England: Entscheidung zum Euro im Juni

15. Mai 2003, 15:15
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Beobachter rechnen mit Nein zum Beitritt, Wirtschaftsführer warnen - Laut Umfrage Mehrheit der Briten gegen Europawährung

London - Die britische Regierung will bis zum 9. Juni entscheiden, ob sie die Übernahme des Euros für empfehlenswert hält. Wie das Büro von Premierminister Tony Blair am Donnerstag mitteilte, will Schatzkanzler Gordon Brown dann vor dem Unterhaus das Ergebnis intensiver Kabinettsberatungen bekannt geben. Beobachter rechneten mit einem Nein zum Euro. Umfragen ergaben, dass die große Mehrheit der Briten die europäische Gemeinschaftswährung weiterhin nicht haben will.

Der Rundfunksender BBC berichtete am Mittwochabend, Blair und Brown seien übereingekommen, das versprochene Referendum über eine Euro-Einführung nicht vor der nächsten Parlamentswahl anzusetzen, die spätestens 2006 stattfinden muss. Der Grund dafür sei, dass fünf Kriterien der britischen Regierung für einen Beitritt zur Euro-Zone zurzeit nicht erfüllt seien. Nun suchten beide Spitzenpolitiker nach Wegen, Euro-Befürwortern die Verschiebung zu erläutern.

Wirtschaftliche Prüfung noch nicht abgeschlossen

Mit der in der Downing Street am Donnerstag veröffentlichten Erklärung trat die Regierung den BBC-Berichten vom Vorabend entgegen, in denen es weiter hieß, Blair und Brown hätten sich bereits gegen einen raschen Euro-Beitritt entschieden. Laut BBC sehen Blair und Brown Grossbritannien noch nicht als reif für den Euro an.

Blairs Büro lehnte einen Kommentar zu diesen Berichten ab. Die Regierung werde sich erst äußern, wenn die wirtschaftliche Prüfung abgeschlossen sei. Nun wird Brown am 9. Juni seinen dann mit dem Regierungskabinett abgestimmten Bericht darüber vorlegen, ob die Bedingungen für die Übernahme des Euro gegeben sind oder nicht.

Wirtschaftsführer befürchten negatives Wirtschaftsklima

Erst vor wenigen Tagen hatten führende britische Wirtschaftsführer Blair davor gewarnt, den Beitritt des Landes zum Euro unnötig hinaus zu schieben. Wenn seitens der britischen Regierung ein Beitritt vor den nächsten Wahlen ausgeschlossen werde, wirke sich dies sehr negativ auf das Wirtschaftsklima aus. Dies war der Tenor eines offenen Briefes, den 25 Wirtschaftsführer unterzeichnet hatten. Die Bedingungen für die Übernahme der gemeinsamen europäischen Währung seien jetzt gegeben. Ein Fernbleiben der Eurozone werde beträchtlichen Schaden anrichten, hieß es es in dem Schreiben.

Nach einer Umfrage des Instituts YouGov im Auftrag des Senders Sky News würden im Moment zwei Drittel der Briten gegen den Euro stimmen. 49 der 2,465 Befragten rechneten jedoch mit der Einführung des EU-Geldes binnen fünf Jahren. Bei einer ICM-Erhebung unter 1.006 Briten sprachen sich 72 Prozent gegen einen Beitritt zum Euro vor der nächsten Parlamentswahl aus. 50 Prozent von ihnen schließen diesen Schritt zu einem späteren Zeitpunkt aber nicht aus. (APA)

  • Die Entscheidung über die Einführung des Euro in Großbritannien soll im Juni fallen.
    foto: fotomontage/derstandard.at

    Die Entscheidung über die Einführung des Euro in Großbritannien soll im Juni fallen.

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