Erichs Welt

13. Mai 2005, 11:59
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Seit drei Jahrzehnten halten die Außerirdischen Erich von Däniken auf Trab. Seine Thesen haben den "Astro- Fabulierer" zu einem der umstrittendsten Schweizer gemacht. Nun hat er sich mit seinem Mystery Park am Fuße von Eiger, Mönch und Jungfrau einen Traum erfüllt

"Die einen", sagt Erich von Däniken, "kennen mich, die andern können mich." Und weder über einen mangelnden Bekanntheitsgrad noch über zu wenige Feinde kann sich EvD, wie der 1935 geborene Kleiderfabrikantensohn liebevoll von seinen Fans gerufen wird, wirklich beklagen. 62 Millionen Bücher hat "Götter-Erich" (Hamburger Morgenpost) verkauft, der seit mehr als drei Jahrzehnten unbeirrt an seiner These festhält, die Götter der Frühkulturen seien extraterrestrische Raumfahrer gewesen, die durch Genmanipulation die Menschheit schufen. Wohlgesonneneren gilt der Schweizer daher als "Showman der Science-Fiction" (Tagesspiegel), als "wilder Göttermacher aus dem Alphornland" (Märkische Allgemeine Zeitung) oder schlicht als "Alpina Jones" (Spiegel).

Für andere - und die sind zahlreich - ist er nur ein "Spinner", ein "Scharlatan" und ein rotes Tuch. Begonnen hat alles 1968. Während sich in Europa eine Generation gegen das Schweigen der Väter, die vom Nationalsozialismus diskreditierten Politiker und die Kirche auflehnte und in den USA die erste Mondumrundung vorbereitet wurde, schlug EvDs Erstling "Erinnerungen an die Zukunft" wie ein Meteorit im Buchmarkt ein. Der Bestseller, in dem der gelernte Kellner neben seiner Götter-Theorie unter anderem behauptet, die Bundeslade sei in Wirklichkeit eine Gegensprechanlage gewesen, mit der Moses in ständiger Verbindung mit Raumschiffen stand, wurde der größte deutschsprachige Bucherfolg seit Erich Maria Remarques "Im Westen nichts Neues". In den USA wurden von der Übersetzung innerhalb von 24 Stunden 350.000 Exemplare verkauft.

Doch inzwischen war EvD ein kleines Missgeschick passiert, er hatte als Pächter des Davoser Hotels "Rosenhügel" "vergessen", 250.000 Franken zurückzuzahlen, was der Justiz, angefeuert von der Dorfbevölkerung, mit der es sich der Autor innerhalb kürzester Zeit verdorben hatte, die willkommene Möglichkeit bot, gegen ihn vorzugehen. Er wurde per Interpol gesucht und schließlich in Wien festgenommen. Der Wiener Untersuchungsrichter, der wohl Dürrenmatt gelesen hatte, sah den Fall von Däniken pragmatisch, "Es muss sich um eine Dorfintrige handeln", und verordnete gegen das ausdrückliche Verbot der Schweizer Behörden, dass der Schriftsteller sein Recherchematerial und Schreibzeug in die Zelle bekam - wohl damit er mehr von dem schrieb, für das man ihn offenbar in der Schweiz so hasste. Schließlich wurde von Däniken an sein Heimatland ausgeliefert, wo er für 18 Monate hinter Gitter musste. Als er 1971 aus der Haft entlassen wurde, war er ein reicher Mann. 1000 Franken pro Tag hatte er in dieser Zeit aus dem Verkauf seiner Bücher verdient - viermal so viel wie seine fünf Wächter zusammen im Monat.

Seither hat der kleingewachsene, bullige Autor mit dem breiten Lachen und den wachen Augen zwei Millionen Flugkilometer zurückgelegt. Von Luxor bis La Paz, von Santiago de Chile bis Tegucigalpa (Honduras) und von Bangalore bis Adelaide sucht er nach unerklärlichen Phänomenen und Indizien für seine Astronautenthese, die er in bisher 30 Büchern und zahllosen Vorträgen variiert und ausgebaut hat. Man muss ihn wahrscheinlich einmal gesehen und miterlebt haben, um sich den Erfolg seiner Thesen erklären zu können. Präsenz und Begeisterung lauten die Schlüsselworte. Wenn er mit großen Schritten auf die Bühne stürmt und wild gestikulierend, mit beachtlichen Entertainerqualitäten seine Thesen vertritt, dann hat man das Gefühl, es mit einem zu tun zu haben, der sagt, was er glaubt, und vielleicht sogar glaubt, was er sagt.

