Ein Hetzer sucht das Rampenlicht

3. April 2011, 20:20
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Pastor Terry Jones ließ den Koran nun doch verbrennen

Für viele Amerikaner ist es ganz normal: Einmal oder gleich mehrfach in ihrem Leben machen sie sich zum "church shopping" auf. So wie sich andere im Supermarkt eine Biersorte unter dutzenden auswählen, suchen sie sich eine Kirche, eine Konfession und einen Pastor aus, die ihren spirituellen Durst stillen sollen. Und weil dieser Markt, zumal in den USA, riesengroß ist, kommen auch die ehrwürdigen Herrschaften im Seelenheil-Business nicht ohne dröhnendes Verkaufsgeschrei aus.

Doch selbst unter diesen Gesichtspunkten ist Terry Jones gewissermaßen die Rabiatperle unter den spirituellen Durstlöschern. Der Mann ist nicht nur ein schnauzbärtiger Sektierer, Fundamentalist und Tatsachenverdreher. Er trägt seit seiner bizarren Koranverbrennung vor 14 Tagen auch die Verantwortung für dutzende Tote bei Anschlägen in Afghanistan.

Noch im Herbst konnten ihn höchste Vertreter aus Politik und Kirche davon abbringen, ein "radikales Signal an radikale Muslime" (Jones) zu senden. Nun hat der Hetzer, dem in seinem Dove World Outreach Center in Gainesville, Florida, kaum noch Gläubige folgen, sein Vorhaben entgegen damaligen Beteuerungen in die Tat umgesetzt - und ähnlich strukturierten Fundamentalisten am Hindukusch die beste Begründung für einen Religionskrieg geliefert.

Was auf den ersten Blick grotesk wirkt, ist auf den zweiten der Versuch eines abgerissenen, geltungssüchtigen Evangelikalen, doch noch ein wenig Prominenz und womöglich auch Geld in sein Leben zu bringen. Denn der 59-Jährige, 1978 zum Pastor ordiniert und Jahrzehnte als Missionar in Deutschland tätig, war bisher kaum erfolgreich.

Das College brach er ab, als Hotelmanager hielt er sich leidlich über Wasser. Seine Christliche Gemeinschaft Köln, die er 1981 gründete und die zeitweilig 1000 Gläubige hatte, wurde von den deutschen Behörden als Sekte eingestuft, in der ein "Klima der Angst" herrsche. Jones und seine Frau Silvia betrieben dort Gehirnwäsche. 2008 schließlich wurde Jones wegen "unhaltbarer theologischer Ansätze" aus seiner eigenen Kölner Glaubensgemeinschaft geworfen. Seinem Dove Center sprach die baptistische Synode der US-Südstaaten unlängst ihre Christlichkeit ab. 2010 schließlich veröffentlichte er eine Polemik mit dem Titel "Der Islam ist des Teufels" .

Die pakistanische Radikalengruppe Jama'at-ud-Da'wah hat inzwischen 2,2 Millionen Dollar für den Mord an Jones ausgelobt. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 4.4.2011)

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