Regierung für Ende der Kämpfe mit Rebellen

3. April 2011, 23:41
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Vize-Außenminister in Griechenland und weiter nach Malta und Türkei - Tripolis warnt vor Zerstörung der Wasserversorgung

Athen - Die libysche Regierung strebt nach eigener Aussage ein Ende der Kämpfe mit den Aufständischen in dem nordafrikanischen Land an. Diese Botschaft von Machthaber Muammar Gaddafi habe der libysche Vize-Außenminister dem griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou überbracht, sagte ein Regierungsvertreter in Athen am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters.

Der griechische Außenminister Dimitris Droutsas sagte, die libysche Regierung suche offenbar nach einer Lösung des Konflikts. Der libysche Vize-Minister habe angekündigt, nach Malta und in die Türkei weiterreisen zu wollen. Griechenland hatte über viele Jahre enge Beziehung zu Gaddafi. Eine westliche Militärallianz versucht, mit Luftangriffen die Zivilbevölkerung vor Angriffen der Regierungstruppen zu schützen.

Abtrünniger Spitzendiplomat

Gaddafi hat nach Angaben der Arabischen Liga nach seinem Außenminister Mussa Kussa einen weiteren Spitzendiplomaten verloren. Abdessalam Ali Triki habe sein Amt als Berater Gaddafis und als UNO-Botschafter Libyens niedergelegt, teilten ranghohe Funktionäre der Arabischen Liga am Sonntag in Kairo mit.

Triki, ehemaliger Minister für Äußeres und für afrikanische Angelegenheiten sowie früherer Botschafter in Frankreich (1995 -2000) und bei der UNO (2003-2009), unterhielt sich in der ägyptischen Hauptstadt mit Amr Mussa, dem Generalsekretär der Arabischen Liga, wollte sich gegenüber der Presse jedoch nicht äußern.

Vermittler

Der 73-jährige Triki spielte eine wichtige Rolle unter anderem bei der Gründung der Afrikanischen Union 1999. Bei mehreren Konflikten in Afrika war er als direkter Vermittler tätig, unter anderem im Sudan, im Tschad und beim Streit zwischen Äthiopien und Eritrea.

Im März hatte ihn Gaddafi zum libyschen Botschafter bei den Vereinten Nationen ernannt, nachdem sich der bisherige UN-Botschafter Libyens, Abdulrahman Shalgham, angesichts der Gewalt gegen die libysche Protestbewegung von Gaddafi losgesagt hatte. Statt Triki sollte dann aber der ehemalige nicaraguanische Außenminister Miguel D'Escoto Libyens Interessen bei der UNO vertreten, weil die USA Triki nach Angaben aus Nicaragua kein Visum erteilten.

Erst am Mittwoch hatte sich Libyens bisheriger Außenminister und früherer Geheimdienstchef Kussa nach London abgesetzt und dort seinen Rücktritt erklärt. Der 59-jährige Kussa galt als wichtiger Vertrauter Gaddafis.

Verletzte werden in die Türkei gebracht

Die Türkei bringt 300 Schwerverletzte aus der belagerten libyschen Stadt Misurata und der Rebellenhochburg Bengasi zur Behandlung ins Ausland. Türkische Regierungsbeamte und Helfer des Roten Halbmondes holten die Opfer der Kämpfe am Sonntag mit der Fähre "Ankara" ab. Sie sollten am späten Abend die 40 Stunden dauernde Überfahrt nach Izmir beginnen, wie ein türkischer Diplomat im Hafen von Benghazi sagte.

Jubelnde Libyer erwarteten die türkische Seefähre und die Verletzten aus Misurata im Hafen von Benghazi. "Misurata wird jeden Tag mit Granaten beschossen. Die Stadt wird seit 40 Tagen belagert. Was passiert, ist wirklich eine Katastrophe", sagte eine Sprecherin der Aufständischen. Zahlreiche Häuser seien in Brand gesetzt worden. Frauen und Männern würden misshandelt.

Bombardements fortgesetzt

Die internationalen Militärkräfte unter dem Kommando der NATO haben ihre Bombardements in Libyen unvermindert fortgesetzt. Auch am dritten Tag nach der Kommandoübernahme durch das Bündnis wurden am Samstag 70 Kampfeinsätze geflogen, das waren in etwa so viele wie in den Vortagen, wie die NATO am Sonntag in Brüssel meldete. Seit dem Beginn der NATO-Mission seien 218 Luftschläge gezählt worden. Die NATO hatte das Kommando am Donnerstag übernommen.

Warnung vor der Zerstörung der Wasserversorgung

Die libysche Führung hat die NATO vor der Zerstörung der Wasserversorgung des nordafrikanischen Landes gewarnt. Es würde eine "humanitäre Katastrophe" geben, sollte bei einem Luftangriff das System von Trinkwasserleitungen des Landes beschädigt werden, sagte der Chef des Projekts "Großer künstlicher Fluss", Abdelmajid Gahud, am Sonntag vor Journalisten in der Leitzentrale der nationalen Wasserversorgung südlich der Hauptstadt Tripolis.

Das System fördert Grundwasser aus den Tiefen der libyschen Wüste an die Erdoberfläche und transportiert es vor allem in die an der Mittelmeerküste gelegenen Städte des Landes. Nach Angaben Gahuds verlaufen in der heftig umkämpften Region zwischen der Rebellenhochburg Benghazi im Osten des Landes und der weiter westlich gelegenen Stadt Sirte auf einer Länge von etwa 400 Kilometern drei unterirdische Leitungen für Gas, Öl und Trinkwasser. "Wenn eine dieser Pipelines beschädigt wird, werden auch die anderen in Mitleidenschaft gezogen", sagte Gahud. Sollte die Wasserversorgung zusammenbrechen, seien davon rund 4,5 Millionen Menschen betroffen.

Das Land hatte zu Beginn der 1980er Jahre mit dem Bau seines 33 Milliarden Dollar (23,3 Mrd. Euro) teuren Leitungssystems begonnen. Das rund 4.000 Kilometer lange Netz versorgt etwa 70 Prozent der Bevölkerung. (APA)

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