Westerwelle gibt den FDP-Vorsitz nun doch ab

4. April 2011, 10:58
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Der Druck aus den eigenen Reihen war zu groß geworden: FDP-Chef Guido Westerwelle erklärte am Sonntag, er kandidiere im Mai beim Parteitag nicht mehr für den Vorsitz - Außenminister will er bleiben

Um 5.50 Uhr landete am Sonntag jene Maschine, die FDP-Chef Guido Westerwelle nach seinem Besuch in China und Japan wieder nach Deutschland brachte. Doch wer sich dadurch eine sofortige Klärung der Führungsfrage erhofft hatte, wurde enttäuscht. Westerwelle schwieg, ließ sich stattdessen in seine Wohnung fahren und telefonierte mit Parteifreunden.

Doch am Abend war es dann so weit. Um 18 Uhr gab Westerwelle in der FDP-Zentrale eine Erklärung ab. "Ich habe eine Entscheidung getroffen, die ich gründlich überlegt habe. Ich werde mich am Parteitag im Mai nicht erneut bewerben", sagte er sichtlich aufgewühlt. Die Entscheidung falle ihm nach zehn Jahren an der FDP-Spitze einerseits "sehr schwer", andererseits auch "leicht", weil "junge Persönlichkeiten bereits stehen", um die FDP zu führen. Nach wenigen Minuten verschwand Westerwelle schon wieder, Fragen waren nicht zugelassen.

Während seiner Abwesenheit war der Druck auf ihn stündlich gestiegen. Die "Youngstars", die als Nachwuchsstrategen der Partei gelten, machten deutlich, dass sie die Zukunft der FDP bereits ohne Westerwelle an der Spitze sehen. Generalsekretär Christian Lindner (32), der selbst als Nachfolger des 49-jährigen Westerwelle im Gespräch ist, sagte auf dem FDP-Bezirksparteitag in Köln, es sei "essenziell erforderlich, mit neuen Gesichtern für Glaubwürdigkeit, Kompetenz, Respekt und Sympathie zu werben".

Die schärfste Kritik kam von Gesundheitsminister Philipp Rösler (38): "Es kommt darauf an, die verlorene Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Wir müssen uns wieder mehr um die Lebenswirklichkeit der Menschen kümmern." Rösler, der aus Vietnam stammt und als Adoptivkind nach Deutschland kam, gilt nun als Favorit für die Nachfolge.

Er führt den einflussreichen niedersächsischen FDP-Verband an und war in Niedersachsen auch schon Wirtschaftsminister, bevor er 2009 Bundesgesundheitsminister wurde. In der Partei heißt es, der lange favorisierte Generalsekretär Lindner wolle doch nicht an die Spitze, weil er Sorge habe, als 32-Jähriger nicht mit Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer auf Augenhöhe agieren zu können. Er will als General die programmatische Erweiterung der FDP vorantreiben.

Westerwelle will auf jeden Fall Außenminister bleiben. Unklar ist, ob er auch weiterhin Vizekanzler der schwarz-gelben Koalition sein wird - oder ob dieses Amt nicht der neue FDP-Chef bekommt. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, Printausgabe, 4.4.2011)

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    Großer Vorsitzender und nicht ganz so großer FDP-Chef: Guido Westerwelle steht in Peking vor einem Bild von Ex-Staats- und Parteichef Mao Tse-tung.

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