Vor einigen Jahren ist EvD in den Kurort Beatenberg oberhalb von Interlaken gezogen, wo er zunächst einmal der misstrauischen Dorfbevölkerung bei einer gut besuchten Gratisveranstaltung seine Theorien näher brachte. Man habe im Dorf anfänglich befürchtet, er sei ein Atheist, doch dies habe er ausräumen können, sagt er, schließlich glaube er an Gott (der ja die Außerirdischen schuf) und an ein Weiterleben nach dem Tod, denn sicher sei "der Tod nur der Gong zur nächsten Runde". Vor drei Jahren setzte sich der 67-Jährige in den Kopf, der Region um Eiger, Mönch und Jungfrau eine neue Attraktion zu bescheren: den Mystery Park, der die Menschen das Staunen lehren soll. Auf dem Areal eines aufgelassenen Militärflughafens sollen dem Publikum ungeklärte Phänomene unseres Planeten näher gebracht werden, so die Vorgabe.

Und natürlich waren am Anfang alle dagegen. Wütende Bauern versuchten bei einer Gemeindeversammlung mit Heugabeln und Traktoren das Projekt zu verhindern. Heute, man ahnt das Ende der Geschichte, ist niemand mehr dagegen. In jede Schulklasse, zu jeder Vereinsversammlung und zu den meisten Stammtischen im Berner Oberland ist EvD gegangen, um sein Projekt darzulegen. Anschließend stürmte er, der Fantast, die Büros von Bankern und Investoren. Diese Menschen hätten "von nichts eine Ahnung" und an die Rätsel dieser Welt noch nie einen Gedanken verschwendet, meint er rückblickend. Also erzählte er den "Geldmenschen" davon, wie die Besucher des Mystery Parks dereinst auf einem imaginären fliegenden Teppich über die per Film projizierten "Linien von Nazca" in Peru fliegen werden, wie Lasershows Mond- und Sonnenaufgänge über Stonehenge simulieren, Wasservorhänge werden für mysteriöse Nebel sorgen, und auch die Pyramide von Gizeh (in verkleinerter Form) wird eine Rolle spielen. Zudem werde das Kernstück des Parks, ein 50 Meter hoher Turm mit einer begehbaren Kugel von 22 Metern Durchmesser, sicher "das künftige Wahrzeichen von Interlaken", anders als Eiger, Mönch und Jungfrau, die "die halbe Zeit im Nebel sind".

Und alles ward so, wie "Götter-Erich" es prophezeit hatte. Er trieb die nötigen 60 Millionen Euro auf und baute den Park nach seinen Vorstellungen. Am 24. Mai ist Eröffnung, und natürlich rührt von Däniken tüchtig die Werbetrommel. Auch in Wien ist er schon gewesen. "Das wird super", sagt er und: "Es sieht gewaltig aus." Wie immer denkt er schon zwei Schritte weiter: "Die Menschen werden strömen; bereits ein Jahr nach der Eröffnung werden wir über Erweiterungen nachdenken. Es bestehen schon Ideen, Lizenzen zu vergeben für Mystery Parks überall auf der Welt." Unruhig rutscht er auf seinem Sessel hin und her, bald wird er zu neuen Zielen, Büchern und in eine neue Stadt aufbrechen, doch vorher empfiehlt er noch sein Werk "Zeichen für die Ewigkeit" einem vorübergehenden Veranstaltungsbesucher als WC-Lektüre: "Da stehen Sie mindestens fünf Seiten lang nicht auf." (Stefan Gmünder, Der Standard/rondo/16/5/2003)

  • So soll der Park bei der Eröffnung aussehen
    www.mysterypark.ch

    So soll der Park bei der Eröffnung aussehen

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