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"Bereits jetzt 69 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen"

6. April 2011, 17:03

Die Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, Barbara Schmidt, beantwortete im Chat die Fragen der User/innen

 



ModeratorIn


Einen schönen guten Vormittag an unsere User und Userinnen. Barbara Schmidt, die Generalsekretärin von Oesterreichs Energie stellt sich heute den Fragen rund um die Entwicklung der heimischen Stromwirtschaft. Wir freuen uns auf eine rege Diskussion.



Barbara Schmidt

Liebe Userinnen und User, ich freue mich auf eine spannende Diskussion zum politischen Thema Nummer 1, der Zukunft der Energieversorgung.



UserInnenfrage
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Frage:


Welche erneuerbaren Energien sollte Österreich forcieren bzw. mit welcher lässt sich am meisten Energie gewinnen und wie lange könnte so ein vollkommener Umstieg weg von Öl, Kohle & Atomkraft dauern?

Antwort Barbara Schmidt:

Österreich ist in der glücklichen Lage bereits jetzt 69% seines Stroms aus erneuerbaren Quellen erzeugen zu können. Dieser Anteil kann weiter mit Wasserkraft, Windkraft, Photovoltaik ausgebaut werden. Da der Anteil von Strom am Gesamtenergieverbrauch nur 20% ausmacht, ist es wesentlich Energie effizient einzusetzen und vor allem im Bereich des Verkehrs und der Raumwärme fossile Brennstoffe zu sparen und mit erneuerbarem Strom zu ersetzen. Die EU möchte bis 2050 80% erneuerbare Energien im Endverbrauch erreichen. Wenn wir in Österreich unsere Chancen nutzen, können wir dieses Ziel auch erreichen. Dazu braucht es aber einen nationalen Schulterschluss für die Errichtung von Kraftwerken und die notwendigen Transportleitungen.



UserInnenfrage
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Frage:


Sg Frau Schmidt, habe folgende Fragen: welchen Anteil kann PV für die Stromerzeugung max ausmachen? wieviel Prozent wird 2020 die Elektromobilität voraussichtlich Strom benötigen, gibt es da Berechnungen? was tut österreich Energie um den Stromverbrauch(szuwachs) zu verringern?

Antwort Barbara Schmidt:

Der Anteil an Photovoltaik an der Stromerzeugung hängt davon ab, wieviele Anlagen man über die Förderungen finanzieren will und wieviel sich der Stromkonsument leisten kann. Derzeit ist Photovoltaik nicht die wirtschaftlichste Art Strom aus erneuerbaren Energien zu produzieren. Hier muss vorallem viel in die Forschung investiert werden, damit die Anlagen effizienter werden. Sollten Sie an einer Photovoltaikanlage interessiert sein, gibt es zahlreiche Fördermöglichkeiten vom Klima- und Energiefonds und den einzelnen Bundesländern. Zur Elektromobilität: unter optimalen Rahmenbedingungen ist es möglich bis 2020 250.000 Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen. Diese Anzahl ändert am Stromverbrauch kaum etwas. Eine Totalumstellung aller 6 Mio. Fahrzeuge würde rund 5 Mrd. kWh erfordern. Das entspricht fünfmal der Stromproduktion des Kraftwerks Wien Freudenau. Wir wollen aber nicht nur Benzinautos durch Elektrofahrzeuge ersetzen, sondern brauchen insgesamt eine Umstellung des Mobilitätsverhaltens. Ein Zusatznutzen der Elektromobilität wird mittelfristig aber auch die Speichermöglichkeit von Strom in den Autobatterien sein. Strom ist derzeit nur in Pumpspeicherkraftwerken speicherbar, die Elektromobilität bietet hier eine weitere Chance. Oesterreichs Energie und seine Mitgliedsunternehmen sind im Bereich der Energieberatung seit Jahrzehnten tätig.



olga241


Frage:


Ist Ökostrom wirklich Öko? Welcher Anbieter ist "sauber"?

