Zeit zu gehen

3. April 2011, 18:24
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Mit Westerwelle an der Spitze erlitt die FDP zuletzt viel mehr Schaden als Nutzen - von Birgit Baumann

Standfestigkeit ist eine Tugend, die man in der Politik durchaus vorweisen sollte. Doch das Beharrungsvermögen, das FDP-Chef Guido Westerwelle zuletzt an den Tag legte, war eindeutig bereits zu viel des Guten.

Ein Parteivorsitzender, unter dessen Führung die Partei von einer Wahlniederlage zur nächsten taumelt, der unbeliebt ist wie kaum ein Zweiter in Deutschland - der kann nicht nach jedem Wahldebakel bloß mit fester Stimme erklären: "Wir haben verstanden." Der muss handeln.

Zehn Jahre hat er sich an der Spitze der FDP gehalten. Das ist eine Zeitspanne, von der andere Parteichefs nur träumen können. Die FDPhat mit ihm Tiefs erlebt (Spaßwahlkampf im Guidomobil, Auftritt im Big-Brother-Container), er hat sie aber auch in bis dahin unbekannte Höhen und von Wahlerfolg zu Wahlerfolg geführt. Dafür respektierte man ihn, geliebt jedoch wurde er nie.

Daher drehte sich der Wind sehr rasch, als Westerwelle nach der Bundestagswahl den Umstieg von der Oppositionsbank auf den Regierungssessel nicht schaffte. Plötzlich stand alles in der Kritik: seine programmatische Einengung auf sein Lieblingsthema Steuersenkung; seine verbalen Rundumschläge, die Sozialhilfeleistungen in den Ruch spätrömischer Dekadenz brachten; sein Machtrausch, der aus Staatsbesuchen Lustreisen für FDP-Spender machte.

Spät, aber doch, hat nun auch er erkannt: Mit ihm an der Spitze erlitt die FDP zuletzt viel mehr Schaden als Nutzen. (Birgit Baumann /DER STANDARD, Printausgabe, 4.4.2011)

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