"Matrix"-Held Neo als neuer Messias?

14. Mai 2003, 12:51
27 Postings

Die Religion im Science-Fiction-Film näher beleuchtet - Christ, Buddhist, Jude oder doch nur ein Filmheld - das ist hier die Frage

Der Christian Science Monitor (CSM) beschäftigt sich in einem Artikel mit der religiösen Komponente der Warner Bros.-Trilogie Matrix.

Film-Held, Reserve-Jesus, Jude oder Buddhist?

Grundsätzlich – so die Meinung verschiedenster Experten – können alle Religionen ihre eigenen Leitmotive in "Matrix" entdecken. Aber, so einige Theologen, würde "Matrix" im Gegensatz zu anderen Filmen, die auf den Werten des christlichen Glaubens basieren, direkt das Herz der christlichen Identität ansprechen. Das Filmscript erscheint dabei als Mischung aus platonischer Philosophie, griechischer Mythologie, Buddhismus und postmodernen Elementen.

Religion oder Blasphemie?

Glenn Yeffeth, Autor des Buches "Taking the red Pill: Science, Philosophie and Religion in the Matrix", meint aus christlicher Sicht zwei unterschiedliche Deutungsmöglichkeiten des Films zu erkennen: zum einen könnte man es als eine Nacherzählung des Lebens von Jesus Christus interpretieren, zum anderen als einen sehr brutalen Film mit viel Blasphemie und atheistischen Motiven. Mittlerweile finden sich schon einige Bücher zum Thema "Religion und Philosophie in Matrix" – einen Überblick finden Sie unter www.urasoft.com/matrix.

Die religiösen Elemente

Der "Christian Science Monitor" bietet unter anderem noch ein Matrix Glossar, in dem die religiösen Motive näher beleuchtet werden. Unter den gesammelten Einträgen finden sich etwa die Wiedergeburt – Neo muss vor seiner Mission die Menschheit aus der Sklaverei zu befreien erst wiedergeboren werden – dies geschieht als ihm die Lebensversorgungsleitungen aus dem Körper entfernt werden und er haarlos, verwirrt und bedeckt mit einer schleimigen Flüssigkeit in seiner "Fruchtblase" erwacht. Unter dem Punkt "Buddhismus" findet sich der Eintrag, dass das Leitproblem der Buddhisten nicht aus Sünde und dem Bösen besteht, sondern in der Unfähigkeit der Menschen die echte Wahrheit zu erkennen – so wie die Menschen in Matrix eben.

"Neo is the One"

Der Name "Neo" als Anagramm von "One" impliziert seine Einzigartigkeit und macht ihn zum "dem Einen". Numerologische Aspekte finden sich unter anderem bei seiner Zimmernummer "101" – wieder als Metapher für er ist der Eine – oder auch in der Nummer des Zimmers in dem er erschossen wird – nämlich "303" – danach folgt seine Wiederauferstehen nach 72 Sekunden – was, je nach Deutung, eine Anspielung auf die 72 Stunden beziehungsweise drei Tage bis zur Auferstehung Christi sein könnte.

Auch Neos echte Name, Thomas Anderson" wurde auf seine religiösen Wurzeln hin untersucht, und so folgt die Erkenntnis, dass der Apostel Thomas im Griechischen als Didymus – also zum Zwilling oder Double – bezeichnet wurde und Anderson "son of man" meint – ein Name den Jesus auch für sich selbst benutzte. Die letzte menschliche Stadt in "Matrix" ist "Zion", im Alten Testament stand Zion für die königliche Hauptstadt von David. Und Morpheus Raumschiff nennt sich wiederum "Nebuchadnezzar", diese Figur findet sich in der Bibel im Buch Daniel als mächtiger König von Babylon, der von unheilvollen Träumen verfolgt wird. Weitere Beispiele finden sich im CSM-Artikel.

Das Buch der Bücher

Während manche Menschen davon ausgehen, dass ohnehin jedes Thema, das die Weltliteratur jemals beschäftigt hat, auch in der Bibel vorkam und somit eigentlich jedes Werk seine "biblischen Wurzeln" nicht verleugnen können, sehen andere die Diskussion über die Religion in Büchern und Filmen als überflüssig und unnötig an. Sicher ist nur, dass die Zeit der Filme, die die Bibel einszueins auf die Leinwand bringen, schon seit längerem abgelaufen zu sein. Der Symbolismus und die Diskussionen rund um dieses Thema gibt es aber nicht erst seit "Matrix". Auch die Diskussion um "Star Wars" und seine Religion der Jedis wird mit jeder neuen Fortsetzung neugeführt. Einige Experten sehen auch in "E.T. – Der Außerirdische" den christlichen Leidensweg wieder – was Steven Spielberg immer dementiert hat. Andere wiederum gehen einfach ins Kino lassen sich unterhalten, denken über das Gesehene nach oder auch nicht und freuen sich auf kommende Film-Highlights – so einfach kann das Leben sein.(grex)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.