Antwort Barbara Schmidt:

Jeder Stromlieferant ist verpflichtet auf der Stromrechnung den Energiemix, das heißt aus welchen Quellen der Strom erzeugt wurde, auszuweisen. Wenn Sie einen Lieferanten gewählt haben, der Ihnen Ökostrom garantiert, dann heißt dass das dieser Lieferant so viel Ökostrom besitzt, wie er liefert und Sie den Anteil erneuerbarer Energien im Netz unterstützen. Physikalisch bekommen Sie sowieso immer den gleichen Strom aus dem nächstgelegenen Kraftwerk.



UserInnenfrage
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Frage:


Sehr geehrte Frau Schmidt, laut einem Statement von Ihnen soll der Stromanteil am Gesamtenergieverbrauch - nicht zuletzt durch den Anstieg der E-Mobilität - von heute 20 Prozent auf 50 Prozent hinaufschnellen. Woher soll denn dieser Strom kommen, der den erhöhten Bedarf abdecken kann?

Antwort Barbara Schmidt:

Der Stromanteil am Gesamtenergieverbrauch wird aus zwei Gründen steigen. Erstens, weil Energie im Bereich der Mobilität und der Raumwärme eingespart werden muss - und auch ohne der Einschränkung der Lebensqualität eingespart werden kann. So reduziert sich automatisch der Gesamtenergieverbrauch und der Anteil von Strom steigt. Man hofft dass man bis 2050 den Gesamtenergieverbrauch auf 50% reduzieren kann. Damit steigt der Stromanteil bei gleichbleibender Menge von 20% auf 40%. Die restlichen 10% erreichen wir durch den Ausbau der Erneuerbaren.



malso malso


Frage:


Liebe Frau Schmidt, aktuell ist Atomkraft natürlich ein großes Thema: Österreich präsentiert sich gerne als atomfreies Land - kauft aber Atomstrom aus dem Ausland zu; wie passt das zusammen? Gibt es da keine Ausweichmöglichkeiten?

Antwort Barbara Schmidt:

Kein Unternehmen der E-Wirtschaft und schon gar nicht Österreich geht Atomkraft shoppen. Allerdings haben wir seit zehn Jahren den europäischen Strommarkt, wo Strom auch an der Börse zugekauft werden kann. Dieser über die Börse gehandelte Strom kommt aus verschiedensten Quellen. Für diesen Strom unbekannter Herkunft hat die sogenannte ENTSO (vormals UCTE) einen Kennzeichnungsmix festgelegt, der der Erzeugungsstruktur in ganz Europa entspricht. Dieser Mix weist 28,8% Atomstrom aus. Durch diesen Handel an der Börse kann man von 5-6% Atomstromanteil in Österreich sprechen. Würden alle VerbraucherInnen (Haushalte wie Industrie) in Österreich ausschließlich auf Ökostrom bestehen, könnte man diesen Anteil auf Null reduzieren, allerdings hätte das auch seinen Preis.



UserInnenfrage
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Frage:


Wie effizient ist eigentlich Windenergie? Wissen Sie, wie viele dieser „Windmühlen" hier noch geplant sind?

Antwort Barbara Schmidt:

Strom aus Windkraft ist nach der Wasserkraft die effizienteste erneuerbare Stromerzeugung. Derzeit sind 1000 MW Leistung installiert, weitere 1000 sind in Planung, wobei hier auch ältere Turbinen durch leistungsfähigere ersetzt werden. Potentiale haben wir noch wesentlich mehr. Der Wermutstropfen bei Wind ist, dass dieser selbst im Burgenland nicht immer bläst und man daher sogenannte "Schattenkraftwerke" braucht, die vorallem Gaskraftwerke und Pumpspeicherkraftwerke sind. Für mehr Windkraftwerke braucht man natürlich auch mehr Leitungen, die den Strom zu den VerbraucherInnen transportieren.



