Einstürzende Neu-Geräte

14. Mai 2003, 13:57
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Es ist nicht fein, wenn etwas kaputt geht. Besonders dann nicht, wenn es etwas ist, von dem man mit ziemlicher Sicherheit kein zweites Exemplar zur Hand hat

Wenn Dinge ohne Vorwarnung eingehen, macht mich das immer komplett fertig. Ich pack’ die Hinterlist einfach nicht, wenn man da zu einem mehr oder weniger technischen Hilfsmittel greift, und das Ding funktioniert plötzlich nicht, Panik, Ratlosigkeit, quälendes Selbstmitleid und die Frage, warum das ausgerechnet mir passieren muss und ausgerechnet jetzt. Mittelschlimm war’s etwa beim elektronischen Kalender, aber da hat man sich schnell daran gewöhnt, auch ohne ihn zu leben, und als er nach ungefähr sechsmonatiger und dreistelliger Reparatur wieder meinen Haushalt bevölkerte, war die Umstellung zum Glück auch nicht so groß, weil er nach zwei Wochen eh wieder den Geist aufgab (ein Palm Vx, erworben bei Tools at Work, für die, die gerade überlegen ...). Entsetzlich war’s beim Fernseher. Man sitzt da, dreht auf und – zusch – Bild weg. Abdrehen, aufdrehen, nix, Bild bleibt weg. Verzweiflung, es war Pfingsten oder so irgendwas, wo lang kein Geschäft offen hat. Aber gut, man hat ja Bücher und Freunde.

Dann letzten Sonntag, der Kühlschrank voller knackefrischer Salate, Löwenzahn, Gärtner-Rucola, Baby-Spinat, Eichblatt und Eisberg, hinein ins kalte Nass zur erfrischenden Reinigung. Und hinein in die Salatschleuder, weil jeder Wassertropfen stört die Vehemenz des jungen, scharfen Olivenöls, des feinen Senfs, des würzigen Mostobstessigs vom Gölles. Fröhlich an der Leine gerissen und plötzlich war da ein neuer, ungewöhnlicher Widerstand. Weiterer Versuch, im Glauben, dass das Gerät seine Widerspenstigkeit sicherlich aufzugeben bereit ist, wenn man nur ein bisschen fester anzieht – zack, hin. Irgendwie festgefressen, 25 Minuten versucht, das unzerlegbare Plastiktrumm doch zu zerlegen, zerstörte es auf diesem Wege natürlich noch weiter und drang dennoch nicht bis zum Kern der Festfressung vor. Okay, in den Müll und heute halt nassen Salat essen.

Der Morgen danach: Toast, wie immer, rein in den chrom-glänzenden Toaster des deutschen Haushaltswaren-Herstellers mit Tradition, Stufe vier, wie immer, dennoch dunkle Wolken und Kokel-Geruch in der Küche. Der Toast auf der einen Seite weiß und labbrig, die andere Seite zu Asche verbrannt und keine Ahnung, wie ich das thermische Gerät wieder zur Vernunft bringen könnte. Idee: nach etwa halber Toastung auf die Not-Eject-Taste drücken, umdrehen und die Sache von der Maschek-Seite vollenden. Schmeck’s, Auswurf-Taste funktioniert nicht, drücke wie blöd auf den schwarzen Knopf einer chrom-glänzenden Toasters, Schrammels Toast nach Englischer Art verwandelt sich indes zu Abgas. Merke die Hilflosigkeit in mir aufkeimen. Seit vorgestern nachmittag macht jetzt auch mein CD-Player Mucken, aber dafür funktioniert mein Handy noch. Das brauch ich, um mir eine Pizza kommen zu lassen, weil die Küche betrete ich derzeit lieber nicht. Weil ein kaputter Eiskasten? Sicher nicht, ohne mich, da lass ich mich lieber in künstlichen Tiefschlaf versetzen!

Von Florian Holzer
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