-Slam- und zwei Masters-Turniere gewonnen. Normalerweise steht so einer in den nächsten Monaten ganz oben."

Fachpresse und Fans fühlten sich im Finale vor der Rekordkulisse von 14.625 Zuschauern an das Endspiel von 1995 erinnert. Auch damals standen einander mit Pete Sampras und Andre Agassi die Nummern eins und zwei der Welt gegenüber, auch damals musste der Tiebreak im dritten Satz entscheiden. Und wie vor 16 Jahren, als Agassi gewann, setzte sich der Weltranglisten-Zweite durch. "Ein unglaublich enges Match. Gegen die Nummer eins im Tiebreak des dritten Satzes zu gewinnen, ist einfach wunderbar", jubelte Djokovic.

Nadal war auch 90 Minuten nach der Partie noch "fix und fertig." Fast dreieinhalb Stunden lang hatten sich beide bei 25 Grad Celsius in der prallen Sonne großartige Ballwechsel geliefert und nichts geschenkt. Als Djokovic im Tiebreak der Punkt zum 6:2 gelang, ballte er erstmals siegessicher die rechte Faust, eine knallharte und für Nadal unerreichbare Vorhand beendete schließlich den Giganten-Gipfel.

Djokovic ist seit Roger Federer (2006) der Erste, der nacheinander in Indian Wells und Miami triumphierte. Nun will er versuchen, seine Siegesserie auf den europäischen Sandplätzen auszubauen. Bei einem weiteren gewonnenen Match würde Djokovic mit Ivan Lendl gleichziehen, der 1986 mit 25 Siegen in die Saison gestartet war.

Turnierdirektor Antonitsch

Interessante Neuigkeiten gibt es aus dem heimischen Skimekka Kitzbühel zu vermelden. Alexander Antonitsch ist neuer Turnierdirektor des "bet-at-home.com-Cups" in Kitzbühel, der heuer zwischen 31. Juli und 6. August gespielt wird. Dies gaben die Veranstalter des nach Tirol zurückkehrenden ATP-Traditionsturniers, das mit 450.000 Euro dotiert sein wird, am Montag bekannt. Der neue Turnierchef versprach: "Die Zuschauer dürfen sich auf starke Spieler und attraktives Tennis freuen."

"Alex hat die Tour als Spieler selbst jahrelang bestritten und blieb bis heute dem Sport immer treu. Seine Kontakte in der Tenniswelt, sein sportliches Know-how und nicht zuletzt seine positive Ausstrahlung helfen uns sehr", sagte Herbert Günther, der Präsident des Kitzbüheler Tennisclubs, in einer Aussendung.

Auch der 45-jährige Kärntner, der als Herausgeber des Tennis-Webportals tennisnet.com und als ORF-Co-Kommentator (in Kitzbühel wird er nicht kommentieren) dem Sport sehr verbunden ist, freute sich über seine neue Aufgabe. "Ehrlich gesagt, hätte ich damals nicht geglaubt, dass es mit der ATP-Lizenz tatsächlich klappen würde. Doch ich habe dem Kitzbüheler Tennisclub meine Unterstützung angeboten, sollte es mit der World Tour ernst werden. Jetzt werden wir gemeinsam alles daran setzen, eines der traditionsreichsten Turniere Österreichs wieder ganz nach oben zu bringen", gab Antonitsch als Parole aus. (APA/red)

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