Gespenst der Rezession geht wieder um

15. Mai 2003, 20:02
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Aus Flaute wird Krise: Die BA-CA eröffnet den Reigen der Prognose-Korrekturen - Österreich steht am Rande einer Rezession

Wien - Die konjunkturellen Hiobsbotschaften reißen auch nach dem Kriegsende im Irak nicht ab: Für Österreich senkt die Bank Austria Creditanstalt die Wachstumserwartung für heuer von zuvor 1,2 auf 0,8 Prozent; die deutsche Wirtschaft schrumpfte im ersten Quartal 2003; die Niederlande sind bereits in der Rezession.

"Keine Zeichen für Belebung"

"Besorgnis erregend ist, dass seit zwei Jahren keine Zeichen für eine Belebung kommen", sagt der Ökonom Bernhard Felderer (IHS). Österreich ginge es besser als Deutschland, befinde sich aber "bestenfalls in der Stagnation", ergänzt sein Kollege Christian Helmenstein.

Für das erste Quartal 2003 erwartet das IHS in Österreich ein Wachstum "knapp über der Nulllinie". Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) geht von 0,0 bis minus 0,1 Prozent "Wachstum" aus.

Per Definition: Rezession

Wird dies durch die amtliche Statistik im Juni bestätigt, wäre Österreichs Wirtschaft in zwei aufeinander folgenden Quartalen geschrumpft, was per Definition eine Rezession bedeutet. Nach diesem Sprachgebrauch durchlief Österreich seit 1954 fünf Rezessionen: 1974, 1980, 1986, 1992/93 und 2001.

"Kluge Lohnpolitik"

Den Wachstumsvorsprung gegenüber Deutschland begründet Felderer mit zwei Faktoren: "Seit Mitte der 90er- Jahre blieben hierzulande die Lohnzuwächse unter den Produktivitätssteigerungen. Das war eine kluge Sozialpartnerpolitik." Außerdem habe sich Österreich in den Industriezentren rund um die Voest in Oberösterreich und rund um Magna in der Steiermark zum wichtigsten Zulieferland für die nach wie vor wachsende deutsche Autoindustrie entwickelt. "Sollte auch die Autoindustrie in die Krise kommen, würde uns das überproportional treffen", so Felderer.

Für den Wifo-Experten Marcus Scheiblecker ist nun die Wirtschaftspolitik gefordert. Die beiden Konjunkturbelebungspakete der letzten Legislaturperiode hätten bisher keine Wirkung entfaltet. "Schon das minimale Wachstum 2001 wäre wirtschaftspolitisch durchaus dazu angetan gewesen, tätig zu werden." (Michael Bachner, DER STANDARD Print-Ausgabe, 16.5.2003)

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BA-CA
  • Wirtschaftsflaute und kein Ende. Es geht abwärts.
    montage: derstandard.at

    Wirtschaftsflaute und kein Ende. Es geht abwärts.

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