Staatsfonds gegen aus­ländische Übernahmen

3. April 2011, 19:21
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Nachdem sich die französische Lactalis an Parmalat beteiligt hat, will Wirtschaftsminister Tremonti strategisch wichtige Unternehmen schützen

Um die Übernahmen vor ausländischen Unternehmen zu schützen, will Italiens Wirtschaftsminister Giulio Tremonti einen Staatsfonds einrichten. An diesem soll die staatliche Cassa depositi e partecipazioni (Cdp) beteiligt sein. Cdp verwaltet 235 Mrd. Euro und kontrolliert unter anderem 100 Prozent der Poste Italiane. Modell für den neuen Staatsfonds ist der französische Fonds Stratégique d'Investissment (FSI).

Laut dem Wirtschaftsminister sollen sich auch private Unternehmen an dem neuen Staatsfonds engagieren. Dieser soll strategisch wichtige Unternehmen im Energie-, Rüstungs-, Telekom-, Agrar- und Nahrungsmittelsektor vor dem Zugriff von Ausländern "schützen". Der Staatsfonds soll sich auch am Molkereibetrieb Parmalat beteiligen. Bekanntlich hat die französische Lactalis 29 Prozent Anteile an Parmalat erworben. Italien hat darauf ein Gesetzesdekret erlassen, damit Parmalat auch in Zukunft unter nationaler Kontrolle bleibe. Der Unternehmerverband Confindustria und zahlreiche Wirtschaftsexperten kritisieren den neuen Protektionismus in Rom, fraglich ist auch, inwieweit die EU die geplante Einrichtung eines Staatsfonds zum Schutz vor ausländischen Übernahmen genehmigt.

Neuer Protektionismus

Das EU-Gründermitglied Italien will künftig nicht tatenlos zusehen, wenn ausländische (in diesem Fall französische) Unternehmen nach einheimischen Firmen greifen. Wirtschaftsminister Tremonti hat bereits wissen lassen, dass das Fondsprojekt der zuständigen EU-Kommission vorgelegt werden soll. Der auch als Mini-Colbert benannte Wirtschaftsminister hat am Wochenende bei einem Politiker- und Managertreffen in Cernobbio ein Plädoyer für die Gründung einer staatlichen Beteiligungsholding gehalten. Diese soll sich künftig auch an Banken beteiligen können. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.4.2011)

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    Die französische Lactalis hat 29 Prozent der Anteile an Parmalat erworben. Italien hat darauf ein Gesetzesdekret erlassen, damit der Molkereibetrieb auch in Zukunft unter nationaler Kontrolle bleibt.

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    Berührungsängste nur im Wirtschaftsleben: Italiens Premier Silvio Berlusconi.

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