+++PRO&CONTRA--- Hohlhippen

16. Mai 2003, 14:50
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Schon je gehört, dass man eine Dekoration mitisst? Eben. Noch dazu die in Form einer runden Waffel, welche laut feministischer Eisforschung die bloß phallische Komponente im doch so flächigen Speiseeis-Brei markieren soll ...

+++PRO

Von Karl Fluch

Noch lange bevor es mir möglich war, das zynische Meisterwerk im Wort Hohlhippe zu erkennen - hip und hohl, wie wahr! - galt Mutters Burli schon als Fan des Bröselrohrs. Doch es war keine Liebe auf den ersten Blick. Diese kam so: Als verzogener kleiner Eh-schon-wissen abverlangte ich meinen Erziehungsberechtigten eine fixe Menge an mir lebensnotwendig erscheinendem Naschzeug. Fixer Bestandteil dieser täglich zuzuführend gewesenen Basisversorgung waren - neben Smarties, Banjo und Leckerschmecker - die so genannten Rondo-Röllchen - die hießen wirklich so!

Das waren mit Nougat gefüllte Rundwaffeln, die zwecks Glasur in Schokolade ertränkt wurden und die man unter Aufbietung höchster kindlicher Kreativität varianten- und am Textil spurenreich verzehren konnte. Später wurden daraus Fanfare, was an meinem Suchtverhalten nichts geändert hat. Irgendwann ergab es sich, dass meine Kostverantwortlichen grob fahrlässig waren und die Sicherung des Fanfare-Nachschubs zusammenbrach: Krise und "Ich halt jetzt so lange die Luft an, bis . . ."-Drohungen waren die Folge. Die Rettung aus diesem Tränenteich waren Hohlhippen. Und zwar deshalb, weil Mutters Plage die hohlen Teigwaren erfindungsreich in einen von der Sommersonne patzweich gebrüteten Nutella-Topf bohrte und so sein eigener Schokoröllchen-Hersteller wurde.

Mit dieser Erinnerung ist noch ein anderer Klassiker unmittelbar verbunden: der Weiße Riese. Jenes Waschmittel, das Muttern wie extra für ihr Burli gemacht vorkommen musste.

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---CONTRA

Von Doris Krumpl

Schon je gehört, dass man eine Dekoration mitisst? Eben. Noch dazu die in Form einer runden Waffel, welche laut feministischer Eisforschung die bloß phallische Komponente im doch so flächigen Speiseeis-Brei markieren soll. Wie das Banner eines Eroberers steckt das Ding mit dem hohlen Namen Hohlhippe im Eis. Seine knackig-knusprige Komponente verliert es im kühlen Obers-Zuckergemisch und gatscht breiig zwischen den Zähnen. Womit seine alternative Bestimmung als Blasrohr auch beim Teufel ist.

Die salzige Version kommt als ein in Liptauer aufgeweichtes Soletti daher. Und das alles freiwillig? Was der Volksmund treffend mit "einen an der Waffel haben" beschreibt. Heiße Liebe oder Coup Denmark oder Bananensplit begleiten "ofenwarme" Schokosaucen, heiße Himbeeren oder Liköre jedweder Art, nicht diese halbseidene Sättigungsbeilage und Eis-Zier namens Hohlhippe.

Ein Wort übrigens, bei dem die meisten Wörterbücher ratlos sind. Da sieht man's wieder. Fragt sich nur, warum so viele hohlhip sein wollen, wahrscheinlich weil Hohlness in jeder Form hip ist heutzutage.

Schluss mit diesem tranigen Kulturpessimus, jetzt kommt "Wer bastelt mit". Einen Schiffs-Mast mittels Hippe auf der Eismasse simulieren, mit Fächerwaffeln als Segel: Für die "Eisschale Traumboot" kommen also nur Hippen-Fans in Frage. Typenspezifische Dekoration kann aber auch anders ausschauen: bunte Schirmchen, Lametta-Fontänen, Einfamilienhäuser oder blinkende Lämpchen. (Der Standard/rondo/16/05/2003)

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