Österreich verliert an Attraktivität

14. Mai 2003, 18:54
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Alpenrepublik fällt im Standortwettbewerb auf Platz zehn zurück - Kritik an hohen Steuern, geringem Wachstum und restriktiven Einwanderungsgesetzen - mit Infografik

Wien - Im Standortvergleich des Lausanner Instituts für Management-Entwicklung (IMD), das seit 1989 ein jährliches Ranking über die Wettbewerbsfähigkeit von Staaten und Wirtschaftsregionen herausgibt, ist Österreich im Jahr 2003 wieder dort angelangt, wo es bereits 1999 stand: auf Rang zehn, zwei Plätze schlechter als im Vorjahr. In der Gruppe der Staaten bis 20 Millionen Einwohner haben Singapur und Hongkong ein "starkes Comeback" hingelegt. Die wirtschaftlichen Folgen der Sars-Epidemie wurden dabei allerdings noch nicht berücksichtigt.

Finnland rückte auf den Spitzenplatz vor, während die Niederlande (von Platz eins auf acht) "den vollen Preis für ihre politischen und sozialen Unsicherheiten zahlen", so IMD-Professor und Studienmitautor Stephane Garelli.

Lob

Lob gibt es im "World Competitiveness Yearbook" für Österreichs Gesundheitswesen, geringe Kosten der Mobiltelefonie, geringe Bedrohungen und Gewalt am Arbeitsplatz sowie generelle Lebensqualität.

Kritik

Kritisiert werden:

Relativ geringes Wirtschaftswachstum: Nach vielen Jahren überdurchschnittlichen Wachstums, wächst Österreich seit 2001 nur noch im EU-Durchschnitt von derzeit 1,1 Prozent.

  • Hohe Steuern: Zwar sinkt die Steuer- und Abgabenquote seit dem Rekordjahr 2001 von damals 45,6 Prozent heuer auf 44,4 Prozent. Allerdings ist dafür nicht die Regierung verantwortlich, wie Experten sagen, sondern die flaue Konjunktur, in der Unternehmsgewinne und damit Steuerleistungen sinken.

  • Restriktive Einwanderungsgesetze: Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, der sich selbst als "Wanderprediger" in Sachen Standortverbesserung bezeichnet, sagte: "Das schmerzt uns insbesondere bei den Saisonniers und ist nicht nachvollziehbar. Jedes Beschäftigungsverhältnis stärkt unser Sozialsystem - dort wo der Bedarf im Inland nicht gedeckt werden kann."

    Deutschland rutscht bei großen Staaten ab

    Bei den großen Staaten musste Deutschland den vierten Platz an Malaysia abgeben, Großbritannien rutschte vom fünften auf den siebenten Rang ab. Leitl, der für Steuer- und Lohnnebenkostensenkungen eintritt: "Wir müssen den Firmen, die aus Deutschland weggehen, den Mund wässrig machen, wenn sie an Österreich denken."

    Wifo-Industrieexperte Karl Aiginger misst Österreichs Rückfall auf Rang zehn keine allzugroße Bedeutung bei. Von 29 untersuchten Staaten und Regionen bis 20 Mio. Einwohner bedeute der zehnte Rang noch immer einen Platz im oberen Drittel.

    Allerdings, gibt Aiginger zu bedenken: "Wir sind das drittreichste Land in der EU und sollten auch in den Zukunftsbereichen Top 3 werden." In allen ihm bekannten Rankings liege Österreich stets hinter den vergleichbaren Ländern Schweden, Finnland, Dänemark und Niederlande, die eine durchschnittliche Forschungsquote von 3,4 Prozent aufweisen. Österreich liegt in der Forschungsquote knapp unter zwei Prozent und hat laut Aiginger jetzt erst den EU- Durchschnitt erreicht. Das Regierungsziel einer Forschungsquote von zumindest 2,5 Prozent, werde durch die Ausgaben im Doppelbudget 2003/2004 "nicht erreicht".

    "Zeitbomben"

    Generell warnt das IMD vor zwei "Zeitbomben": Der Verschuldung der Unternehmen, die einen absoluten Höchststand erreicht habe, und den Problemen der Pensionsfonds, die in der Börsentalfahrt Verluste von 2400 Milliarden Euro eingefahren hätten. (Michael Bachner, DER STANDARD, Printausgabe 15.5.2003)

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      Die Wettbewerbsfähigkeit der Östereicher im Wintersport ist unbestritten, (Foto: Michaela Dorfmeister) die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit lässt zu wünschen übrig.

    • Wirtschaftsstandorte im Vergleich Grafik zum Vergrößern anklicken.

      Wirtschaftsstandorte im Vergleich Grafik zum Vergrößern anklicken.

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