Google ist hinter uns her

13. Mai 2003, 14:46
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Im Netz bleibt Nichts unentdeckt und Niemand anonym - die Schattenseite offenbahrt sich erst, wenn Wildfremde im Privatleben stöbern

Wer suchet, der findet – eine alte Weisheit, die auch im Internet noch besteht. Suchmaschinen – wie etwa Google – helfen beim Aufspüren verschiedenster Informationen, führen durch den unüberschaubaren Dateien-Dschungel des Internet und führen alte Freunde, verschollene Familienmitglieder und Haustiere mit ihren Besitzern zusammen – doch manchmal entpuppt sich das Internet als unnachgiebiger Schnüffler, der auch vor dem Privatleben keinen Halt macht.

Eitelkeit, enttäuschte Liebe und andere Gefahren

Die Zahl der Detektive im Internet wächst. Einige User hben ein neues Hobby gefunden und beginnen über das weltweite Datennetz ihre Suche nach Personen, die sie meist nicht kennen und vielfach nur auf Fotos entdeckt haben. Die Informationen, die sich im Internet finden lassen, sind meist tiefgehender als so mancher User es gerne hätte. Einerseits gibt es das so genannte Phänomen des "Vanity Google" – so bezeichnen die Amerikaner die "Eitelkeitssuche". Informationen gibt es im Internet immer – so etwa alte Klassenlisten und Fotos, Teilnahmen an Sportveranstaltungen und anderen Bewerben, Teilnahmeliste an Uni-Seminaren oder Zitate aus den entsprechenden Arbeiten, archivierte Diskussionsforen-Beiträge und vieles mehr – wo sein Name archiviert wird und im Internet aufscheint, ist vom User kaum zu beeinflussen – und eine weitere Verbreitung schon gar nicht zu verhindern.

Auf der Suche nach der Unbekannten

Es war als romantisches Geschenk an den Freund gedacht, doch entwickelte es sich zum Alptraum ihres Lebens – eine junge amerikanische Studentin strippte via Webcam für ihren Freund und sandte ihm diesen persönlichen Videogruß. Was als sehr persönliches Geschenk gedacht war, gelangte über verschlungene Pfade und diverse Tauschbörsen ins Internet und fand rasche Verbreitung. Mittlerweile steht der Name Libby Hoeler – so heißt die Studentin – für den Schnüffel- und Verfolgungswahn mancher Internet-User und die Gefahren aus dem Netz.

Ortswechsel half nichts

Libbys Nacktaufnahmen fanden den Weg durch das Netz und schon bald begannen "Fans" weitere Nachforschungen über sie anzustellen. Name, Adresse, E-Mail-Adresse und Telefonnummer wurden gesucht, um so Kontakt zu ihr zu bekommen. Die Aufnahmen entstanden vor mehr als zwei Jahren und werden noch immer in den Tauschbörsen angeboten – mittlerweile gibt es eine Video-CD um rund 13 Dollar plus Versand zu kaufen, alles natürlich ohne Einverständnis der Studentin. Da am Ende der Aufnahme ihre Wohnheim-Adresse samt Telefonnummer und E-Mail eingeblendet war, wurde Libby bald von "Fans" bestürmt.

Die Studentin der Universität in Madison (Wisconsin) wechselte ihren Wohn- und Studienort um den Schnüffler zu entgehen, doch die Jagd hatte kein Ende. Trotz der Versuche dem Tausch und den Belagerungen auf rechtlichem Wege Einhalt zu gebieten, hat sich mittlerweile eine Gemeinschaft von Rechercheuren zusammengefunden, die sich in einem Forum über ihre Erkenntnisse austauschen. Nicht nur Name und Adresse wollen diese Detektive erfahren, sondern auch wie das Band ins Netz kam und wie Libbys Version der Geschichte aussieht – doch Libby will eigentlich nur endlich einmal Ruhe.(red)

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