UserInnenfrage
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Frage:


Inwieweit kann Österreich als doch recht kleines EU-Land etwas gegen Atomkraftwerke an den Grenzen unternehmen? Atom kennt ja bekanntlich leider keine Landesgrenzen ...

Antwort Barbara Schmidt:

Ich freu mich über diese Frage, denn in den letzten Wochen haben viele in Österreich geglaubt, die Nachbarländer würden auf unseren Rat warten. Was Österreich aber wirklich tun kann, ist, die eigenen Hausaufgaben zu erledigen und unsere glückliche Lage, nämlich viele Berge, viel Wasser und Wind, zu nützen um so ein gutes Beispiel abzugeben und unsere Vorgaben und Ziele im Bereich der erneuerbaren Energien und des Klimaschutzes zu erreichen.



WoJeur


Frage:


Sehr geehrte Frau Schmidt wenn ich das zuvor gelesene richtig verstanden habe ist der Umstieg auf "Ökostrom total" zum größeren Teil eine Frage von finanzieller Unterstützung durch den Staat, da die Kosten Ausmaße annehmen würden die durch den Konsum durch uns Bürger bei den derzeitigen Strompreisen nicht gedeckt werden können.

Antwort Barbara Schmidt:

Der Ausbau der Wasserkraft kostet niemanden was. Unterstützung durch den Staat klingt gut, wird es aber nicht spielen. Am Ende des Tages zahlt immer der Konsument. Bereits jetzt unterstützt jeder Haushalt die Förderung des Ökostroms mit 40 Euro pro Jahr. Durch das neue Ökostromgesetz, das derzeit diskutiert wird, wird sich dieser Betrag um rund 20 Euro im Jahr erhöhen. Manche sagen das ist nicht viel und das muss jedem der Umstieg auf Erneuerbare wert sein. Wenn man aber bedenkt, dass sich viele Haushalte bereits jetzt schwer tun ihre Stromrechnung zu bezahlen, obwohl der Durchschnittshaushalt für Strom pro Tag nicht mehr ausgibt als ein Espresso kostet, muss man sehr sorgsam mit der Belastung der Haushalte umgehen. Der Umstieg auf Erneuerbare muss auch sozial verträglich sein.



UserInnenfrage
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Frage:


Gibt es in der E-Wirtschaft eine Stelle die sich mit dem Potenzial neuer Technologien beschäftigt?
In Italien wird z.B. das Kitegen entwickelt welches enorme Vorteile gegenüber konventionellen Windkraftwerken hat. Ist ihnen dieses Projekt bekannt?

Antwort Barbara Schmidt:

Dieses Projekt ist mir leider nicht bekannt. Die Österreichische E-Wirtschaft setzt zahlreiche Aktivitäten in der Energieforschung und trägt etwa ein Drittel der Forschungsausgaben im heimischen Energiesektor.



Andrea Gaggl


Frage:


Liebe Frau Schmidt! Wieso bauen wir nicht mehr Solarkraftwerke? Sind die nicht effizient genug...Sonne hätten wir ja eigentlich genug...und vor allem gratis!

Antwort Barbara Schmidt:

Eine kWh Solarstrom kostet derzeit etwa 57 Cent. Der Marktpreis liegt bei 6 Cent. Daher wird nur das gebaut, was gefördert wird. Der Weg muss sicher sein, den Solarstrom billiger werden zu lassen durch effizientere Anlagen und nicht laufend die Förderungen zu erhöhen.



olga241


Frage:


Soll es einen eigenen Stromminister geben?

Antwort Barbara Schmidt:

Es liegt in der Natur der Sache, dass sich eine Interessensvertretung immer mehr wünscht. Dennoch denke ich, dass die Energiepolitik bei Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner in guten Händen ist.



Hannes Wurscht


Frage:


Grundsatzfrage - Halten Sie die Errichtung von tausenden Kilometern Stromleitungen von der Nordsee bis Süditalien für sinnvoll, oder sollte man nicht eher versuchen, viele kleine energieautarke Zellen zu schaffen, die voneinander eher unabhängig sind?

