Ein Bild von sich selbst

18. Mai 2003, 19:00
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Das Symposion "Screenwise" präsentierte aktuelle feministische Filmwissenschaft in Wort, Film und Video

Wien - Am Anfang war das Kino: ein Leitmedium des 20. Jahrhunderts, eine Bilder- und Wunschmaschine - aber wessen Bilder und welche Wünsche wurden in konkreten Filmen eigentlich aktualisiert? Und welche nicht?

In den 70er-Jahren begann die verstärkte Auseinandersetzung von Frauen mit dem Medium Film zum einen als Frage nach einer möglichen Praxis - nach Formen und Rahmenbedingungen, dem männerdominierten (Mainstream-)Kino eigene Bilder, Erfahrungen und Erzählungen entgegenzusetzen.

Zum anderen fingen Theoretikerinnen vor dem Hintergrund einer allmählichen akademischen Verankerung der Filmwissenschaft an, sich speziell mit der Repräsentation von Frauen auf der Leinwand auseinander zu setzen - weniger im Sinne einer Methode als vielmehr einer politischen Haltung, die geschult an Psychoanalyse, Semiologie oder kritischer Theorie bestimmte eigenständige Fragestellungen einforderte.

Zunächst standen dabei das klassische Hollywoodkino, seine universell wirksamen (Frauen-)Bilder - unnahbare Diven, bedrohliche Femmes fatales oder schutzbedürftige "Fräuleins" - im Zentrum des Interesses. Neben der Offenlegung ihrer Funktionsweisen oder der Entwicklung alternativer Lesarten wurden der Filmgeschichte auch "vergessene" Leinwandpionierinnen nachgetragen.

Die internationale, prominent besetzte Konferenz Screenwise, konzipiert und organisiert von Monika Bernold, Andrea B. Braidt, Claudia Preschl und Brigitte Mayr, unternahm nun im Project Space der Kunsthalle am Karlsplatz vier Tage lang (15.-18. 5.) den Versuch einer aktuellen Standortbestimmung feministischer Film-und TV-Wissenschaften.

Am Anfang stand dabei ein historischer Rückblick, den die Britin Laura Mulvey vornahm, Filmemacherin und anno 1975 Autorin von "Visuelle Lust und narratives Kino", einem der meistdiskutierten Beiträge zur feministischen Filmwissenschaft. In welch diverse Richtungen sich das Feld gegenwärtig ausgedehnt hat, zeigten dagegen die spannenden Themen der weiteren Vorträge, Referentinnen-Panels und Workshops:

Dabei geht es etwa um das Interesse am frühen Kino, das unter anderem auch dem "Wunsch nach einem Gegenkino" geschuldet ist. Das Fernsehen - inklusive Eurovisions Song Contest und Kriegsberichterstattung - ist ebenso präsent wie beispielsweise Actionfilme oder Baz Luhrmanns Musical-Crossover Romeo & Juliet, die auf den Zusammenhang von Konstruktionen von Geschlecht und filmischen Genres hin befragt werden.

Mikki Muhrs Videolounge beziehungsweise das Filmprogramm Bilderlust, zusammengestellt von Katja Wiederspahn, zu sehen im Österreichischen Filmmuseum, stellten den Wortbeiträgen konkrete Filme (von Chantal Akerman, Su Friedrich u.a.) bei. (Isabella Reicher/DER STANDARD, Printausgabe, 15.5.2003/red)

  • Forschungsschwerpunkt Frühes Kino: Eine "Diva Dolorosa" aus der im Vorjahr im Filmmseum gezeigten Reihe "Lyrisches Nitrat"
    foto: filmmuseum
    Forschungsschwerpunkt Frühes Kino: Eine "Diva Dolorosa" aus der im Vorjahr im Filmmseum gezeigten Reihe "Lyrisches Nitrat"
  • "Ai nu / Intimate Confessions of a Chinese Courtesan" - Filmmuseum,  18.5., 21:00
    foto: filmmuseum
    "Ai nu / Intimate Confessions of a Chinese Courtesan" - Filmmuseum, 18.5., 21:00
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