Erneut Proteste gegen Koran-Verbrennung

4. April 2011, 11:46
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Hunderte Teilnehmer bei Demonstrationen - Polizei: Keine Verletzten - Petraeus: "Verständliche Emotionen"

Washington/Jalalabad/Kabul - Die Verbrennung eines Korans in den USA hat in Afghanistan am vierten Tag in Folge zu Protesten geführt. Die Demonstrationen hätten im Bezirk Alingar begonnen und dann die Stadt Mehterlam, die Hauptstadt der nordafghanischen Provinz Laghman, erreicht, sagte der Vizepräsident des Provinzrates, Gulzar Sangarwar, am Montag der Nachrichtenagentur AFP.

Augenzeugen berichteten, an dem Protestzug hätten sich mehr als tausend Menschen beteiligt. Sie riefen demnach "Tod Amerika, lang lebe der Islam". Der Polizeichef von Laghman, Mohammad Aziz Gharanai, sprach hingegen von nur 300 Demonstranten. Sie hätten die Polizei mit Steinen beworfen, die Beamten hätten aber dennoch nicht geschossen. Verletzt worden sei niemand.

Steinwürfe auf die Polizei

Ein Augenzeuge berichtete hingegen am Telefon, er habe einen durch Steinwürfe verletzten Demonstranten gesehen. "Die Leute werfen Steine auf die Polizei, und die Polizisten werfen sie zurück", sagte er. Während des Telefonats waren im Hintergrund Schüsse zu hören. In Mazar-i-Sharif, Kabul, Jalalabad, Herat und Kandahar blieb es nach gewalttätigen Demonstrationen in den vergangenen Tagen am Montag ruhig.

Bei den Protesten in verschiedenen Landesteilen war es zuletzt zu schweren Ausschreitungen gekommen. Mehr als 20 Menschen starben, fast 150 wurden verletzt. Unter den Toten sind sieben ausländische Mitarbeiter der Vereinten Nationen, die zu Beginn der Proteste am Freitag im nordafghanischen Mazar-i-Sharif von einem Mob ermordet wurden.

Auslöser der Proteste war eine Aktion des radikalen Predigers Terry Jones in Florida. Der umstrittene Prediger hatte nach Angaben der "New York Times" schon am 20. März einen Koran in seiner Gemeinde verbrannt. Dies war jedoch zunächst weitgehend unbemerkt geblieben, da US-Medien sehr zurückhaltend darüber berichtet hatten.

US-General Petraeus warnt vor neuen Gefahren

Die Verbrennung eines Korans in den USA hat nach Ansicht des Befehlshabers der internationalen Truppen in Afghanistan, US-General David Petraeus, neue Gefahren am Hindukusch geschaffen. Angesichts der anhaltenden Proteste in Afghanistan gegen die Schändung der Heiligen Schrift des Islam sagte Petraeus dem "Wall Street Journal": "Es ist ein zusätzliches Sicherheitsrisiko entstanden - und das in einem Land, das bereits vielen Risiken ausgesetzt ist."

"Der schlimmste Alptraum für jeden Chef von Sicherheitskräften ist es, mit einer außer Kontrolle geratenen Masse von Menschen konfrontiert zu sein", sagte Petraeus in dem am Sonntagabend auf der Internetseite der Zeitung veröffentlichten Interview. Dies gelte vor allem, wenn einzelne Gewalt säen wollten und "die Emotionen als Geisel nehmen". Dabei handle es sich bei den Protesten in Afghanistan vielleicht sogar um "verständliche Emotionen", fügte der US-General hinzu.

Bei gewalttätigen Protesten in Afghanistan gegen die Koran-Verbrennung in den USA vor zwei Wochen sind seit Freitag mindestens 22 Menschen getötet worden. Unter anderem starben im nordafghanischen Masar-i-Scharif sieben UNO-Mitarbeiter. (APA)

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    Protest in Jalalabad gegen die Verbrennung des Korans von einem radikalen Prediger in Florida.

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