Milliardenbeträge für die Prävention benötigt

1. August 2003, 20:49
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Nicht einmal jede(r) Fünfte der potenziell Hauptbetroffenen ist ausreichend informiert

Seattle - Nicht einmal jeder Fünfte all jener, die sich in größter Gefahr einer Aids-Infektion befinden, hat eine Ahnung, wie man sich selbst vor einer Infektion schützen kann. Der Grund dafür ist laut dem aktuellen Bericht der Arbeitsgruppe "Global HIV Prevention Working Group", dass weniger als die Hälfte der notwendigen Mittel für die Aids-Prävention ausgegeben werden. Gleichzeitig sind weltweit die jährlichen Ausgaben zur Prävention drastisch gefallen. Laut Bericht wurden im Jahr 2002 insgesamt nur 1,9 Mrd. Dollar ausgegeben. Damit weitaus weniger als jene 5,7 Mrd. Dollar pro Jahr, die laut Schätzungen von UNAIDS bis 2005 unbedingt notwendig sind. Bis 2007 sollen mit 6,6 Mrd. Dollar pro Jahr noch mehr Mittel zur Aids-Prävention nötig sein.

"Die Ressourcen werden dringend benötigt, aber bis dato haben viele Regierungen ihren Anteil nicht beigetragen", erklärt Drew Altman von der Arbeitsgruppe. Entwicklungsländer selbst leisten - was auch wichtig ist - den größten finanziellen Beitrag für Aids-Programme, so Altman. Aber Industrieländer müssen viel mehr beisteuern. "Viele Regierungen leisten Beiträge in Größenordnungen, die man bei Privatstiftungen erwarten würde, aber nicht bei wohlhabenden Ländern", kritisiert Altman. Nach Schätzungen der Arbeitsgruppe haben Entwicklungsländer 2002 rund 782 Mio. Dollar zur Aids-Prävention beigetragen. Damit etwa zwei Mio. mehr als Regierungen. Die Beiträge von NGOs und Stiftungen lagen bei 160 Mio. Dollar. Schlusslicht bildete die Weltbank mit mageren 64 Mio. Dollar.

"Hätten wir vor zehn Jahren jenen Betrag gespendet, wie wir ihn heute zur Prävention einsetzen, würde es um die Hälfte weniger Neuinfektionen geben", erklärt Helene Gayle, Leiterin des weltweiten HIV/Aids-Programms der Bill & Melinda Gates Foundation. Man hätte sich 90 Mrd. Dollar, die für die Betreuung der Aids-Opfer und Waisen ausgegeben werden, ersparen können. Wird nicht umgehend in die Prävention investiert, bedeutet dies höchstwahrscheinlich eine "HIV-Explosion" in Ländern wie China und Indien, so Gayle. (pte)

Der Bericht "Access to HIV Prevention: Closing the Gap" als 48-seitiges pdf-File
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