Antwort Barbara Schmidt:

In den Regionen Europas soll die jeweils beste und günstigste Form von erneuerbarer Energie erzeugt werden. Das ist die Windkraft im Norden, die Sonnenenergie im Süden und die Wasserkraft in den Alpen. Die große Chance liegt in der Arbeitsteilung und der Vernetzung. Autarkie, ein derzeit stark strapazierter und häufig falsch verwendeter Ausdruck, würde bedeuten, dass jeder Ort seine Energie und da sprechen wir von der Stromproduktion, vom Treibstoff und der Wärme, selbst erzeugen müsste. Das ist nicht nur unmöglich, sondern auch wirtschaftlich nicht darstellbar. Was wir aber anstreben sollten, ist die Jahresstromverbrauchsmenge im eigenen Land selbst zu erzeugen. Das heißt, Exporte und Importe sollen sich die Waage halten. Dazu müssen wir die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Österreich ausbauen und die derzeitige Lücke von bis zu 10% des Stromverbrauchs schließen.



zeupiter


Frage:


Eine kurze Frage zum "täglichen Leben": ein Installateur hat mir kürzlich gesagt, dass in Wien demnächst neue (schon vor längerem von der Stadt Wien beschlossenen) Abgas-Grenzwerte schlagend werden und die Rauchfangkehrer ~80% der Prüfplaketten in Wien dadurch nicht erneuern dürften. Das würde eine politische Bombe bergen. Jedoch kann sich niemand den Kauf und die Installation so vieler den Werten entsprechender Gasthermen leisten. Nach einer ersten Preisauskunft möchte ich anregen, langsam damit beginnen, gute Gasthermen (für Verbraucher) wirtschaftlich zu machen. Denn so legitim die Photovoltaik noch teuer ist, umso weniger Ausreden gibt es bei Gasthermen. Welche Maßnahmen sind geplant, um bestehende Technologien noch besser auszureizen und für den Umstieg auf effiziente Modelle Anreize zu schaffen?

Antwort Barbara Schmidt:

Als Interressenvertreterin der Österreichischen Stromunternehmen bitte ich um Verständnis, dass ich Ihre Frage nach Gastthermen nicht beantworten kann, bitte wenden Sie sich an Ihren Gasnetzbetreiber bzw. Installateur. Ihrer Frage entnehme ich, dass Sie in Wien leben. Gerade in Wien wird das frühere Abfallprodukt der Stromerzeugung, nämlich Wärme, sehr effizient für Heizung und Warmwasser eingesetzt. Somit stellt sich für sehr viele Haushalte diese Frage nach der Sicherheit von Gasthermen garnicht mehr. Die Fernwärme stellt auch einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele dar.



my2cents1


Frage:


Wen vertritt "ÖE"?

Antwort Barbara Schmidt:

Oesterreichs Energie ist die Interessenvertretung der österreichischen E-Wirtschaft. Die rund 140 Mitglieder erzeugen über 90% des Stroms in Österreich und betreiben die Übertragungs- und Verteilnetze.



olga241


Frage:


Finden Sie die Strompolitik hierzulande gut?

Antwort Barbara Schmidt:

Wenn ich mir was wünschen dürfte, wäre es dass die Konzepte und die in Interviews und Pressekonferenzen gegebenen Absichtserklärungen auch umgesetzt werden.
Wie zum Beispiel die Energiestrategie Österreich. Wir brauchen einen nationalen Schulterschluss für die Umsetzung und eine Infrastrukturoffensive, um die Herausforderungen zu meistern.



ModeratorIn


Wir bedanken uns bei Frau Barbara Schmidt und den Userinnen und Usern. Auf Wiedersehen.



Barbara Schmidt


Vielen Dank für das rege Interesse, das zeigt uns dass die Energiefragen uns alle beschäftigen.


Share if you care.