Währungsfonds zweifelt an Griechenland

3. April 2011, 18:44
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Sparen, kürzen, streichen - und alles umsonst? Der Internationale Währungsfonds drängt auf eine Umschuldung in Athen

Wien - Die Hiobsbotschaften kommen dieser Tage fast im Stundentakt aus Athen. Das Staatsdefizit für das Jahr 2010 wird wegen des schweren Wirtschaftseinbruchs nachträglich nach oben korrigiert werden, musste Finanzminister Giorgos Papakonstantinou in Athen eingestehen. Statt des angepeilten Defizits von rund 9,5 Prozent, wird das Budgetloch wohl nun über der Zehnprozentmarke liegen. Davor hatte sich bereits herausgestellt, dass die Steuereinnahmen in den vergangenen zwei Monaten weit hinter dem Plansoll zurückgeblieben sind. Die Griechen müssen sich auf ein neues Sparpaket einstellen, berichtete bereits die Athener Tageszeitung Ekathimerini.

Schuldenschnitt denkbar

Doch inzwischen mehren sich die Stimmen, die gar nicht mehr an die Sinnhaftigkeit der Rettungsbemühungen glauben. Ausgerechnet der Internationale Währungsfonds (IWF), also einer der großen Gläubiger des Mittelmeerstaats, fordert eine baldige Umschuldung Griechenlands, berichtete das Nachrichtenmagazin Spiegel am Wochenende.

Diese Forderung vertraten laut Spiegel hochrangige IWF-Vertreter in den vergangenen Tagen bei Gesprächen mit Beamten europäischer Regierungen. Denkbar sei ein Schuldenschnitt, die Verlängerung der Laufzeiten von Anleihen oder niedrigere Zinszahlungen. Alle drei Alternativen liefen darauf hinaus, dass Inhaber griechischer Staatsanleihen auf einen Teil ihrer Rendite verzichten müssen. Nach den Vorstellungen des IWF solle die griechische Regierung schon bald Gespräche mit ihren Gläubigern aufnehmen und ihnen die geplante Umschuldung mitteilen.

Keine konjunkturelle Trendwende

Auslöser der sich verschärfenden Probleme ist die schwere Rezession im Land. Die griechische Wirtschaft ist 2010 um rund 4,5 Prozent geschrumpft, und auch 2011 ist noch keine Trendwende in Sicht. Der Gesamtschuldenstand steigt zeitgleich rapid an. Noch 2011 dürfte die Schuldenquote 150 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen. Das ist bei weitem der höchste Wert in Europa.

Trotz dieser katastrophalen Zahlen wiesen sowohl der Internationale Währungsfonds als auch Finanzminister Papakonstantinou die Berichte über die Umschuldungspläne zurück. "Wir werden jeden Cent zurückzahlen", so Papakonstantinou. Auch griechische Ökonomen warnen davor, in Endzeitstimmung zu verfallen. "Richtig ist, dass die Rezession die Budgetsanierung massiv erschwert hat", meint George Pagoulatos von der Wirtschafts-Uni Athen im Gespräch mit dem STANDARD.

Jeder Cent wird gezahlt

"Allerdings muss man auch sehen, dass wir trotzdem viel geleistet haben. Noch im vergangenen Jahr lag die Neuverschuldung Griechenlands bei rund 15 Prozent. Wenn es jetzt zehn werden, ist das zwar im Vergleich zu den ursprünglichen Plänen ein Rückschlag. Insgesamt verbessert haben wir unsere Lage aber dennoch", so Pagoulatos.

Ob Griechenland tatsächlich umgeschuldet werden muss, hängt von der weiteren Wirtschaftsentwicklung ab, sagt der Athener Ökonom. Kehrt das Wachstum 2012 so wie vom IWF prognostiziert zurück, könnte eine Umschuldung vermieden werden. (szi, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.4.2011)

Kommentar

Es ging nie um Griechenland - Von András Szigetvari

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    Rhythmische Demo vor dem griechischen Parlament in Athen gegen den Sparkurs der Regierung. Kommt die griechische Wirtschaft nicht bald vom Fleck, droht die Umschuldung des Landes.

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