Polizei schießt auf Demonstranten: 17 Tote

4. April 2011, 19:22
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Hunderte Verletzte - USA entziehen Präsident Saleh die Unterstützung - Saleh: Sind "so standfest wie die Berge"

Sanaa - Im Jemen sind Sicherheitskräfte erneut mit scharfer Munition gegen Demonstranten vorgegangen. Augenzeugen und Ärzte berichteten am Montag von mindestens 17 Toten und Hunderten Verletzten in den Städten Tais und Hudaida. Polizisten und bewaffnete Männer in Zivilkleidung hätten das Feuer auf Menschenmengen eröffnet, hieß es. Während sich Abgeordnete entsetzt über die Gewalt äußerten, demonstrierte Präsident Ali Abdullah Saleh weiter Entschlossenheit. International schien jedoch der Rückhalt des Staatsoberhaupts zu schwinden: Einem Medienbericht zufolge haben die USA ihm die Unterstützung entzogen.

In Tais südlich der Hauptstadt Sanaa eröffneten die Sicherheitskreise den Angaben zufolge das Feuer auf Demonstranten, die ein Gebäude der Provinzregierung stürmen wollten. "Das Regime hat uns mit dem Ausmaß des Tötens überrascht", sagte der Abgeordnete Mohammed Mukbil al-Hamiri dem Sender Al-Dschasira. "Meiner Meinung nach wird das Volk nichts anderes tun als mit entblößter Brust herauszukommen, um die Munition der Regierung aufzubrauchen." Ärzte in Hudaida am Roten Meer sprachen von etwa 250 Verletzten. Die Demonstranten seien auf einen Palast des Präsidenten zumarschiert, als sie mit scharfer Munition beschossen worden seien. Auch Tränengas sei eingesetzt worden.

"Standfest wie die Berge"

Seit Wochen fordern Demonstranten den Rücktritt des seit 32 Jahren regierenden Präsidenten. Bislang kamen dabei mehr als 80 Menschen ums Leben. Saleh hat zwar angekündigt, bei der Präsidentenwahl 2013 nicht mehr antreten zu wollen, lehnt jedoch einen sofortigen Rücktritt ab. "Wir werden so standfest wie die Berge sein", rief er am Montag Hunderten von Stammesangehörigen zu, die sich in Sprechchören zu ihm bekannten.

Saleh galt bislang als US-Verbündeter im Kampf gegen die radikal-islamische Al-Kaida. Die "New York Times" berichtete jedoch unter Berufung auf einen jemenitischen Regierungsvertreter, vor mehr als einer Woche hätten Verhandlungen zwischen der Regierung in Washington und Saleh über dessen Rückzug begonnen. Die USA hätten "lautlos ihre Haltung geändert". Aus Oppositionskreisen ist verlautet, Saleh wolle sicherstellen, dass weder er noch seine Familie sich Korruptionsvorwürfen stellten müssten.

Ein Diplomat in Sanaa sagte am Montag, hinter den Kulissen werde weiter über eine Machtübergabe verhandelt. Alle andere Optionen blieben noch in der Schublade. Zu einer offenen Forderung der USA nach einem Rücktritt von Saleh befragt sagte er: "Ich bin mir nicht sicher, ob er sofort nachgeben würde." (Reuters)

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    Protest in Sanaa.

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    Demonstranten in Taiz werden nach dem Tränengaseinsatz der Polizei versorgt.

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    Ein verletzter Demonstrant - ebenfalls in im Süden des Landes gelegenen Taiz.

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